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Mehrere pharmazeutische Unternehmen stellen neue Forschungsergebnisse vor

Jedes Jahr im Oktober findet in den USA der Nordamerikanische Mukoviszidose-Kongress (NACFC) statt. 2018 nahmen über 5000 Wissenschaftler und Ärzte teil – ein Rekord. Damit ist dieser Termin eine gute Gelegenheit neue Studienergebnisse vorzustellen. Im Folgenden stellen wir beispielhaft einige Studienergebnisse aus dem Bereich der CFTR-Modulatoren vor.

Vertex Pharmaceuticals:
Gerade wurde Symkevi, ein neuer CFTR-Modulator, in Europa zugelassen. Symkevi ist eine Alternative zu Orkambi und kann außerdem bei Patienten mit seltenen Restfunktionsmutationen verschrieben werden (wir berichteten). Doch es gibt auch noch viele weitere Entwicklungen in dieser neuen Medikamentenklasse. So laufen bereits Phase 3 Studien, die Symkevi mit einem weiteren Korrektor (VX-445 oder VX-659) kombinieren: die so genannten Triple Studien. Pünktlich zum Amerikanischen Kongress wurden die Studienergebnisse aus den Phase 2 Vorläuferstudien im renommierten New England Journal of Medicine publiziert. Mit den Triple-Medikamenten ergaben sich demnach bis zu 13% Verbesserung der Lungenfunktion bei Patienten mit einer F508del Mutation und einer Minimalfunktionsmutation*. Bis zu 10% Verbesserung der Lungenfunktion ergab die Einnahme der Dreifachkombinationen zusätzlich im Vergleich zu dem gerade zugelassenen Symkevi bei Patienten mit zwei F508del Mutationen. Die Phase 3-Studien, die die Voraussetzung für eine Zulassung als Medikament sind, sollen 2019 abgeschlossen werden.

Proteostasis Inc.:
Proteostasis veröffentlichte vorläufige Studienergebnisse aus randomisierten und doppelblinden Phase 1-Studien, die eine Kombination aus den CFTR-Modulatoren PTI-801 und PTI-808 untersuchten. Es zeigte sich eine Verbesserung der Lungenfunktion von bis zu 8% im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Plazebo). Ergebnisse einer firmeneigenen Dreifachkombination (PTI-801, PTI-808 und PTI-428) werden für Ende 2018 erwartet. Proteostasis plant, darauf basierend in den nächsten 12-18 Monaten Phase 3-Studien zu starten. Dabei hat Proteostasis die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie lieber ihre eigene Triple-Kombination weiterentwickeln oder einzelne CFTR-Modulatoren zusätzlich zu den schon zugelassenen Medikamenten. Entsprechende Studien laufen bereits und Ergebnisse sollen im ersten Quartal 2019 vorgestellt werden. Die Proteostasis-Kombination wird nur einmal statt wie bei den bisher zugelassenen Medikamenten zweimal täglich eingenommen.

Galapagos
Galapagos gab Zwischenergebnisse aus der so genannten Falcon-Studie bekannt. In dieser offenen Phase 1b-Studie wurden erwachsene CF-Patienten mit einer Triple-Kombination aus GLPG2451, GLPG2222 und GLPG2737 behandelt. Es gab keine Vergleichsgruppe. Die Substanzen seien gut vertragen worden, so das Unternehmen. Die Kombination aus GLPG2451 und GLPG2222 habe nach zwei Wochen eine Lungenfunktionsverbesserung von etwa 3% (vorher-nachher) ergeben. Nach dem ersten Quartal 2019 sollen die vollständigen Ergebnisse der Studien zur Verfügung stehen. Das Unternehmen Abbvie, das mit Galapagos kooperiert, gab bekannt, bis zu 200 Millionen Dollar für die weitere Entwicklung der Galapagos-Modulatoren zu investieren.

ELOXX
ELX-02 heißt das Medikament, das vom pharmazeutischen Unternehmen ELOXX entwickelt wird und zwar für die seltenen Stopp-Mutationen. Im Labor, in so genannten Organoiden, die man auch Mini-Organe nennt, zeigte das Unternehmen auf dem Nordamerikanischen Kongress, dass die Funktion des CFTR-Kanals deutlich verbessert wurde. Entsprechend plant ELOXX nun eine weltweite Phase 2-Studie mit Patienten, die eine G542X Mutation haben. Erste Ergebnisse sollen 2019 vorgelegt werden.

CFTR-Modulatoren
CFTR-Modulatoren sind Medikamente, die am Basisdefekt bei Mukoviszidose angreifen. Das bedeutet, dass die Aktivität des CFTR-Kanals, der bei Mukoviszidose defekt ist, verbessert oder wiederhergestellt wird. Es gibt verschiedene CFTR-Modulatoren: Korrektoren, Potentiatoren und Amplifier. Ein Korrektor unterstützt den Reifeprozess von CFTR-Kanal-Molekülen in der Zelle und bringt eine größere Anzahl an funktionalen Kanal-Molekülen zu ihrem Wirkort an der Zelloberfläche. Dieser Effekt wird verstärkt durch Potentiatoren. Diese erhöhen die Öffnungswahrscheinlichkeit von CFTR-Kanal-Molekülen, können aber nur wirken, wenn grundsätzlich CFTR-Kanäle vorhanden sind. Amplifier, auch Verstärker genannt, sorgen dafür, dass mehr Ausgangsmaterial in der Zelle vorhanden ist und so mehr aktive CFTR-Kanäle hergestellt werden können.

Studienphasen in der klinischen Entwicklung
Bevor ein Medikament zugelassen und vom Arzt verschrieben werden kann, muss es verschiedene Studienphasen durchlaufen. Phase 1-Studien stehen dabei ganz am Anfang der klinischen Entwicklung, d.h. es sind noch wenige Patienten beteiligt und die Studiendauer beträgt nur wenige Wochen. Hauptaugenmerk liegt zunächst auf der Sicherheit und Verträglichkeit der Wirkstoffe. In Phase 2- und 3-Studien geht es dann zunehmend um die beste Dosierung und Wirksamkeit. Nicht jede klinische Entwicklung neuer Wirkstoffe führt zwangsläufig zur Zulassung neuer Medikamente. Wenn im Verlauf festgestellt wird, dass die Verträglichkeit oder Wirksamkeit doch nicht gegeben ist oder wenn ein anderes Medikament schneller zugelassen wurde, kann die Entwicklung abgebrochen werden.

Weitere Informationen:

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info)

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch oder die Dosierung eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.

*Erläuterung zur Minimalfunktionsmutation