14.11.2002
Lungentransplantation – neues Leben für Mukoviszidose-Betroffene?
Transplantation war ein zentrales Thema der fünften deutschen Mukoviszidose-Tagung. Am 8. und 9. November trafen sich Therapeuten, Wissenschaftler und Ärzte aus ganz Deutschland in Würzburg. Oberbürgermeisterin Pia Beckmann eröffnete am Freitag die Tagung mit einem Grußwort.
Bei der Erbkrankheit Mukoviszidose ist vor allem die Lunge in Mitleidenschaft gezogen. Bakterien setzen sich in den Atmungsorganen fest und verursachen Entzündungen. Diese Infektionen zerstören langfristig das Lungengewebe und die Betroffenen sind rund um die Uhr auf zusätzliche Sauerstoffversorgung angewiesen. Jede weitere Infektion könnte zum endgültigen Versagen der Lunge führen.
Damit ist die Frage, warum sich ein von Mukoviszidose-Betroffener in dieser Situation für eine Lungentransplantation entscheidet, leicht zu beantworten: „Es war die einzige Chance, die ich hatte", berichtete der Transplantierte Christian Sievers. Die Risiken, die mit einer Transplantation verbunden sind – wie eine mögliche Abstoßung – nimmt man in seiner Situation in Kauf. Transplantation ist keine Garantie, bedeutet aber immerhin eine Chance.
Die Entscheidung für ein Leben mit „fremder Lunge" fällt sicherlich nicht leicht. Zu psychischen Problemen können schwerwiegende physische Probleme mit der Transplantation einhergehen. Die Gefahr einer Abstoßung ist dabei nur ein Beispiel einer möglichen Komplikation. „Jeder muss für sich selber entscheiden, ob die Transplantation der richtige Weg für ihn ist", bestätigte Sievers, „und nicht jeder Betroffene wählt diesen Weg."
„Entscheidet sich ein Patient für eine Transplantation, stehen umfangreiche Voruntersuchungen an", erläuterte Professor Dr. Karl Paul von der Berliner Charité. „Denn der Patient muss den Belastungen, die eine Transplantation für den Körper bedeutet, auch gewachsen sein." Ist das der Fall, meldet der behandelnde Arzt seinen Anwärter auf ein neues Organ dem Eurotransplant-Zentrum im niederländischen Leiden. Aber auch ein Platz auf der Warteliste dieses europaweit tätigen Zentrums garantiert nicht, dass für ihn sofort ein passendes Organ gefunden wird. Manchmal kann es Monate dauern, und oft genug haben Patienten diese Wartezeit nicht überlebt. Mittlerweile gibt es eine Dringlichkeitsliste für besonders schwer Betroffene, die bevorzugt behandelt werden, vorausgesetzt, ein passendes Organ ist verfügbar. Bei der herrschenden Organknappheit bedeutet noch nicht einmal ein solcher Platz eine Garantie für eine neue Lunge. Denn noch immer entscheiden sich viel zu wenig Menschen zu einer Organspende.
Eine Transplantation ist – trotz aller Fortschritte der Medizin – noch immer mit Gefahren verbunden. Doch trotz aller Risiken bedeutet die Organverpflanzung für die Betroffenen letztlich die einzige Chance. Für sie eröffnet sich nach einer erfolgreichen Transplantation ein neues – vergleichsweise leichtes – Leben. Trotz der Medikamente, die ein Leben lang eingenommen werden müssen und die das körpereigene Immunsystem schwächen. Nur so kann man die Abstoßung des fremden Organs verhindern. Dies führt dazu, dass sich die Transplantierten besonders vor Infektionen schützen müssen. „Doch all das nimmt man für diese Chance gern in Kauf", erklärte Christian Sievers seine Entscheidung für ein Leben mit fremder Lunge.


