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Grüezi und Merci

Als Patient in Davos, Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang. Wieder einmal hatte es mich gesundheitlich ziemlich erwischt. Nach einem Rezidivpneumothorax musste ich mich einer Thorakotomie (Lungen-OP) unterziehen. Nach mittlerweile 4 Wochen Akutkrankenhausaufenthalt, i.v.-Therapie inklusive, war die Luft ziemlich knapp. Um schnellst möglichst wieder auf die Beine zu kommen, entschied ich mich fürdie Fortführung der stationären Behandlung in der Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang (Deutsche Klinik in der Schweiz). Nachdem meine Krankenkasse die Kostenzusage hinsichtlich der Behandlung gegeben hatte, vereinbarte ich telefonisch mit der Aufnahmezentrale der Klinik einen Aufnahmetermin. (Akut erkrankte Patienten werden auch kurzfristig aufgenommen.)

Die Hochgebirgsklinik ist eine Fach- und Rehabilitationsklinik für Atemwegserkrankungen für deutsche Patienten (Kinder und Erwachsene). Hauptsäschlich werden hier Patienten mit Asthma bronchiale behandelt. Man ist deshalb als CF-Patient ein Exot, aber in sehr guten Händen.
Vorteil: Wenig „CF-typische Keime“. 

 

 

Die Anreise

Ich beschloss, diesmal mit dem Auto zu reisen. (Aber auch eine Zugfahrt insbesondere die Strecke Landquart – Davos im z. Bsp. „Lungenzug“ hat ihre Reize). Nachdem ich alles, einschließlich Wanderschuhe und Inhalationsgeräte verpackt hatte, ging meine ca. 800 km lange Reise los. Gegen 17.00 Uhr war ich dann endlich am Ziel angelangt. Ich parkte mein Auto direkt vor der Kliniktür und begab mich erst einmal zum Empfang. Dort lagen meine Unterlagen bereit und da ich vor ca. einem Jahr schon einmal in der Klinik weilte, ging die Aufnahmeprozedur sehr rasch.
Ein netter Herr vom Patientenservice half mir dann mein Gepäck auf das Zimmer zu bringen. Wenn man mit dem Zug anreist, wird man mit dem Klinikbus vom Bahnhof abgeholt. Das ist ein selbstverständlicher Service der Klinik.

In meinem Zimmer (alles Einzelzimmer, mit Balkon – Blick zu den Bergen bzw. zum See, Dusche, Telefon (keine Grundgebühr), Fernseher kann gemietet oder mitgebracht werden) fand ich die Bestellzettelchen für die Routineuntersuchungen am nächsten Tag. Labor, Lungenfunktion, EKG, Sputum, Röntgen.  (Es empfiehlt sich alle Röntgenaufnahmen mitzunehmen, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden.) Nach einem Empfangsgespräch mit der Stationsschwester, fand auch gleich das Arztgespräch (Dienstarzt) statt.
Scheinbar hatte ich mich mit meiner Autotour nach Davos ziemlich verausgabt. Deshalb verbrachte ich den Abend mit Inhalation, O²-Nasensonde usw.. Das Abendessen wird am Anreisetag in der Regel auf dem Zimmer serviert, damit man für evtl. noch anliegende Termine erreichbar ist.

 

 

Mein erster Tag

Mein erster Tag in Davos begann dann um 6.30 Uhr mit dem Gang in das Labor zur Blutentnahme. (Labortermine sind die einzigsten Termine, die am Ausschlafen hindern.) Mit einer gewissen Routine arbeitete ich meine Bestellzettelchen ab und schaffte es auch noch pünktlich zum Frühstück. (Frühstück ist von 7.00 Uhr bis 8.45 Uhr.) Weiter ging es dann mit einem Besuch bei der Stationsärztin. (Wesentliche Verordnungen, wie Medikamente, Inhalationen, Physiotherapie und spezielle Ernährungsprobleme werden sofort bearbeitet. Auf die Termine der anderen Verordnungen muss man mit Geduld 1-2 Tage warten, da diese von den einzelnen Abteilungen in das Behandlungsbüchlein, welches jeder Patient bekommt, eingetragen werden.) Mit meiner Verordnung für Inhalation (Solvet II – Perkussionsinhalationsgerät 2 x täglich) begab ich mich in die Inhalationsabteilung. Ich bekam mein Inhalationskärtchen und dann ging es auch gleich los. Inhalieren kann man hier sehr viel. (Trocken-, IPPB-, Solvet-, Ultraschall-, Feucht-, UDV-, ADV-Inhalation) Da ich meine Pari-Inhalationsgeräte mitgenommen habe, führte ich die „Routine“-Inhalation in Eigenregie auf den Zimmer durch. Dadurch war ich etwas flexibler, was die Tagesplanung betraf. Die Vernebler erhielt ich täglich frisch gereinigt und sterilisiert in der Inhalation. So gab es keinen Hygienestress. Die Inhalation ist von 7.00 Uhr – 12.00 Uhr und von 16.30 – 18.30 Uhr geöffnet. Feste Termine gibt es nicht. Es erweist sich so sehr günstig, die Inhalationen selbstständig zu organisieren und entsprechend mit der Physio- oder Sportherapie zu kombinieren.
Nach den ersten organisatorischen Taten, einschließlich Auto parken (Es gibt einen kostenlosen Parkplatz und ein gebührenpflichtiges Parkhaus) war es dann auch bereits Zeit für das Mittagessen. Essen kann hier jeder reichlich. Serviert wird allerdings nicht, das hat aber den Vorteil, dass man sich sein Essen selbst zusammenstellen kann. Im Angebot sind Vollkost und spezielle Kostformen. Bei CF (hochkalorisch) oder Allergien, Laktoseintoleranz ect. kann es nützlich sein, einen Termin beim Ernährungsberater wahrzunehmen. Er organisiert dann die entsprechende „Diät“ in der Küche. Auch Vorlieben werden berücksichtigt. Für „Nudel-Fans“ ist das Essen eine Fundgrube.

