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Neues aus der Forschung: Der Resistin-Spiegel im Sputum von Mukoviszidose-Patienten ist erhöht und steht in umgekehrtem Zusammenhang zu den Lungenfunktionswerten

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

RESISTIN IS ELEVATED IN CYSTIC FIBROSIS SPUTUM AND CORRELATES NEGATIVELY WITH LUNG FUNCTION

Autoren:

Osric A. Forrest1,2, Daniel M. Chopyk3, Yael Gernez4, Milton R. Brown1,2, Carol K. Conrad4, 6,
Richard B. Moss4, Vin Tangpricha3,5, Limin Peng6, Rabindra Tirouvanziam1,2

1 Department of Pediatrics, Emory University, Atlanta, GA, USA;
2 Center for CF & Airways Disease Research, Children’s Healthcare of Atlanta, Atlanta, GA, USA;
3 Department of Medicine, Emory University, Atlanta, GA, USA;
4 Department of Pediatrics, Stanford University, Stanford, CA, USA;
5 Atlanta VA Medical Center, Decatur, GA, USA;
6 Department of Biostatistics and Bioinformatics, Emory University, Atlanta, GA, USA

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Die Lungenerkrankung bei Menschen mit Mukoviszidose ist ein komplizierter Prozess, an dem neben einer nicht normal funktionierenden Immunabwehr gegen Bakterien und Pilze ein gestörter Stoffwechsel beteiligt ist. In dieser Studie wurde untersucht, ob der Resistin-Spiegel im Blut und in den Atemwegen von Mukoviszidose-Patienten normal ist. Resistin ist ein Signalmolekül, das von vielen Zellen des Körpers benutzt wird, um Immunabwehr und Stoffwechsel zu steuern.

Warum ist das wichtig?

Es gibt zwei Gründe, warum ein Verständnis der Veränderungen bei Signalmolekülen wie Resistin, die mit der Lungenerkrankung bei Mukoviszidose verbunden sind, wichtig ist. Erstens kann man damit einen Einblick bekommen in akute und chronische Veränderungen im Umfeld der Lunge, die evtl. Veränderungen in der Therapie erforderlich machen würden. Zweitens gewinnt man dadurch Hinweise auf die grundlegenden Prozesse, welche die Lungenerkrankung vorantreiben. Daraus könnten sich Ansätze für neue therapeutische Entwicklungen ergeben.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir konnten für die Studie auf Proben von drei Gruppen von jugendlichen und erwachsenen Patienten zurückgreifen, die an klinischen Studien teilgenommen hatten, die von unserem Forscherteam in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden. In diesen Gruppen gibt es sehr verschiedene Schweregrade der Krankheit, einschließlich CF-related Diabetes (CFRD) und CF-assoziierter allergischer bronchomulmonaler Aspergillose (CF-ABPA). Wir benutzten eine bewährte quantitative Methode, um Resistin-Spiegel sowohl in Blutplasma-Proben (systemisch) als auch in Sputumproben (Lunge) verschiedener Gruppen von Patienten zu messen.

Was haben Sie herausgefunden?

Wir fanden heraus, dass die Resistin-Spiegel im Plasma von Patienten mit Mukoviszidose leicht erhöht waren gegenüber der Kontrollgruppe (ohne Mukoviszidose). Die Resistin-Spiegel im Sputum von Patienten mit Mukoviszidose allerdings waren bis zum 50-fachen Wert des Plasmaspiegels erhöht, nicht jedoch bei der Kontrollgruppe. Bei den Mukoviszidose-Patienten hatten diejenigen mit CF-ABPA höhere Resistinspiegel im Plasma, und diejenigen mit CFRD höhere Resistinspiegel im Sputum. Außerdem fanden wir einen starken Zusammenhang zwischen Sputum-Resistin-Spiegel und verminderter Lungenfunktion, unabhängig von anderen Faktoren, von denen man weiß, dass sie Einfluss auf die Lungenfunktionswerte haben (z.B. Alter, Geschlecht, Mutationstyp).

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Weil Resistin von anderen entzündlichen Krankheiten her als Vermittler der gestörten Funktion von Immunsystem und Stoffwechsel bekannt ist, legen unsere Ergebnisse nahe, dass die großen Mengen an Resistin im Sputum von Mukoviszidosepatienten auf eine entsprechende Rolle dieser Substanz bei diesen Patienten zurückzuführen sind.
Diese erste Studie zu Resistin bei Mukoviszidose ist dadurch in ihrer Aussagekraft eingeschränkt, dass die Proben nicht speziell für diese Studie gewonnen wurden und dass es sich um Querschnittsuntersuchungen handelt. Das bedeutet, dass Veränderungen bei einzelnen Patienten im Verlauf der Zeit nicht bestimmt werden konnten, vor allem nicht während und nach einer Exazerbation oder hinsichtlich der Entwicklung von CFRD oder CF-ABPA.

Wie geht es weiter?

In Anbetracht der großen Mengen von Resistin im CF-Sputum und des engen Zusammenhanges mit der Lungenfunktion sollten sich Folgestudien auf die detaillierte Ermittlung der Rolle konzentrieren, die dieses Signalmolekül bei der Regelung von Immunsystem und Stoffwechsel für den Verlauf der Lungenerkrankung bei Mukoviszidose spielt. Außerdem sollte geklärt werden, ob es sinnvoll sein könnte, Resistin zum Ziel therapeutischer Eingriffe zu machen.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 19.01.2019