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Nach weiterer Zwischenanalyse von Studie mit CFTR-Modulatoren: Zulassungsantrag für Dreifachkombination soll Ende 2019 gestellt werden

Im November berichteten wir von den Ergebnissen einer Zwischenanalyse der ersten sogenannten Dreifachkombination (VX-659/Tezacaftor/Ivacaftor). Bei diesen Dreifachkombinationen oder auch Triple-Kombinationen handelt es sich um die Kombination aus dem als Medikament bereits zugelassenen Tezacaftor/Ivacaftor und einem weiteren CFTR-Modulator (VX-659 bzw. VX-445). Vertex Pharmaceuticals gab nun in einer Pressemitteilung ein Update zu den ersten Ergebnissen mit dem zweiten Wirkstoff VX-445/Tezacaftor/Ivacaftor. Patienten mit F508del Mutation hatten nach Einnahme dieser Dreifachkombination im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Plazebo) nach vier Wochen eine bis zu 13,8 % verbesserte Lungenfunktion (FEV1).

Ergebnisse ähnlich wie mit erster Dreifachkombination

Patienten über zwölf Jahre mit einer F508del Mutation und einer weiteren Mutation mit Minimalfunktion hatten in den Studien nach vier Wochen im Mittel eine um 13,8% verbesserte Lungenfunktion (ppFEV1 absolut) verglichen mit einer Plazebogruppe. Bei den Studien mit der Dreifachkombination VX-659/Tezacaftor/Ivacaftor lag der entsprechende Wert bei 14%. Patienten mit zwei F508del Mutationen hatten nach Einnahme der Dreifachkombination eine um 10% verbesserte Lungenfunktion im Vergleich zur Einnahme von Tezacaftor/Ivacaftor, das ja gerade als Symkevi in Deutschland zugelassen wurde. Dieser Wert entspricht genau der Verbesserung, die bereits mit der ersten Dreifachkombination (VX-659/Tezacaftor/Ivacaftor) erreicht wurde. In den Studien wurden 405 bzw. 107 Patienten untersucht und in einer geplanten Zwischenanalyse nach vier Wochen ausgewertet. Der Unterschied war signifikant, also aus statistischer Sicht aussagekräftig. Auch die Verträglichkeit sei generell gut, so Vertex in seiner Pressemeldung.

Zulassungsantrag für Ende 2019 geplant

Da die Ergebnisse der beiden Zulassungsstudien so ähnlich sind, wird die Entscheidung, für welche Dreifachkombination die Zulassung als Arzneimittel beantragt wird, von den Endergebnissen der Studien abhängen. Im zweiten Quartal 2019 sollen diese vorliegen. Laut Pressemitteilung plant Vertex die Einreichung eines Zulassungsantrags für das dritte Quartal 2019 in den USA und für das vierte Quartal 2019 in Europa. Noch 2020 könnten somit diese neuen CFTR-Modulatoren für viele Betroffene mit Mukoviszidose verfügbar werden.

Tezacaftor/Ivacaftor: Stellungnahmeverfahren im G-BA läuft

Derweil läuft auch in Deutschland eine Debatte um hohe Arzneimittelpreise. Das neue Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) führt bereits strengere Regeln, auch für Medikamente bei seltenen Erkrankungen (Orphan Drugs), ein. Bislang wurden in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern die neuen und teuren CFTR-Modulatoren von den Krankenkassen erstattet. Wie die Entwicklung weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Versorgung mit teuren Medikamenten wird aber sicherlich weiter hinterfragt werden.

Im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) läuft das Verfahren zur Nutzenbewertung der Zweifachkombination Tezacaftor/Ivacaftor, das Grundlage für die Entscheidung der Krankenkassen über eine Kostenerstattung ist. Der Bericht zur Nutzenbewertung wurde gerade veröffentlicht. Sachverständige Ärzte können sich noch bis zum 22. März 2019 dazu äußern.

CFTR-Modulatoren – was ist das eigentlich?

Sowohl Tezacaftor als auch die neuen Substanzen VX-659 und VX-445 gehören zur Gruppe der Korrektoren. Ein Korrektor unterstützt den Reifeprozess von CFTR-Kanal-Molekülen in der Zelle und bringt eine größere Anzahl an funktionalen Kanal-Molekülen zu ihrem Wirkort an der Zelloberfläche. Dieser Effekt wird verstärkt durch Ivacaftor, einem Potentiator. Auch Potentiatoren sind CFTR-Modulatoren. Sie aktivieren an der Zelloberfläche vorhandene Kanal-Moleküle.

Hinweis zu Studiendaten

Bei den in den Pressemitteilungen veröffentlichten Daten handelt es sich um sogenannte Top Line Data. Das sind erste Daten zum Hauptzielkriterium einer Studie. Im vorliegenden Fall wurden nur die ersten vier Wochen der eigentlich 24 Wochen dauernden Zulassungsstudie ausgewertet. Für die volle Aussagekraft muss man also noch das Studienende abwarten. Bisher wurde die Wirkung der Dreifachkombinationen noch nicht über vier Wochen hinaus gezeigt. Auch werden sicherlich noch Daten zu anderen Endpunkten wie Lebensqualität und Nebenwirkungen veröffentlicht werden. Die hier vorgestellten Daten stammen aus Phase 3-Studien/Zulassungsstudien, also aus einer späten Studienphase, die mit vielen Patienten weltweit durchgeführt wurde. Doch auch in solchen späten Studienphasen kann es manchmal vorkommen, dass eine klinische Entwicklung noch abgebrochen werden muss. Nichtsdestotrotz sind die vorgelegten Daten vielversprechend.

Weitere Informationen:

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (JBend(at)muko.info) (11.3.2018)

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.