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Mukoviszidose e.V. investiert in Forschung zur Bakterien-Phagen-Interaktion

Patientenorganisation nimmt neues Forschungsprojekt in die Förderung auf
Prof. Markus Witzenrath (links, Foto: Markus Blank) und Dr. Gopinath Krishnamoorthy (Foto: G. Krishnamoorthy) forschen zur Resistenzmechanismen von P. aeruginosa.

Prof. Markus Witzenrath (links, Foto: Markus Blank) und Dr. Gopinath Krishnamoorthy (Foto: G. Krishnamoorthy) forschen zu Resistenzmechanismen von P. aeruginosa.

Bonn, 14. Februar 2022. Ein aktuell neu in die Forschungsförderung des Mukoviszidose e.V. aufgenommenes Projekt untersucht die Persistenz- und Resistenzmechanismen des Bakteriums Pseudomonas aeruginosa sowie seine Interaktion mit Phagen – und könnte künftig die Therapie chronischer Infektionen bei Mukoviszidose optimieren helfen. Das Projekt wird mit 19.000 Euro gefördert. Der Mukoviszidose e.V. unterstützt ein breites Spektrum an Forschungsprojekten von der medizinischen Grundlagenforschung bis hin zu klinischen Studien. Ziel des Vereins ist es, mit Hilfe neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Therapieoptionen und damit die Lebensqualität der Mukoviszidose-Betroffenen zu verbessern. (Mukoviszidose: Cystische Fibrose, CF)

Resistenzen erschweren nachhaltige Bekämpfung von Pseudomonas-Infektionen

Chronische Infektionen der Lunge mit Pseudomonas aeruginosa (PA) sind für viele Mukoviszidose-Patienten mit steigendem Alter ein Problem, da sie zu einer plötzlichen Verschlechterung der Lungenfunktion (Exazerbation) führen und die Lunge dadurch dauerhaft schädigen können. Die bei PA zunehmend auftretenden Resistenzen gegen die Therapie erschweren zudem eine nachhaltige Bekämpfung der Infektion. Die Mechanismen dieser Resistenzbildung genauer zu verstehen, hat sich die Arbeitsgrupppe um Prof. Dr. Martin Witzenrath und Dr. Gopinath Krishnamoorthy, an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, mit dem aktuellen Forschungsprojekt zur Aufgabe gemacht.  

Biofilm und Alginathülle als Resistenzmechanismen

Resistenzen gegenüber einer Therapie äußern sich bei Bakterien nicht allein dadurch, dass die Therapie die Bakterienzelle nicht effektiv abtöten kann, sondern auch darin, dass sich die Bakterien z.B. in einen Biofilm zurückziehen oder eine Hülle aus Alginat produzieren, welche die Therapie nicht durchdringen kann. Diese Mechanismen werden auch als Persistenz (weil die bakterielle Infektion trotz Therapie bestehen bleibt) oder Toleranz (weil die Bakterien die Therapie tolerieren, ohne abgetötet zu werden) bezeichnet.

Persistenz und Toleranz beziehen sich aber nicht auf Antibiotika-Therapien allein, auch gegen Bakteriophagen können sich Pseudomonaden auf diese Weise wehren, weil Phagen die mechanische Barriere aus Biofilm oder Alginathülle nicht überwinden können. Die molekularen Mechanismen, wie sich Persistenz bzw. Toleranz bei PA entwickelt, sind bisher nicht vollständig bekannt.

Untersuchung der Interaktion von Pseudomonaden und Bakteriophagen

Diesen molekularen Mechanismus der bakteriellen Persistenz und seine Regulationsprinzipien zu identifizieren, ist das Ziel der Projektgruppe. Hierfür untersuchen die Wissenschaftler zum einen die Reaktion von PA auf die Infektion mit Bakteriophagen, und zwar u.a. mittels einer Messung der Genaktivität (Transkriptom-Analyse). Weiterhin wollen sie herausfinden, ob die Gabe sog. „Small Molecules“ (wie z.B. L-Cystein) dazu führt, die Mechanismen der Persistenz bzw. Toleranz von PA zu überwinden und die Therapie mit Antibiotika, aber auch mit Bakteriophagen zukünftig effektiver zu machen.

Weitere Informationen zur Forschungsförderung des Mukoviszidose e.V.

Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe um Witzenrath


Hintergrund-Informationen

Über Mukoviszidose

In Deutschland sind mehr als 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose betroffen. Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper bildet sich bei Mukoviszidose-Betroffenen ein zähflüssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 150 bis 200 Kinder mit der seltenen Krankheit geboren.

Über den Mukoviszidose e.V.

Der Mukoviszidose e.V. vernetzt die Patienten, ihre Angehörigen, Ärzte, Therapeuten und Forscher. Er bündelt unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen sowie Perspektiven mit dem Ziel, jedem Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit Mukoviszidose ermöglichen zu können. Damit die gemeinsamen Aufgaben und Ziele erreicht werden, ist der gemeinnützige Verein auf die Unterstützung engagierter Spender und Förderer angewiesen.

Pressekontakt:

Mukoviszidose e.V.
Carola Wetzstein
Telefon: +49 (0)228 9 87 80-22
Mobil: +49 (0)171 9582 382
E-Mail: CWetzstein(at)muko.info


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