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Neues aus der Forschung: Der Zusammenhang zwischen Staphylococcus aureus und nachfolgenden Bronchiektasen bei Kindern mit Mukoviszidose

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

THE ASSOCIATION BETWEEN STAPHYLOCOCCUS AUREUS AND SUBSEQUENT BRONCHIECTASIS IN CHILDREN WITH CYSTIC FIBROSIS

J Cyst Fibros. 2017  Dec 21. pii: S1569-1993(17)30980-3. doi: 10.1016/j.jcf.2017.12.002

Autoren:
Daan Caudri1,2,3, Lidija Turkovic1, Jolyn Ng1, Nicholas H de Klerk1,Tim Rosenow1, Graham L Hall1,4,5, Sarath C Ranganathan6,7,8, Peter D Sly9, Stephen M Stick1,2, on behalf of AREST CF

1 Telethon Kids Institute, Perth, Australia
2 Dept. of Respiratory Medicine, Princess Margaret Hospital, Perth, Australia
3 Dept. of Pediatrics/ Respiratory Medicine, Erasmus MC, Rotterdam, The Netherlands
4 Centre of Child Health Research, The University of Western Australia, Perth, Australia
5 School of Physiotherapy and Exercise Science, Curtin University
6 Murdoch Childrens Research Institute, Parkville, Australia
7 Department of Respiratory and Sleep Medicine, Royal Children's Hospital, Parkville, Australia
8 Department of Paediatrics, University of Melbourne, Parkville, Australia
9 Child Health Research Centre, The University of Queensland, Brisbane, Australia.

Der Zusammenhang zwischen Staphylococcus aureus und nachfolgenden Bronchiektasen bei Kindern mit Mukoviszidose

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Wir wollten die Auswirkungen einer Infektion mit Staphylococcus aureus (SA) auf Mukoviszidose-Patienten untersuchen. Von besonderem Interesse war dabei die Frage, ob eine Infektion mit diesen Bakterien zu einem schnelleren Fortschreiten der Lungenerkrankung bei jungen Kindern mit CF führt.

Warum ist das wichtig?

Auch bei gesunden Menschen kann man SA in der Nase und auf der Haut finden, nicht aber in der Lunge. Bei einem von fünf Kindern mit Mukoviszidose jedoch ist der SA in der Lunge nachweisbar. Es gibt keine allgemein anerkannte Strategie, wie man damit umgehen soll, weil keine Klarheit darüber besteht, ob die Bakterien wirklich Schaden anrichten. Unsere Studie soll zeigen, welche Wirkungen SA in der Lunge von Mukoviszidose-Patienten tatsächlich hat. Damit sollen Ärzte Hinweise dafür bekommen, wie aggressiv sie diese Infektionen behandeln sollten, wenn sie die Folgeschäden in der Lunge gering halten wollen. Dabei müssen auch unerwünschte Nebenwirkungen der Therapie berücksichtigt werden.

Wie sind Sie vorgegangen?

In einer australischen Studie wurde bei Kindern mit Mukoviszidose in den ersten vier Lebensjahren jährlich eine Bronchoskopie durchgeführt. Dabei wurde eine kleine Menge Flüssigkeit in die Lungen eingespült, abgesaugt und in der Bakterienkultur auf SA hin untersucht. Bei diesen Kindern wurde, als sie fünf bis sieben Jahre alt waren, eine Computertomographie (CT) der Lunge durchgeführt. Außerdem wurde mit Lungenfunktionstests der Schweregrad der Lungenerkrankung bewertet. Wir untersuchten, ob bei Kindern, bei denen vor dem fünften Lebensjahr eine Infektion mit SA nachgewiesen worden war, der Zustand der Lunge einige Jahre später schlechter war als bei der Vergleichsgruppe ohne SA-Infektion.

Was haben Sie herausgefunden?

Unsere Analysen ergaben, dass diejenigen Kinder, bei denen im Alter von drei Jahren zu ersten Mal eine Infektion mit SA nachgewiesen wurde, im Alter von fünf bis sieben Jahren mehr Schäden in der Lunge aufwiesen als die Vergleichsgruppe. Das war in den CT-Scans zu sehen, und auch die Lungenfunktion war schlechter. Wir wollten die Möglichkeit ausschließen, dass die schlechteren Verläufe auch ohne eine schädliche Wirkung der Bakterien entstanden wären, und passten deshalb den Vergleich entsprechend an. Dennoch blieb auch dann noch der Zusammenhang zwischen früherer Infektion mit SA und schwererer Lungenerkrankung bestehen.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Unsere Ergebnisse zeigen, dass unabhängig von der Schwere der Lungenerkrankung der Erstnachweis einer Infektion der Lunge mit SA im Alter von drei Jahren signifikant verknüpft ist mit einem schnelleren Fortschreiten der Lungenerkrankung. Der vorherige Schweregrad der Lungenerkrankung spielt dabei keine Rolle. Das heißt, dass die Infektion der Lunge mit SA bei Kindern dieser Altersgruppe möglichst verhindert bzw. behandelt werden sollte.

Dieser Zusammenhang zeigte sich allerdings nur bei denjenigen Kindern, bei denen die Infektion im Alter von drei Jahren erstmals nachgewiesen wurde. Daher besteht die Möglichkeit, dass es sich um einen Zufallsbefund handelt. Außerdem muss einschränkend gesagt werden, dass man über Schäden der Lunge, die evtl. schon vor dem ersten Nachweis der Infektion mit SA entstanden sein könnten, keine eindeutigen Aussagen machen kann.

Wie geht es weiter?

Unsere Studie zeigt, dass Infektionen der Lunge mit SA bei kleinen Kindern mit Mukoviszidose nicht selten sind. Außerdem kann man daraus ableiten, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen diesen Infektionen und einem schnelleren Voranschreiten der Lungenerkrankung. Für den Nachweis, dass SA ursächlich für diese Schäden an der Lunge verantwortlich ist, sollte eine Plazebo-kontrollierte randomisierte klinische Studie durchgeführt werden, bei der CT-Scans der Lunge als Maßstab dienen sollten.

Übersetzung von Wilhelm Bremer 25.03.2018