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Bericht von der europäischen CF-Konferenz 2019 - 6

Mit einer Rekord-Teilnehmerzahl von 2.595 war die diesjährige Konferenz der europäischen Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) Gesellschaft (ECFS) in Liverpool sehr gut besucht. Aus Deutschland waren 130 Teilnehmer gekommen. Wir haben die wichtigsten News aus Liverpool hier zusammengefasst.

Antibiotika-Pipeline 

Wenn erst alle Patienten Zugang zu CFTR-Modulatoren haben, braucht man keine Antibiotika mehr, oder? Was die Wissenschaftler im Moment dazu sagen können ist, dass Modulatoren bestehende Lungeninfektionen nicht eradizieren können. Die Keime können also nicht vollständig eliminiert werden. Man konnte zwar oft einen Rückgang der Bakteriendichte in der Lunge nachweisen und präventiv werden Infektionen durch den Einsatz von Modulatoren offenbar verzögert. Aber es besteht nach wie vor ein hoher Bedarf für Antibiotika bei Mukoviszidose. Dabei werden nicht nur neue Antibiotika gesucht und entwickelt, sondern auch Substanzen, die das Immunsystem stärken oder gemeinsam mit Antibiotika besonders wirksam sind. Nicht zuletzt sind die Strategien für den Einsatz der Antibiotika sehr wichtig.

Die Firma Neem Biotech aus dem vereinigten Königreich (UK) zeigte Daten zu Ajoene, einer inzwischen synthetisch hergestellten Substanz zur Bekämpfung von Biofilmen. Ajoene wurde ursprünglich in einem durch den Mukoviszidose e.V. geförderten Projekt als die Substanz in Knoblauch identifiziert, die Knoblauch seine antibakterielle Wirkung verleiht (Antimicrob Agents Chemother. 2012 May;56(5):2314-25). Ajoene stört die Biofilm-Bildung und in Kombination mit dem Antibiotikum Tobramycin können sogar sonst nur schlecht behandelbare Pseudomonas aeruginosa Biofilme angegriffen und aufgelöst werden. Der einzige Haken: auch nach mehrjähriger Forschung zur Ajoene-Synthese ist es der auf Naturstoffe spezialisierten Firma Neem Biotech nicht gelungen ein stabiles Ajoene Präparat kostengünstig herzustellen. Auch die Gewinnung der Substanz durch Extraktion aus Knoblauch gelingt nicht kosteneffektiv und führt auch nur zu einer für die therapeutische Anwendung zu instabilen Substanz. Dennoch hält Neem Biotech an dem Ansatz fest, hartnäckige Pseudomonas Biofilme (wie bei einer chronischen Infektion), durch Substanzen zu bekämpfen, die wie Ajoene die Biofilmbildung stören. Dazu werden derzeit ähnliche Substanzen und Derivate in einem systematischen Test gesucht, die wie Ajoene wirken, in Herstellung und Anwendung aber unproblematischer sein sollen.

Gallium Nitrat stört den Stoffwechsel von Pseudomonas aeruginosa

Als neue antimikrobielle Substanz zur Bekämpfung von multiresistenten Pseudomonas aeruginosa Infektionen wird derzeit Gallium Nitrat untersucht. Gallium ist chemisch gesehen dem Eisen ähnlich und führt bei den Bakterien dazu, dass diese anstatt Eisen Gallium für ihren Stoffwechsel verwenden und dadurch absterben. In der nun vorgestellten amerikanischen Phase 2 Studie wurde Mukoviszidose Patienten mit chronischer Pseudomonas Infektion Gallium Nitrat oder ein Placebo intravenös verabreicht. In der Gruppe, die das Gallium Präparat erhielten, wurde eine Verbesserung der Lungenfunktion und ein Rückgang der Pseudomonaden gegenüber der Placebo-Gruppe festgestellt. Wichtig ist auch, dass keine Risiken hinsichtlich der Sicherheit der Therapie festgestellt wurden (bisherige Publikation der AG zu vorangegangener Phase 1 Studie: Sci Transl Med. 2018 Sep 26;10(460)).  

ALX-009: Alaxia startet bald eine Phase 1 Studie, u.a. im deutschen Studiennetzwerk mit diesem neuen Wirkstoff: Hypothiocyanite (OSCN-) und Lactoferrin. ALX-009 soll das Immunsystem stärken und antibiotische Eigenschaften haben.

SNSP113: Diese inhalative Substanz von Synspira, die sich in der Phase 1 der klinischen Entwicklung befindet, ist u.a. in der Lage Biofilme zu zerstören, die in der Lunge von Mukoviszidose Patienten oft dazu führen, dass Antibiotika nicht ausreichend gut wirken können. Außerdem soll die Substanz antientzündliche und schleimlösende Wirkungen haben.

Molgramostim von Savara wird inhaliert und ist in der Phase 2a. Es wird, ggf. zusammen mit Antibiotika, gegen nicht-tuberkulöse Mykobakterien (NTM) eingesetzt und wird jetzt auch bei Mukoviszidose-Patienten getestet.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (JBend(at)muko.info) oder Dr. Sylvia Hafkemeyer (SHafkemeyer(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.