Hygienemaßnahmen bei Patienten mit Burkholderia cepacia
S. Eckhardt
Vorkommen:
Burkholderia cepacia ist ein Nass- und Bodenkeim. Er kommt in unserer natürlichen Umgebung vor und konnte bisher in stehenden und fließenden Wassern wie Abläufen von Waschbecken, Duschen, Badewannen bzw. in Sedimenten von Teichen, Weihern und Flüssen nachgewiesen werden. Als Bodenkeim ist er vor allem an Wurzel- und Knollenbereich von Pflanzen, Gemüse (Zwiebeln) zu finden. Der Keim wurde erstmals aus faulenden Zwiebelknollen von Burkholder im Jahre 1950 isoliert. 1970 wird vom bakteriellen Nachweis im Sputum von Mukoviszidose Patienten berichtet. Anfang 1980 wurde B. cepacia mit dem Auftreten schwerer Lungeninfektionen in Zusammenhang gebracht (Cepacia-Syndrom) und die Übertragung von Patient zu Patient beschrieben (Govan 1993, Govan 1996).
Unter der Bezeichnung Burkholderia cepacia wird eine große Anzahl von Bakterien zusammengefasst, die sich genetisch ziemlich stark voneinander unterscheiden. Daher werden sie in Untergruppen unterteilt, sogenannte Genomovare. Sie besitzen eine natürliche Resistenz gegenüber vielen Antibiotika.
Nachweis:
Die Labordiagnostik ist schwierig und zeitaufwendig. Es bedarf Selektmedien und Wachstum fördernder Zusätze. Die Verwechslung mit Stenotrophomonas und Alcaligines ist möglich.
Übertragung:
Eine Übertragung kann durch orale Aufnahme des Keimes mit dem Wasser oder kontaminierten Pflanzenteilen stattfinden. Im Privatbereich der Patienten sollte deshalb auf den Einsatz von Luftbefeuchtern, Sodastreamern und Komposteimern verzichtet werden. Die größte Gefahr für eine Übertragung stellt jedoch der mit Burkholderia cepacia besiedelte Patient dar. Eine Übertragung ist durch eine Schmierinfektion oder durch ausgehustete Aerosole möglich.Hat der Keim die Lunge des Mukoviszidose-Patienten besiedelt, kann der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich sein. Während bei den meisten Patienten keine Verschlimmerung eintritt, erleiden andere Patienten eine drastische Verschlechterung. Da der Keim viel stärker infektiös ist als Pseudomonas aeruginosa, muss größte Sorgfalt walten, um eine Übertragung von Patient zu Patient zu vermeiden. Deshalb sollten Burkholderia cepacia positive Mukoviszidose-Patienten nicht mit anderen CF-Patienten in Kontakt kommen, weder im Krankenhaus, in der Ambulanz, einer Rehabilitationsstätte oder im Privatbereich.
Hygienemaßnahmen für medizinisches Personal
Die sachgerechte und häufige Händedesinfektion ist die wichtigste Maßnahme, einer Schmier- und Tröpfcheninfektion vorzubeugen (s. Generelle Hygienemaßnahmen).
ambulant
- Ambulanztermin immer mit Voranmeldung, am Ende der Sprechstunde
- kein Kontakt zu anderen CF Patienten ermöglichen
- vor und nach Patientenkontakt Hände desinfizieren
- bei Kontakt mit potenziell infektiösem Material Einmalhandschuhe anziehen
- Funktionsabteilungen über die Keimträgerschaft informieren, damit Hygienemaßnahmen eingehalten werden
- Flächendesinfektion des Untersuchungszimmers
Hygienemaßnahmen für medizinisches Personal
stationär
- Patienten auf getrennten Stationen im Einzelzimmer unterbringen
- Patient sollte das Zimmer nicht verlassen
- keinen Kontakt zu anderen CF Patienten ermöglichen
- bei Betreten und Verlassen des Patientenzimmers Händedesinfektion durchführen
- vor und nach Patientenkontakt Händedesinfektion durchführen
- bei Kontakt mit potenziell infektiösem Material Einmalhandschuhe anziehen
- Patienten- und Inhalationshygiene überwachen
- Physiotherapie erfolgt im Zimmer
- Inhalette täglich sterilisieren
- Funktionsabteilungen über die Keimträgerschaft informieren, damit Hygienemaßnahmen eingehalten werden
- laufende Flächendesinfektion des Zimmers durchführen, darauf achten, dass Türgriffe in die Desinfektion mit einbezogen werden
- nach der Entlassung des Patienten Schlussdesinfektion des Zimmers durchführen
Hygienemaßnahmen für Patienten
Die Patienten und Angehörigen sollten über den Keim unterrichtet werden, damit sie die notwendigen Hygienemaßnahmen verstehen und einhalten können. Der Patient sollte mit Mundschutz und Händedesinfektionsmittel für die Tasche ausgestattet sein.
ambulant
- Ambulanztermin mit Voranmeldung, am Ende der Sprechstunde
- vor Betreten der Ambulanz Mundschutz anlegen
- vor Betreten der Ambulanz die Hände sachgerecht desinfizieren
- auf direktem Weg in das zugewiesene Untersuchungszimmer gehen
- bei Verlassen des Untersuchungszimmers Mundschutz anlegen und Hände desinfizieren
- Mundschutz außerhalb der Ambulanz entsorgen
stationär
- vor Betreten der Station Mundschutz anlegen
- Händedesinfektion
- eigene Inhalette und Vaporisator benutzen, Inhalette täglich zur Zentralsterilisation
- Hände nach Sputumkontakt, Husten und Niesen in die Hand desinfizieren
- das Zimmer möglichst nicht verlassen
- vor Verlassen des Zimmers Mundschutz anlegen und Hände desinfizieren
Literatur:
- Govan, J., Brown, P., Maddison, J., Doherty, C., Nelson, J., Dodd, M. et al. 1993. Evidence for transmission of Pseudomonas cepacia by social contact in cystic fibrosis. Lancet 342:15-19
- Govan, J., Hughes, J., Vandamme, P. 1996. Burkholderia cepacia: medical, taxonomic, and ecological issues. J. Med. Microbiol. 45:395-407
- Lungeninfektion bei Mukoviszidose: Therapie und Prävention. (Hrg.: Mukoviszidose e.V. Deutscher Ärzteverlag, 2002


