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Neues aus der Forschung: Der wichtigste Mechanismus in Verbindung mit dem Fortschreiten einer Glukoseintoleranz bei älteren Mukoviszidose-Patienten ist nicht eine verminderte Insulinsekretionskapazität, sondern eine Insulinresistenz.

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

The main mechanism associated with progression of glucose intolerance in older patients with cystic fibrosis is insulin resistance and not reduced insulin secretion capacity.

Autoren

Johann Colomba (1,2), Valérie Boudreau (1,2), Catherine Lehoux-Dubois (1,2), Katherine Desjardins (1), Adèle Coriati (1), François Tremblay (3,4), Rémi Rabasa-Lhoret (1-4) 

(1) Institut de Recherches Cliniques de Montréal, 110 avenue des Pins Ouest, Montréal H2W 1R7, Québec, Canada
(2) Department of Nutrition, l'Université de Montréal, 2900 Boulevard Edouard-Montpetit, Montréal, QC H3T 1J4, Québec, Canada
(3) Cystic Fibrosis Clinic, Centre Hospitalier de l'Université de Montréal (CHUM), 1051 Rue Sanguinet, Montréal, QC H2X 3E4, Québec, Canada
(4) Department of Medicine, Université de Montréal, 2900 Boulevard Edouard-Montpetit, Montréal, QC H3T 1J4, Québec, Canada

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Älter werdende Mukoviszidose-Patienten (cystische Fibrose, CF) haben ein hohes Risiko, einen erhöhten Blutzucker zu entwickeln. Dieser kann zu einem CF-bedingten Diabetes (CFRD) führen. Ein Rückgang der Insulinausschüttung (das Schlüsselhormon zur Regulierung des Blutzuckers) im Laufe der Zeit ist der wichtigste Mechanismus der Hypothese, um dieses Risiko bei Kindern, Jugendlichen und/oder jungen Erwachsenen zu erklären. In dieser Studie haben wir potentielle Mechanismen untersucht, welche das hohe Risiko erklären, warum ältere Menschen einen erhöhten Blutzucker entwickeln.

Warum ist das wichtig?

Nach pulmonalen Komplikationen steht CFRD aktuell an zweiter Stelle der häufigsten Komplikationen bei CF. CFRD tritt bei 10 Prozent der Kinder auf und steigt bei Erwachsenen im Alter von 35 Jahren auf bis zu 40-50 Prozent an. Bei CF wird die Bauchspeicheldrüse (wichtiges Organ für Verdauung und Insulinproduktion) durch zähen Schleim beschädigt. Da angenommen wird, dass eine Verringerung der Insulinproduktion der Hauptmechanismus für hohen Blutzucker ist, stellt die einzige empfohlene Behandlungsmethode bei Auftreten von CFRD die Verabreichung von Insulininjektionen dar. 

Wie sind Sie vorgegangen? 

Wir haben 46 ältere Mukoviszidose-Patienten (Alter >35 Jahre) für ungefähr 10 Jahre begleitet, um die Entwicklung von Blutzucker und Insulinausschüttung zu bewerten. Zusätzlich haben wir die Fähigkeit von Insulin überprüft, die Bewegung von Zucker vom Blut ins Gewebe (z.B. Insulinwirkung) über die Zeit zu signalisieren. Wir haben auch das Gewicht und die Lungenfunktion der Teilnehmer berücksichtigt.

Was haben Sie herausgefunden?

Es zeigte sich tatsächlich, dass Menschen mit CF über 35 Jahre eine verringerte Insulinausschüttung aufweisen, allerdings zeigte sich keine weitere Verschlechterung der Insulinausschüttung im Verlaufe der 10-Jahre dauernden Untersuchungsperiode, trotz einer verschlechterten Entwicklung des Blutzuckers. Mehr Patienten wiesen im Laufe der Zeit einen erhöhten Blutzucker auf, welcher in den meisten Fällen in Verbindung mit einer verringerten Insulinwirkung im Gewebe stand. Zusätzlich steht, im Gegensatz zu dem, was häufig bei jüngeren Menschen beobachtet wird, der Beginn bei CFRD nicht in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko der Abnahme von Gewicht oder Lungenfunktion, was aufgrund der medizinischen Historie der Patienten hätte angenommen werden können. 

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Unsere Beobachtung vom Einsetzen von CFRD in einer älteren Bevölkerung lässt einen anderen Mechanismus für die Entwicklung von erhöhtem Blutzucker (verringerte Insulinwirkung im Gewebe) als bisher angenommen (verringerte Insulinausschüttung) vermuten und steht nicht im Zusammenhang mit negativen Ergebnissen bezüglich Gewicht und Lungenfunktion. Allerdings beschränkt sich unsere Beobachtung auf eine relativ homogene und gesunde kanadische Bevölkerung. Wichtig ist es daher, unserer Daten in anderen Bevölkerungsgruppen zu bestätigen. 

Wie geht es weiter?

Falls andere Studien unsere Beobachtungen bestätigen, wäre es von Bedeutung Therapiemöglichkeiten zu testen, um die Insulinwirkung im Gewebe auf den Blutzucker, sowie das Gewicht und die Lungenfunktion zu verbessern. Um die Insulinwirkung zu verbessern, stehen Lifestyle-Optionen (Sport, Qualität der Ernährung), sowie einige Arzneimittel zur Verfügung. 

Quellen

Übersetzung von Nora Benedix und Dr. Uta Düesberg, 22.07.2019