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Inhalation von Stickstoffmonoxid: Erste Studiendaten zur Sicherheit

Nach einem Artikel der Südwest-Presse vom 25.6.13 über die Tübinger Studie zur Stickstoffmonoxid (NO)-Inhalation, gehen nicht nur beim Mukoviszidose e.V. über verschiedene Kanäle Fragen zu dieser Studie ein. Das Problem: Der Artikel in der Südwest-Presse schürt euphorische Hoffnungen für CF-Patienten, die mit Daten begründet werden, die sich erst noch in weiteren Studien beweisen müssen. Wir geben Ihnen hier Informationen über die tatsächlich erhobenen Studiendaten, wie sie auch dem Fachpublikum auf Konferenzen vorgestellt wurden und abgestimmt mit dem Studienleiter (PD Dr. Joachim Riethmüller), der die Studie durchgeführt hat:

Stickstoffmonoxid (NO) wirkt im Laborversuch gegen eine große Zahl an Bakterien und Pilzen. Darunter viele Keime, die für Mukoviszidose-Betroffene problematisch sind, da sie häufig  für die chronische Lungenentzündung verantwortlich sind. Normalerweise wird diese Lungenentzündung mit Antibiotika behandelt, was Nebenwirkungen hat und auch nicht immer zum Erfolg führt. Folge ist ein stetiger Abfall der Lungenfunktion – den Betroffenen geht es immer schlechter.

Stickstoffmonoxid könnte eine gute Alternative für die Antibiotika-Therapie darstellen, was deshalb in klinischen Studien untersucht wird. Die Studie zur NO-Inhalation, von der in den Artikeln (s.o.) berichtet wurde, ist eine Phase I-Studie, die primär die Sicherheit der NO-Inhalation untersucht hat. Es wurden 8 Patienten in die Studie eingeschlossen, die an 10 aufeinander folgenden Tagen mit 2 Tagen Pause dazwischen jeweils dreimal 30 Minuten hochdosiert NO inhalierten. Untersucht wurden vor und nach der Inhalation Blutgaswerte, Lungenfunktion, Standard-Blutwerte wie Zahl der Blutzellen, Entzündungsparameter etc. und Keime im Sputum. Über die Wirksamkeit der NO-Inhalation auf die Vermehrung und Bekämpfung von Keimen in der Lunge und die Lungenfunktion lässt sich nach der Anwendung mit so wenigen Patienten keine verlässliche statistische Aussage machen. Der klinische Effekt scheint bei den meisten der 8 Patienten aber tatsächlich die Daten aus dem Labor zu bestätigen. Die Nebenwirkungen bei der Inhalation hoher NO-Konzentrationen waren minimal. Damit ist der Grundstein gelegt, in weiteren Studien mit mehr Patienten und über einen längeren Zeitraum zu untersuchen, ob die NO-Inhalation tatsächlich die erhoffte Wirksamkeit und einen entsprechenden patientenrelevanten Nutzen auf die Lebensdauer, die Krankheitslast oder die Lebensqualität hat. Also: Zu früh für Euphorie, aber nicht für die Hoffnung, gegen multiresistente Keime eine Therapieoption gefunden zu haben. Die nächste Studie ist in Planung, aber es ist derzeit noch nicht klar, wann Patienten aufgenommen werden können.

Informationen über den Stand der Planung können Sie beim Studienleiter selbst unter joachim.riethmueller(at)med.uni-tuebingen.de (CF-Ambulanz der Tübinger Kinderklinik) oder Telefon 07071/29-81442 und demnächst auch auf unserer Internetseite Studienliste erfahren.

 

Fragen oder Anmerkungen? Bitte wenden Sie sich an Dr. Uta Düesberg unter udueesberg(at)muko.info oder Telefon 0228 7 98780-45