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Bericht von der europäischen CF-Konferenz 2019 - 8

Mit einer Rekord-Teilnehmerzahl von 2.595 war die diesjährige Konferenz der europäischen Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) Gesellschaft (ECFS) in Liverpool sehr gut besucht. Aus Deutschland waren 130 Teilnehmer gekommen. Wir haben die wichtigsten News aus Liverpool hier zusammengefasst.

Medikamenten-Wechselwirkungen

Dass Wechselwirkungen auftreten können, wenn mehrere Medikamente eingenommen werden, ist keine Neuigkeit. Allerdings ist für CF-Patienten mit der CFTR-Modulatoren-Therapie eine neue Substanzklasse zur täglichen Therapie hinzugekommen, deren Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sehr genau betrachtet werden müssen.  

Zentraler Bestandteil bei der Verwertung und dem Abbau von Medikamenten ist das Enzymsystem Cytochrom P 450 (CYP) in der Leber. Auch die CFTR-Modulatoren werden über dieses System metabolisiert (verstoffwechselt). Dabei ist wesentlich, ob eine Substanz auf das Enzymsystem als Substrat, als Induktor oder als Hemmstoff wirkt. Wird das Enzymsystem beispielsweise beim Abbau eines Substrats (z.B. Ivacaftor) durch eine andere Substanz (z.B. Voriconazol) gehemmt, wird das Substrat langsamer abgebaut. Das lässt sich erkennen, indem die Konzentration der Substanz im Blut des Patienten zu verschiedenen Zeitpunkten gemessen wird und ergibt ein sogenanntes pharmakokinetisches Profil. Ein stark verändertes Profil kann erhebliche Auswirkungen auf den Körper haben, z.B. stärkere Nebenwirkungen wegen der Anhäufung von Wirkstoff im Körper oder eine zu schwache Wirkung. Die Verstoffwechselung jedes Medikaments ist allerdings sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab, u.a. auch von der Leberfunktion des Betroffenen.

Vor der Verstoffwechselung eines Medikamentes stehen aber noch andere Vorgänge, die den Wirkspiegel des Medikamentes im Blut beeinflussen. Das Medikament muss zunächst freigesetzt werden, bei Einnahme als Tablette spielt dabei der Magendarmtrakt eine Rolle. Nahrungsmittel, die gleichzeitig mit der Tablette, davor oder danach gegessen oder getrunken werden, können einen großen Einfluss auf die Bioverfügbarkeit haben. CFTR-Modulatoren beispielsweise müssen mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden, um ihre Wirksamkeit zu entfalten. Andere Nahrungsmittel haben einen direkten Effekt auf das CYP-Enzymsystem in der Leber, das bekannteste Beispiel dafür ist Grapefruit-Saft, der das CYP-System hemmt und dadurch den Abbau von Medikamenten, die CYP als Substrat dienen, verzögert.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Uta Düesberg (UDueesberg(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.