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Ausstoß von Bakterien und Sporen durch Klimaanlagen in Autos geringer als vermutet

Klimaanlagen in Autos und deren Ausstoß von allergenen und infektiösen Partikeln werden gerade im Hinblick auf die Gefahr für Mukoviszidose-Patienten immer wieder diskutiert. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2010 zeigt jedoch, dass der Partikelfluss im Auto geringer ist als erwartet. 
Die Forscher untersuchten über 30 Monate in drei verschiedenen Auto-Typen (VW Passat, VW Polo FSI, Seat Alhambra) älteren Baujahrs (1997-2001) und mit automatischer Klimaanlage den Gehalt an Partikeln im und außerhalb des Autos im Vergleich. Dabei wurde sowohl im Modus der Frischluftzufuhr von außen als auch im Modus der zirkulierenden Luft im Auto der Partikelgehalt gemessen. Die regelmäßige Wartung der Klimaanlage sowie der Austausch der Filter alle zwei Jahre wurden den Untersuchungen vorausgesetzt.
Krankheitserreger wurden in geeigneten Medien aufgefangen und in der mikrobiologischen Abteilung der Medizinischen Hochschule Hannover ausgezählt. Zusätzlich wurden mit Hilfe eines Laser-Partikelmessgerätes weitere Partikel mit einem Durchmesser von 0,5 bis 5 µm erfasst. (Krankheitserreger wie Pseudomonas aeruginosa haben beispielsweise eine durchschnittliche Größe von etwa 2 bis 4 µm, Sporen des Pilzes Candida albicans etwa 4-10 µm und die kleinsten Blütenpollen etwa 5 µm.)
Die Konzentration von Krankheitserregern und anderer Partikel war außerhalb der Autos immer größer als in deren Innenraum. Schon wenige Minuten nach dem Anschalten der Klimaanlage war die Gesamtzahl der Mikroorganismen im Auto um 81,7%, die Anzahl an Pilzsporen um 83,3% und die Anzahl von anderen Partikeln um 87,7% reduziert. Dieser Effekt war unabhängig davon, in welchem Auto und in welchem Modus der Luftzufuhr die Messungen vorgenommen wurden.
Wurden jedoch ältere Filter in Klimaanlagen nicht ausgewechselt, war die Anzahl von Bakterien und Pilzsporen in der Luft bis zu 67% höher als in der normalen Außenluft. Die Ursache dafür liegt in einem Wachstum der Mikroorganismen auf älteren Filtern, das sich nach heutigem Stand nicht wirkungsvoll verhindern lässt und nur durch ein regelmäßiges Auswechseln des Filters zu umgehen ist.
Für Patienten mit Mukoviszidose bedeutet dies, dass die Gefahr einer Ansteckung mit Pseudomonas oder anderen Krankheitserregern in einem Auto mit gut gepflegter Klimaanlage nicht erhöht ist.

Quelle:

Vonberg RP, Gastmeier P, Kenneweg B, Holdack-Janssen H, Sohr D, Chaberny IF. (2010). The microbiological quality of air improves when using air conditioning systems in cars. BMC Infect Dis., 10:146.