Buchvorstellung: Ich zähmte die Wölfin

Eine Biografie des römischen Kaisers Hadrian – was hat das mit uns, den Mukoviszidose-Familien und Erwachsenen, zu tun? Sehr viel, denn Hadrians Lebensgefühl hat Parallelen zu unseren Erfahrungen.
Die Autorin lässt Hadrian auf sein Leben zurückblicken. Mit fast 60 Jahren schreibt er einen Brief an seinen Neffen Marc Aurel. Er berichtet über sein Leben, die vielen Feldzüge, die schönen und die schweren Stunden…. Mittlerweile spürt der römische Kaiser, dass gesundheitliche Einschränkungen seine Lebenssicht ändern. Hadrian vergleicht sein Leben mit einer Villa: Früher konnte er alle Räume nutzen. Heute sind es nur noch einige. Weite Reisen zB sind für Hadrian nicht mehr möglich. Er ist mehr auf Ärzte gewesen – als Kaiser hatte er einen persönlichen Leibarzt. An seinem Arzt schätzt er vor allem die Offenheit und Ehrlichkeit.
Mich beeindruckt an dem Buch, wie ein Mensch sein Leben annimmt. Wie er enger werdende gesundheitliche Grenzen akzeptiert und trotzdem froh und zufrieden ist. Ich habe dies oft auch bei CF-lern erlebt, die sauerstoffpflichtig sind und auf die Transplantation warteten. Zufriedenheit ist nicht von den Prozenten der Lungenfunktion abhängig. Nicht die Länge des Lebens zählt, sondern die Tiefe. Dieses Zitat von Gorch Fock fasst den Inhalt des anspruchsvollen Buches treffend zusammen.
Thomas Malenke
Ich zähmte die Wölfin. Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian
von Marguerite Yourcenar, Marguerite A. J. d Crayencour
Dtv , ISBN: 3423124768


