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„Inhalative Therapien“

 „Kochsalzinhalation“ (Ballmann, DE)
Herr Dr. Manfred Ballmann (Hannover) stellt in seinem Vortrag verschiedene neue Publikationen auf dem gebiet der Inhalationstherapie vor. In einer zusammenfassenden Arbeit von Rick Boucher, (Chapel Hill; USA) (Boucher RC; J Intern Med 2007 Jan, (261(1):5-16) wird der Wasserentzug der Luftwegsoberflächenflüssigkeit als initiales Geschehen der CF Lungenerkrankung angesehen. Entsprechend wird eine „Hydratationstherapie“ als Erfolg versprechend angesehen.
Eine entsprechende Therapie mit hypertoner Kochsalzlösung (7% NaCl) wurde in aktuellen Studien untersucht (Elkins et al. und Donaldson et al., beide New Engl J Med 2006, 354). Eine Pilotstudie (Subbarao et al, Pediatr Pulmonol, 2007) untersuchte die hypertone Kochsalzlösung sogar bei Kleinkindern (6 Monate bis 2,5 Jahre) und beschied Unbedenklichkeit in der Anwendung, so dass eine größere Untersuchung zur Wirksamkeit auch in dieser Altersgruppe sinnvoll ist.
Insgesamt stellt Herr Dr. Ballmann die Kochsalzinhalation als gute additive Therapie dar, die jedoch zeitintensiv ist (20 ml Inhalationsvolumen) und demnach schnellere Inhalatoren (neue Devices) oder alternative Substanzen gesucht werden sollten, die ebenfalls die Hydratation verbessern (z. B. Mannitol, aktuelle Phase III Studie durch Pharmaxis).


 „Therapeutischer Einsatz von ENaC-Blockern“ (Southern, UK)
In diesem Vortrag wurde die Rolle der Natrium Hyperabsorption durch den ENaC-Kanal an der CF Lungenerkrankung beschrieben (in vivo Studien, Zellkulturexperimente und Tiermodelle deuten darauf hin). Demnach sollten ENaC Blocker eine gute Therapieoption sein. Bisherige Studien mit Amilorid brachten nicht das erwünschte Ergebnis, möglicherweise weil Amilorid sehr kurzlebig ist. Ein systematisches Review zur Amilorid-Inhalation (Cochrane Database; Burrows et al 2006) zog daher den Schluß, die Inhalation kurzwirksamer Natrium-Kanal-Blocker nicht zu empfehlen! In der Inhalationsstudie von Donaldson (s. o.) wurde gezeigt, dass Amilorid den Effekt einer hypertonen Kochsalzinhalation sogar mindert. Warum das so ist, ist nicht geklärt.
Schlussfolgernd kann man sagen, dass der bisherige Kenntnisstand dafür spricht, Amilorid-Analoga zu entwickeln und zu untersuchen. Rick Boucher, Entwickler der Dehydratations-Theorie (s. o.) ist hier federführend. Eine relativ neue Substanz, Parion 552-02 wurde in Phase I-Studien (Überprüfung der Sicherheit an Probanden) und Phase II-Studien (Dosisfindung und  Wirksamkeitsnachweis, „Proof of concept“, an Patienten) unter Beteiligung der CFF in der Arbeitsgruppe Boucher untersucht. Ganz aktuell wird diesbezüglich diskutiert, ob hier eine duale Therapie mit einem ENaC-Blocker und einem Aktivator alternativer Chlorid-Kanäle gegeben werden kann (z. B. Pari 552-02 zusammen mit Denufosol).

 

 „DNAse-Therapie“ (Sanders, BE,)
Dieser Vortrag widmete sich der Frage, warum einige CF-Patienten nicht auf eine Pulmozyme (DNAse) Therapie ansprechen. Sanders et al. hatte Ende 2006 publiziert, das Magnesium (Mg2+) im Sputum das Verhältnis von G-Actin und F-Actin reguliert. G-Actin inhibiert Pulmozyme, F-Actin nicht. Bei Anwesenheit von Mg2+ wird G-Actin in F-Actin umgewandelt und die Inhibition von Pulmozyme wird verhindert. Eine aktuelle noch nicht publizierte Studie (Prof. De Boeck) hat bereits die Mg2+ Supplementation einer Pulmozyme Therapie mit Erfolg untersucht. Dennoch sprechen einige Patienten trotz Supplementation auf die Pulmozyme Therapie nicht an. Eine weitere Verbesserung durch Mg2+ bei Patienten, die bereits auf das Medikament ansprachen, sog. „Respondern“ konnte ebenfalls nicht erreicht werden.

 

 „Inhalative Antibiotika“ (Westermann, NE)
Dieser Vortrag beschäftigte sich mit den Neuerungen hinsichtlich inhalativer Antibiotika. Gut wirksame inhalative Antibiotika wie Tobramycin, Colistin und Ciprofloxacin werden derzeit dahingehend optimiert, indem eine zeitsparende Inhalation dieser Antibiotika entwickelt werden soll (DPI=Dry powder inhalation).
Aktuelle Studien:
Tobramycin: TIP (4 x 28 mg Tobramycin Inhalation Powder) vs. Tobramycin (1 x 300 mg) Feuchtinhalation. Die Ergebnisse einer Phase II Studie (Pharmakokinetik  und Safety) wurden publiziert (Geller et al, 2007): TIP ist eine effiziente und schnelle Therapie mit  positiven Daten zur Sicherheit, so dass eine weitere Phase III Studie Sinn macht (läuft schon). Nebenwirkungen wie akuter Husten können durch TIP häufiger als bei einer Feuchtinhalation von Tobramycin auftreten.
Colistin: Freedom-Trial, Westerman et al hat 2006 eine Pilot-Studie publiziert. Die Colistin-Trockeninhalation ist demnach sicher, Optimierungen an dem Inhalator (Twincer®) sind notwendig, um gleiche Depositionsraten wie bei der Feuchtinhalation von Colistin zu erreichen. Eine Phase III Studie ist in Planung.
Ciprofloxacin: Ciprofloxacin ist bislang nicht als inhalierbares Antibiotikum verfügbar, neue Formulierungen sind aber in Bearbeitung.
Zusammenfassend kann man sagen, dass derzeit noch kein Antibiotikum per DPI zur Behandlung der Pseudomonas Infektion bei CF kommerziell verfügbar ist. Die aktuellen Entwicklungen sind viel versprechend. Große Studien sind notwendig, um die Marktreife zu erreichen. Die Akzeptanz bei den Patienten ist hoch.

 

Expertenrat