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Neues aus der Forschung: Audiometrische Untersuchung von pädiatrischen Patienten mit Mukoviszidose

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

AUDIOMETRIC ASSESSMENT OF PAEDIATRIC PATIENTS WITH CYSTIC FIBROSIS

Autoren:
Kathryn L. Kreicher1,2, Michael J. Bauschard1, Clarice S. Clemmens1, Concetta Maria Riva1, Ted A. Meyer1

1 Department of Otolaryngology-Head & Neck Surgery, Medical University of South Carolina, Charleston, USA
2 Case Western Reserve University School of Medicine, Cleveland, USA
3 Department of Paediatrics, Medical University of South Carolina, Charleston, USA

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Das Ziel der Studie war, Informationen über Hörstörungen bei pädiatrischen Patienten mit Mukoviszidose zu erhalten. In Patientendaten von Patienten mit Mukoviszidose findet man alle Varianten von normalem Hörvermögen bis zu erheblichen Verlusten an Hörvermögen. Die Studie verwendet eine große pädiatrische audiologische Datenbank, um eine umfassende Analyse aller Arten von Verlust an Hörvermögen bei pädiatrischen Mukoviszidose-Patienten durchführen zu können und Voraussagen darüber zu ermöglichen.

Warum ist das wichtig?

Dies ist die größte umfassende Studie zu allen Arten von Hörverlusten bei pädiatrischen Patienten mit Mukoviszidose. Es ist noch ungeklärt, bei wievielen dieser Kinder eine Erkrankung des Mittelohrs vorliegt. Es ist wichtig, typische Muster von Mittelohrerkrankung und Hörverlust in dieser Gruppe zu ermitteln, um daraus Empfehlungen für ein Routinescreening zu entwickeln.

Wie sind Sie vorgegangen?

Dies ist eine retrospektive Analyse der AudGen Datenbank, die vom Children’s Hospital of Philadelphia erstellt wurde. Diese große Datenbank enthält audiometrische Daten von mehr als 100.000 Kindern. Ein von den Autoren der Studie entwickeltes Computerprogramm wurde benutzt, um die Audiogramme hinsichtlich der Art des Hörverlusts, des Rein-Ton-Durchschnitts (eine Messgröße für das Hörvermögen), der links-rechts-Verteilung des Hörverlusts und der Veränderungen im Hörvermögen im zeitlichen Verlauf zu analysieren. Patientendaten wurden daraufhin untersucht, ob sich Faktoren finden lassen, die die Entwicklung und das Fortschreiten des Hörverlustes beeinflussen.

Was haben Sie herausgefunden?

Wir fanden heraus, dass 31,8% der Kinder mit Mukoviszidose einen Verlust an Hörvermögen erlitten. Für Kinder im Allgemeinen schwanken die Schätzungen zum Hörverlust sehr stark. In einer Studie von 1998 wurde ein Wert von 14,9% ermittelt. Bei Kindern mit Mukoviszidose war ein Verlust an Hörvermögen eine typische Folge von chronischer Mittelohrentzündung, einer Fehlfunktion der Eustachischen Röhre (Verbindung zwischen Mittelohr und Rachen) oder Ohrenfluss (dem andauernden Austritt von Flüssigkeit aus den Ohren). Im Gegensatz dazu war das Gehör bei Kindern mit chronischer Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) und Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung) besser als bei denjenigen ohne Erkrankung der Nasennebenhöhlen. Kinder mit Diabetes, einschließlich CFRD, hatten im zeitlichen Verlauf einen größeren Verlust an Hörvermögen als diejenigen ohne Diabetes.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Unsere Daten lassen vermuten, dass es bei Kindern mit stärkerer Erkrankung der Nasennebenhöhlen weniger wahrscheinlich ist, dass sie eine entzündliche Mittelohrerkrankung mit nachfolgendem Hörverlust erleiden. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass bei Patienten mit Sinusitis in großem Umfang Nasenspülungen durchgeführt und topische Steroide angewendet werden. Das könnte zur Folge haben, dass Mittelohrerkrankungen verhindert werden. Bei Kindern mit Mukoviszidose, bei denen Komplikationen wie Diabetes oder Lungeninfektionen auftreten, sollte häufig und regelmäßig das Gehör überprüft werden. Sie sollten möglichst keine Medikamente erhalten, die Hörschäden verursachen können. Leider sind wir in dieser Studie nicht in der Lage, den Hörverlust in Beziehung zu setzen mit therapeutischen Maßnahmen wie z.B. der Verwendung von Antibiotika.

Wie geht es weiter?

Weitere Studien sind notwendig, um noch genauer die Ursachen zu ermitteln, die zu diesen Ergebnissen führen. Wir empfehlen, dass alle Kinder mit Mukoviszidose regelmäßig von HNO-Ärzten auf Hörverluste untersucht werden.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 28.07.2018