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Plenum 2

Viren, Pilze und Bakterien: Infektiologie bei Mukoviszidose

Im Plenum 2 wurden in drei Vorträgen verschiedene Aspekte der Infektiologie bei Mukoviszidose beleuchtet. Die Moderation der Sitzung übernahmen Prof. Frank-Michael Müller und Dr. Olaf Sommerburg in Vertretung von Dr. Stefan Zielen. Der erste im Programm angekündigte Vortrag „Wie Bakterien sich verändern” von Dr. Wolfgang Witte musste wegen Erkrankung des Vortragenden leider ausfallen.

Welche Rolle spielen Virusinfektionen bei Mukoviszidose Patienten?

Frau Dr. Gundula Jäger vom Max von Pettenkofer Institut aus München referierte über die Bedeutung von Virusinfektionen bei Mukoviszidose-Patienten. Frau Dr. Jäger machte klar, dass zwar virale Atemwegsinfekte bei Mukoviszidose nicht häufiger vorkommen als bei ansonsten gesunden Personen. Andererseits haben Virusinfektionen (v.a. RSV und Influenza A) aber eine zentrale Bedeutung für die Erstbesiedelung mit Pseudomonas. Zugrunde liegt dieser Beobachtung, dass die bakterielle Adhärenz, also die Fähigkeit der Erreger sich in der Lunge festzusetzen, in Folge einer Virusinfektion verstärkt ist. Es kommt zu häufigeren Exazerbationen und einem erhöhten Antibiotikaverbrauch. Daher kommt der Prophylaxe von Virusinfektionen eine große Bedeutung zu. Empfohlen werden die Influenza-Impfung ab einem Lebensalter von sechs Monaten und eine RSV-Prophylaxe mit Palizivum ab, letztere insbesondere bei weiteren Risikofaktoren wie bei Frühgeborenen. Über die Vorteile der Prophylaxe in der Langzeitwirkung lägen allerdings zurzeit keine ausreichenden Daten vor, führte Dr. Jäger aus. Neben den genannten Viren spielen auch Rhinoviren und Herpesviren bei Mukoviszidose eine Rolle. Schließlich sprach Dr. Jäger besonders der richtigen Diagnose von Virusinfektionen eine bedeutende Rolle zu:mit der PCR-Diagnostik stünde inzwischen eine sichere Methode zur Verfügung, die zwar relativ teuer aber unverzichtbar sei, da alle anderen Methoden keine verlässlichen Ergebnisse lieferten. Durch eine sinnvolle Diagnostik könnte so die Verwendung nicht notwendiger Antibiotika vermieden werden.  

Pilze bei CF – ein selbst gemachtes Problem?

Prof. Frank-Michael Müller von der Universität in Heidelberg stellte in seinem Vortrag die Frage: Pilze bei CF – ein selbst gemachtes Problem? Prof. Müller zeigte auf, dass Pilze für die Pathogenese bei Mukoviszidose in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. So konnte z.B. noch 1987 in einer Untersuchung von Patientensputen der Pilz Aspergillus fumigatus nur in 2% der Fälle nachgewiesen werden. 2003 erfolgte in einer vergleichbaren Untersuchung ein Nachweis dieses Pilzes in 45% der Sputumproben. Prof. Müller führte aus, dass häufige Antibiotikatherapien gegen Pseudomonaden und andere Problemkeime Nischen für solche seltenere Keime schaffen können. Auch der unreflektierte Einsatz von Kortikosteroiden könnte die Besiedelung mit Pilzen fördern. Prof. Müller empfahl eine kritische Überprüfung von bisherigen Therapiekonzepten hinsichtlich einer Begünstigung für pilzliche Infektionen. Neben dem Schimmelpilz Aspergillus sind vor allem Infektionen mit der Hefe Candida ein Problem. Hier haben z.B. Patienten mit implantiertem Kathetersystem ein erhöhtes Risiko für eine Infektion. Aber auch eine Kolonisation der Schleimhäute oder Vulvovaginalmykosen sind nicht selten. Problematisch ist weiterhin die ABPA (Allergisch-bronchopulmonale Aspergillose), deren Diagnose insbesondere zu einem frühen Zeitpunkt sehr schwierig ist. Gegenstand derzeitiger Forschung ist laut Prof. Müller die Frage, ob die alleinige Besiedelung mit Schimmelpilzen zum Entzündungsgeschehen in der Lunge beiträgt und somit einen direkten Einfluss auf die Lungenerkrankung hat.

"Impfen bei CF: heute und morgen",

das war der Titel des letzten Vortrags im Plenum 2, der von Dr. Ulrich Baumann aus Hannover gehalten wurde. Baumann gab einen Überblick über die empfohlenen Impfungen bei Mukoviszidose (s. Tabelle) und stellte neue Entwicklungen bei den Impfstoffen vor. Generell besteht häufig das Problem, dass die Wirkung zugelassener Impfungen bei Patienten mit Mukoviszidose nicht belegt ist. Dr. Baumann betonte deshalb die Tatsache, dass die Impfempfehlungen sich überwiegend aus Expertenmeinungen ableiten. Seit einigen Jahren gibt es Wirksamkeitsstudien zur Pseudomonasimpfung. Dr. Baumann gab einen Überblick über die erzielten Ergebnisse: Das Aerugen-Vakzin (O-Polysaccharid-TA-Vakzine) wurde in einer Phase II und einer Phase III Studie untersucht; die Ergebnisse der letzten Studie wurden bislang nicht veröffentlicht; die Infektionsrate soll aber wohl in den verglichenen Gruppen zu niedrig sein, um eine aussagekräftige Auswertung vornehmen zu können. Die Ergebnisse der Studie zum Immuno-Vakzin (Flagella) wurden kürzlich veröffentlicht und es konnte ein Schutz, allerdings nur gegen zwei Subtypen von Pseudomonas nachgewiesen werden. Dr. Baumann stellte einen weiteren Ansatz für ein Vakzin vor, das gegen alle bekannten Pseudomonas-Subtypen  wirken würde, das OprF-OprI-Vakzin, zu dem bislang aber nur erste Ergebnisse aus einer Phase II Studie vorliegen.

Jutta Bend

Tabelle zu "Impfen bei CF: heute und morgen"

Krankheitserreger

Impfempfehlung

Hinweise

Influenzaviren (Grippe)

Wahrscheinlich sinnvoll

Wichtig ist auch die Immunisierung von Personen aus der Umgebung der Patienten

Hepatitis A und B

Wahrscheinlich sinnvoll

ECFS empfiehlt Impfung wegen CF-Hepatopathie

Varicellen

Wahrscheinlich sinnvoll

2 x Imfpung > 14 Jahre

Pneumokokken

Möglicherweise sinnvoll

ECFS: Bei CF-Patienten mit fehlender Antikörperantwort; evt. Steigerung der Entzündung?

Haemophilus influenzae

Möglicherweise sinnvoll

ECFS empfiehlt Booster mit 6 Jahren; Kombinationsimfpstoff ist nicht zugelassen für >2 Jahre

RSV

Wünschenswert

Aktive Impfstoffe in der Entwicklung; Palivizumab?

Expertenrat