Statement zu "Kontraste-Beitrag" von Dr. Andreas L. G. Reimann
Bonn, 4. August 2008. Dr. Andreas L. G. Reimann, Geschäftsführer des Mukoviszidose e.V. und Erster Stellvertretender Vorsitzender der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen, ACHSE e.V., äußerte sich am vergangenen Freitag in Bonn zu dem Beitrag "Die Cousine als Ehefrau – behinderte Kinder aus Verwandtenehen", ausgestrahlt am 31. Juli 2008 bei "Kontraste" (ARD).
"Die Schlussfolgerung des 'Kontraste'-Films, dass über genetische Risiken gerade in Risikogruppen aufgeklärt werden solle, teilen wir. Durch den gesamten Beitrag könnte jedoch der Eindruck erweckt werden, dass Mukoviszidose und andere vererbte Erkrankungen vorwiegend durch die Verwandtenehe von Migranten entsteht. Wir möchten daher aufklären: Zum Beispiel Mukoviszidose als rezessiv vererbte Erkrankung kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent immer dann auftreten, wenn beide Eltern Träger der Erbanlage sind. Die ganz überwiegende Mehrheit der Mukoviszidose-Betroffenen in Deutschland kommt aus deutschen Familien. Denn von den knapp 200 neu diagnostizierten Mukoviszidose-Erkrankungen im Jahr beziehen sich lediglich drei Prozent auf Menschen mit türkischer Abstammung. Mag man die Verwandtenehe aus vielen Gründen zu Recht ablehnen, ist es jedoch unverantwortlich, Menschen, die mit einer vererbten Erkrankung leben, für den Kampf gegen diese Institution zu instrumentalisieren."
Dr. Andreas L. G. Reimann meint, dass durch den Beitrag der Eindruck erweckt werden könne, die Geburt eines Kindes mit genetisch bedingten Erkrankungen sei eine Art 'Super-Gau', der mit allen Mitteln zu verhindern sei: "Es wird überhaupt nicht unterschieden zwischen der verantwortlichen präventiven genetischen Beratung vor der Entscheidung für eine Partnerschaft mit Kindern und der vorgeburtlichen Diagnostik mit dem Ziel, die Geburt des Kindes zu verhindern. Unsere Aufgabe als Patientenorganisation ACHSE e.V. ist es, gegen die Erkrankungen und nicht gegen die daran Erkrankten zu kämpfen. Unser Wunsch ist es, dass die Öffentlichkeit diese Maxime mit trägt."
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Dr. Andreas L.G. Reimann
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