Gewöhnungsbedürftig ist die Zeit von ca. 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Da ist in der Klinik Fiesta. Das heißt Mittagsschläfchen halten, am See spazieren gehen, die Berge besteigen, shoppen gehen oder... (Im Frühjahr ist der Davoser See nur halb gefüllt und somit keine Schönheit. Aber im Sommer, ab ca. Juni kann man hier auch baden, segeln und surfen.)
Die erste Woche verbrachte ich mit Essen, Inhalieren, täglicher Massage (BGM und klassisch) und sehr viel Physiotherapie (der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt und man hat hier immer wieder neue Ideen), Visiten und um den See zu spazieren.

 

 

Die Sensation des Davoser See - zahme Eichhörnchen

Langsam konnte ich mein Therapieprogramm steigern. Schwimmen, Stretching, Sporttherapie mit Ergometer und Gerätetraining und Wanderungen gehörten jetzt zu meinem täglichen Fit- und Funplan. Die seitens der Klinik organisierten Wanderungen sind nach Leistungs-gruppen (I – IV) eingeteilt, so dass jeder daran teilnehmen kann.

Die Therapie liegt im wesentlichen in der Organisation und Selbstkontrolle eines jeden Patienten selbst. Das schafft sehr viel persönlichen Freiraum und ist etwas, was ich an dieser Klinik sehr mag. Neben der körperlichen Ertüchtigung werden diverse Vorträge angeboten (Die meisten Vorträge haben Asthma bronchiale zum Thema, aber auch über Allergieprobleme, Kneippanwendungen und Sport bei Lungenerkrankungen wird informiert.) Besonders zu empfehlen für CF-Patienten ist der Vortrag Inhalation und Praxis der Inhalation. Es besteht die Möglichkeit, die eigenen Inhalationsgeräte auf Betriebstüchtigkeit prüfen und sich fachkompetent beraten zu lassen. Deshalb: Inhalationsgeräte alle mitnehmen!

Mit meinem persönlichen Fun- und Fitnessplan verging die Zeit in Davos wie im Flug.

 

 

Impressionen

Juni 2002. Die Schlechtwetterperiode (in Davos von ca. April bis Juni) scheint vorüber. Die Sonne strahlt. Der See ist gefüllt. Die ersten Boote drehen ihre Runden. Die Grillplätze am Ufer des Davoser See werden bevölkert. Die Kühe stehen auf den Weiden. Der Panoramaweg hat nur noch vereinzelt Schneefeder und ist begehbar. „Die Wiesen blühen in ihrer herrlichsten Pracht. Die Murmeltiere sind aus dem Winterschlaf erwacht“. Die ersten Bergbahnen fahren bereits wieder. Museen öffnen langsam ihre Türen. Davos beginnt zu erwachen.

Sechs Wochen Aufenthalt in Davos liegen jetzt hinter mir und ich bin wieder fit. Joggen, wandern, schwimmen alles macht wieder richtig Spaß. Ein letzter Gang führt mich die „hohe Promenade“ entlang. Noch einmal blicke ich über die Hotels und Kurhäuser auf Davos. Vorbei an der „Alpinen Kinderklinik“ (Klinik mit Zentrum für Mukoviszidose) führt mich mein Weg ein letztes Mal in das „Choccolino“, wo ich es mir bei einem Eisbecher und Erdbeertorte gut gehen lasse. In zwei Tagen fahre ich wieder nach Hause.

So kann ich nun sagen: „... die Seele triumphiert .... Wohlbefinden bringt mehr Freiheit, als die Krankheit., denn es ist die Freiheit, freier zu atmen.“

 

 

Das Höhenklima von Davos

-  ist trocken, allergen- und keimarm und frei von Hausstaubmilben
- auch Zecken habe ich keine ge-funden
- Im übrigen: hier wurde vor der Entwicklung der Antibiotika die Tuberkulose auf natürliche Weise mittels guter Ernährung, Sonne und Liegekuren therapiert. Nachzulesen in: „Der Zauberberg“ von Thomas Mann. Beschrieben wird hier die Reise des Hans Castorp von Hamburg nach Davos. Sein Erleben des Zauberberges zur Blütezeit der Tuberkulose am Vorabend des 1. Weltkrieges.

