Ausweis – ja oder nein?
JA ! lautet meine spontane Antwort. In den meisten Fällen werden die Eltern diese Entscheidung treffen. Mit der Berufswahl und dem Einstieg ins Berufsleben wird der Umgang mit der Schwerbehinderung und den damit verbundenen Rechten und Pflichten mehr und mehr in die Verantwortung der jungen Erwachsenen übergehen.
Verdeutlichen wir uns folgendes: Wir sprechen hier über den Berufseinstieg und den beruflichen Werdegang von jungen CF-Betroffenen. Es ist noch nicht so lange her, da war dies überhaupt kein Thema. Mit zunehmenden Alter wachsen nicht nur Erfahrungen, Einsichten und der verantwortungsvolle Umgang damit, es gibt viele Gründe, für diese Entwicklung froh und dankbar zu sein.
Meinen Schwerbehindertenausweis bekam ich mit 17 Jahren in Form einer Pflegestufe. Meine Eltern bekamen weiter Pflegegeld. Der einzige Effekt für mich: die für Schüler ohnehin günstige Monatskarte für die Dresdner Straßenbahn war noch günstiger. Da es mir zu diesem Zeitpunkt recht gut ging habe ich über die bescheinigte Behinderung keine Gedanken gemacht und auch die jugendliche „Sturm und Drang Zeit“ hat darunter nicht gelitten. Nach der Einführung der bundesdeutschen Gesetzgebung wurde aus meiner Pflegestufe problemlos, ja geradezu automatisch, ein Grad der Behinderung, dokumentiert auf einem neuen Ausweis.
Bei der Bewerbung wurde in einem Fall nach Behinderung und deren Ursachen gefragt. Eine Stoffwechselkrankheit namens Mukoviszidose erzeugte dabei durchaus Aufmerksamkeit und die Aussage: „Das ist doch eine fortschreitende Krankheit“. In einem anderen Bewerbungsbogen war lediglich auf die Frage „Sind Sie schwerbehindert?“ j a oder n e i n anzukreuzen.
Über die Steuerlichen Erleichterungen und die erhöhte Zahl an Urlaubstagen möchte ich hier keine weiteren Ausführungen machen. Dies erfolgte bereits in der fev-eins und jede Sozialberatung in den Ambulanzen muß dazu Auskunft geben können.
Ein Status als Schwerbehinderter erleichtert im Arbeitsleben den Umgang mit vergleichsweise hohen Fehlzeiten, sei es durch akute Infekte, durch regelmäßige IV oder die regelmäßige Reha-Aufenthalte. Die interessierten Kollegen werden sicherlich da und dort auch mal bissige Bemerkungen machen. Meist dann, wenn man aus o.g. Gründen nicht auf Arbeit ist. Da hilft dann nur aktive Aufklärungsarbeit. Für den CF-ler ist das so selbstverständlich wie Tabletten zum Essen und tägliche Therapie. Dabei wird man eben auch dann und wann daran erinnert, dass wir oftmals ein relativ normales Leben führen. Daran sollten wir denken, wenn wir uns über unsere Mitmenschen ärgern.
Im Öffentlichen Dienst werden Schwerbehinderte bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt. Jede Firma muss ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl eine festgelegte Anzahl Schwerbehinderter beschäftigen. Sollte diese Zahl nicht erreicht werden ist eine Ausgleichsabgabe fällig. Allerdings ist diese so niedrig, dass es
oftmals „billiger“ erscheint sich von dieser Verpflichtung „freizukaufen“.
Im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage der Firma können Sozialpläne vereinbart werden. In diesem Falle ist Schwerbehinderung nur e i n e s von mehreren Kriterien für den Erhalt der Arbeitsplätze.
Wir gehören zur ersten Generation von CF-lern, die neben täglicher Therapie den Weg in den Arbeitsalltag und die wirtschaftliche Selbstständigkeit gegangen sind. Diesen Schritt gehen mehr und mehr junge CF-Erwachsene. Damit ergeben sich neue Arbeitsschwerpunkte: neben Sozialrecht sind das Berufswahl und Arbeitrecht. Aller Probleme und den regelmäßigen Kämpfen mit Versicherungsträgern, Krankenkassen und Versorgungsämtern zum Trotz – das ist ein Grund zur Freude, denn CF ist erwachsen geworden...
Ralf Wagner, Dresden (36, CF)


