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Bericht von der europäischen CF-Konferenz 2019 - 7

Mit einer Rekord-Teilnehmerzahl von 2.595 war die diesjährige Konferenz der europäischen Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) Gesellschaft (ECFS) in Liverpool sehr gut besucht. Aus Deutschland waren 130 Teilnehmer gekommen. Wir haben die wichtigsten News aus Liverpool hier zusammengefasst.

Late breaking Science

Die Session „Late Breaking Science“ ermöglicht einen Blick in die Pipeline der präklinischen CF-Forschung zur Entwicklung innovativer Therapieansätze. Wie der Titel verspricht, werden in dieser Session brandneue Ergebnisse präsentiert – aber man kann sich sicher sein, dass alle Redner noch weitere heiße Daten bereits haben oder aktuell produzieren, als in ihren Vorträgen gezeigt werden. Demnach ist zu erwarten, dass der eine oder andere vorgestellte Ansatz schon bald die präklinische Forschung verlässt und in einer ersten klinischen Studie mündet.

Ein Medikament mit „Multitasking“-Effekt – das wäre schön. Ein junge Nachwuchsforscherin aus Italien hat durch systematische Suchen nach CFTR Korrektoren eine Substanz identifiziert, die zumindest zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: der Inhibitor „Inh-02“ hemmt ein Enzym, welches am CFTR Abbau mitbeteiligt ist (die Ubiquitin Ligase RNF5). Dadurch kann erreicht werden, dass das fehlerhafte CFTR Protein (CFTRdelF508) nicht vorschnell abgebaut wird. Dieser Effekt wurde von ihr schon relativ gut in CF-Mausmodellen und auch in Bronchialzellen von CF-Patienten gezeigt. Besonders interessant ist Inh-02 aber, weil gezeigt wurde, dass diese Substanz zusätzlich die zelluläre Abwehr von Bakterien aktiviert. Für diese herausragende Forschungsarbeit wurde die junge Forscherin, Elvira Sondo, mit dem Gerd Döring Preis der ECFS ausgezeichnet.

Read-Through-Therapie für Stopp-Mutationen: eine Frage der Zeit?

„Die Seltenen unter den Seltenen“ stehen im Fokus vieler Forscher und auch die amerikanische CF Organisation (CFF) steckt viele Forschungsgelder in die Suche nach Medikamenten für Patienten mit Stopp-Mutationen oder auch Nonsense-Mutationen. Durch systematische Suchen sind verschiedene Substanzen in der Pipeline, leider sind die getesteten Substanzen noch nicht so effektiv, dass genug CFTR Protein produziert wird. Der Schwellenwert an Protein, den sogenannte „Read-Through-Substanzen“ in der Zelle erreichen müssen um einen klinischen Effekt zu erreichen, ist bei Mukoviszidose relativ hoch. Das könnte der Grund dafür sein, warum bei anderen Erkrankungen mit Stoppmutationen eine Therapie durch Überlesen der Stoppmutation leichter funktioniert (z. B. bei Duchenne Muskeldystrophie ist Ataluren inzwischen zugelassen, während bei Mukoviszidose diese Substanz in klinischen Studien getestet und für nicht ausreichend wirksam befunden wurde: Lancet Respir Med. 2014 Jul;2(7):539-47. doi: 10.1016/S2213-2600(14)70100-6. Epub 2014 May 15. Auch die neuen Substanzen, die in einem von der CFF geförderten Projekt identifiziert wurden (SRI37240 und SRI41315) scheinen zwar zu funktionieren und sind auch additiv zu dem Korrektor Lumacaftor, dennoch kann der für die Behandlung von CF notwendige Schwellenwert an CFTR-Protein dadurch noch nicht erreicht werden. Die bisherigen Erkenntnisse und die Power hinter dieser Forschung lassen dennoch für die Zukunft hoffen, dass auch zur Behandlung von Stoppmutationen im CFTR Gen zukünftig der richtige Wirkstoff gefunden wird.

Künstliche Poren als Ersatz für den CFTR-Kanal

Molekulare Prothesen – so bezeichnen Forscher ihre Idee Medikamente zu entwickeln, die künstliche Poren in die Epithelzellen der Luftwege machen. Der CFTR-Kanal würde durch einen künstlichen Kanal mit gleichen oder ähnlichen Fähigkeiten ersetzt – vergleichbar wie beim Einsatz einer Prothese. Eine vor kurzem veröffentlichte Arbeit dazu hatte die Aufmerksamkeit auf sich gezogen und der Mukoviszidose e.V. berichtete darüber im April 2019. In dem Vortrag wurden nun weitere Experimente und Ergebnisse vorgestellt. In einem in-Vitro Zellsystem an Atemwegszellen mit zwei F508del Mutationen (d. h. CFTR F508del homozygot) wurde Amphotericin B erfolgreich getestet. Die Wirkung war dabei relativ anhaltend (eine Verabreichung von Amphotericin B in diesem Zellsystem wirkte sieben Tage). Neben der Chlorid-Messung wurde auch die Bildung der Atemwegsflüssigkeit gemessen und die Verabreichung von Amphotericin B verbesserte auch diese. Eine noch bessere Bioverfügbarkeit versprechen sich die Forscher von einem auf dem Markt befindlichen liposomalen Amphotericin B Präparat, welches derzeit in einer amerikanischen Arbeitsgruppe am einem CF-Schweinemodell getestet wird.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Sylvia Hafkemeyer (SHafkemeyer(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.