 

 

Wichtige Tips

- Unbedingt mitnehmen: Sonnencreme und Sonnenhut, „schneefeste“ Bekleidung auch in den Sommermonaten sowie festes Schuhwerk.
- Aufgrund des Adaptationsvorganges des Körpers an die Höhe (ca. 1600 m) kann es zur Hypoxie (Sauerstoffmangel) kommen.
- Eine Sauerstoffgabe insbesondere in den Nachtstunden kann dann notwendig werden.
- Thematik vorher mit Arzt besprechen. Die Sauerstofftherapie im Rahmen des stationären Aufenthaltes im Hochgebirge muss aber nicht beunruhigen. Denn Sie bedeutet nicht, dass man dann auch zu Hause weiter Sauerstoff insufflieren muss, es sei denn, die O²-Langzeittherapie war vor der stationären Aufnahme bereits notwendig.
- Lufttrockenheit: man muss sehr viel trinken, ca. 1 l mehr, als daheim.
- Aufgrund der Steigerung der Erythropoese (Blutbildung) kann sich ein Eisenmangel verstärken oder manifest werden.
- Persönlicher Tip: Aufenthalt langsam angehen lassen, was körperliche Aktivitäten anbelangt und  nicht gleich in der ersten Woche auf die höchsten Berge fahren. Lieber erst einmal kleine Höhenunterschiede erproben. Dann kann man die Bergwelt sicherlich mit allen Sinnen geniesen.
- Für Leute mit Appetitstörung: Das Essen schmeckt in der Schweiz sehr gut. Mein persönlicher Tipp: Frischer Apfelstrudel mit Vanillesauce.

 

 


Zusammenfassung - Was die Klinik alles bietet

- Krankenhausaufenthalt, Anschlussheilbehandlung, Rehabilitation für deutsche Patienten (Näheres dazu unter: http://www.hochgebirgsklinik.ch oder über die Belegungszentrale 0041/814173737 erfragen)
- sehr gute an der individuellen Leistungsfähigkeit orientierte Physiotherapie, Sport- und Bewegungstherapie (Ergometer, Fitnessraum, Gymnastikprogramme, Walking, Skilanglauf im Winter, Wanderungen, Schwimmen (Schwimmbad geeignet für Leute mit Chlorunverträglichkeit),mVolleyball, Tischtennis ect.) für Groß und Klein
- Inhalationen (siehe Text), Massage, Sauna, Wassertreten, Güsse und Bäder ect.,
- eine gute Küche (abends oft warmes Essen) und Ernährungsberatung
- diverse medizinische Vorträge, Beratungs- und Informationszentrum (z.Bsp. Berufsberatung, Beratung zu Schwerbeschädigtenausweis)
- Kirche, psychologische Betreuung, Basteln, Kino-Filme, Bibliothek, Internetzugang
- Post, Cafeteria, Waschmaschine, Teeküche auf den Stationen
- Mutter-Kind-Station, Klinikschule für Kinder, Kindergarten
- ärztliche Visiten, pneumologische und allergologische Diagnostik, HNO-, Haut-, und Augenarzt ect.
- kostenlose Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Landschaft Davos

 


Schlusswort

Die Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang im Herzen Graubündens ist eine Klinik in der man sich wohlfühlen und entspannen kann. Trotz der Größe der Klinik ist die Atmosphäre sehr persönlich und die Therapie individuell. Zwar ist die Klinik kein „CF-Zentrum“ aber es lässt sich fast alles finden, was ein CF-ler braucht. Auch hatte ich das Gefühl, dass man sich mit CF recht gut auskennt. Zum Kontaktknüpfen zu Mitpatienten gibt es viele Möglichkeiten (Speisesaal, Sporttherapie, Cafeteria usw.) Es sei denn, man hat einen Infekt, dann heißt es „auf dem Zimmer essen und Infekt auskurieren“.

Davos ist ein Paradies für Naturfreunde, Sportler, Wanderer, Feinschmecker, Romantiker, Historiker und und und. Für Leseratten: In Davos wurden neben Thomas Mann („Der Zauberberg“) auch Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“) und Sir Arthur Conan Doyle („Sherlock Holmes“) während ihrer Liegekuren literarisch inspiriert.

Neugierig geworden. Lust auf Davos bekommen. Dann wünsche ich Euch viel Spaß und einen hohen Gesundheitsgewinn.          

Anmerkung: Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang (hier beschrieben) und die Alpine Kinderklinik (mit Mukoviszidosezentrum) sind zwei unterschiedliche Einrichtungen in Davos.
                                                     
                                 Mit sonnigen Grüßen
                                 Carmen R. ...

                                                     

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