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Neues aus der Forschung: Die Atemfrequenz bei Kindern mit Mukoviszidose während des ersten Lebensjahres und ihr Zusammenhang mit dem kurz nach der Geburt gemessenen LCI (Lung Clearance Index)

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

RESPIRATORY RATE IN INFANTS WITH CYSTIC FIBROSIS THROUGHOUT THE FIRST YEAR OF LIFE AND ASSOCIATION WITH LUNG CLEARANCE INDEX MEASURED SHORTLY AFTER BIRTH

Autoren:

Insa Korten1,2,3, Elisabeth Kieninger1, Sophie Yammine1, Giulia Cangiano4, Sylvia Nyilas1,2, Pinelopi Anagnostopoulou1, Florian Singer1, Claudia E. Kuehni5, Nicolas Regamey1,6, Urs Frey3, Carmen Casaulta1, Ben D. Spycher1,5, Philipp Latzin1 on behalf on the SCILD7 and BILD8 study group

1Paediatric Respiratory Medicine, Inselspital, University Children's Hospital of Bern, University of Bern, Switzerland.
2Graduate School for Cellular and Biomedical Sciences, University of Bern, Switzerland.
3University Children’s Hospital (UKBB), Basel, Switzerland
4Paediatric Department, Sapienza University of Rome, Italy.
5Institute for Social and Preventive Medicine, University of Bern, Switzerland.
6Division of Respiratory Medicine, Children’s Hospital Lucerne, Switzerland.
7Swiss-Cystic-Fibrosis-Infant-Lung-Development (SCILD) cohort, current study group: Juerg Barben, St. Gallen; Carmen Casaulta, Bern; Andreas Jung, Zurich; Elisabeth Kieninger, Bern; Insa Korten, Bern; Philipp Latzin, Bern; Alexander Moeller, Zurich; Anne Mornand, Geneva; Dominik Mueller-Suter, Aarau; Nicolas Regamey, Lucerne; Isabelle Rochat, Lausanne; Florian Singer, Bern; Renate Spinas, Zurich; Daniel Trachsel, Basel; Sophie Yammine, Bern; Maura Zanolari, Bellinzona.
8Basel-Bern-Infant-Lung-Development (BILD) cohort, current study group: Pinelopi Anagnostopoulou, Bern; Urs Frey, Basel; Oliver Fuchs, Bern; Olga Gorlanova, Basel; Claudia E Kuehni, Bern; Philipp Latzin, Bern; Ines Mack, Basel; Elena Proietti, Bern; Anne Schmidt, London; Jakob Usemann, Basel

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Ziel der Studie war es, die Atemfrequenz (Anzahl der Atemzüge pro Minute) von Kindern mit Mukoviszidose mit der Atemfrequenz gesunder Kinder zu vergleichen und festzustellen, ob sie mit anderen Messungen der Lungenfunktion in einem Zusammenhang steht.

Warum ist das wichtig?

Schon bei Kleinkindern mit Mukoviszidose ist eine verschlechterte Lungenfunktion erkennbar. Es ist jedoch nicht ohne Probleme möglich, diese regelmäßig zu messen. Die heute verfügbaren Verfahren sind mit Strahlenbelastung verbunden oder machen eine Sedierung erforderlich. Die Atemfrequenz ist ein wichtiges Vitalitätskriterium, und sie ist leicht während des Schlafs zu ermitteln. Sie ist erhöht bei akuten Atemwegserkrankungen. Allerdings ist die Atemfrequenz von Säuglingen mit Mukoviszidose nicht bekannt. Eine höhere Atemfrequenz bedeutet, dass eine erhöhte Atemarbeit geleistet wird. Daher könnte dies bei Kleinkindern mit Mukoviszidose auf eine frühe Lungenbeteiligung hin deuten und als diagnostisches Werkzeug dienen, um den Verlauf der Erkrankung zu verfolgen.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir führten eine Studie durch, in der 43 Kleinkinder mit Mukoviszidose mit einer Kontrollgruppe von 110 gesunden Kindern verglichen wurden. Während des ersten Lebensjahres maßen die Eltern die Atemfrequenz bei ruhigem, regelmäßigem Schlaf einmal in der Woche. Dazu muss man nur eine Hand auf den Brustkorb des Kindes legen und zählen. Parallel wurden Atemwegssymptome protokolliert. Insgesamt 5656 Messungen der Atemfrequenz konnten ausgewertet werden. Außerdem wurde bei allen Kindern innerhalb der ersten Lebenswochen die Lungenfunktion gemessen.

Was haben Sie herausgefunden?

Die Atemfrequenz nahm bei allen Kindern vom Alter von 6 Wochen bis zum Alter von 50 Wochen ab. Bei den Kindern mit Mukoviszidose im ersten Lebensjahr lag sie jedoch durchgängig höher als bei den gesunden Kindern. Außerdem hatten diejenigen, bei denen in den ersten Lebenswochen eine verringerte Lungenfunktion gemessen wurde, während des gesamten Verlaufs der Studie höhere Atemfrequenzen.
Wenn man einzelne Kinder betrachtet, stellt man fest, dass ihre Atemfrequenzen deutlich unterschiedlich sind. Außerdem fanden wir, dass es bei den meisten Kindern zwar keine starken Veränderungen von einer wöchentlichen Messung zur nächsten gab, dass aber manche doch sehr stark schwankende Atemfrequenzwerte hatten.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Die erhöhte Atemfrequenz bei Kleinkindern mit Mukoviszidose könnte ein frühes Anzeichen für eine reduzierte Lungenfunktion sein und eine frühzeitige Schädigung der Lunge anzeigen. Da die Atemfrequenz sowohl zwischen einzelnen Kindern unterschiedlich ist als auch bei manchen Kindern von einer Messung zur nächsten, benötigt man Studien mit einer großen Anzahl von Kindern, bevor man die Atemfrequenz im klinischen Alltag als Maß für die Lungenfunktion nutzen kann. Aber weil diese Messung mit nur geringem Aufwand verbunden ist und auch bei Kindern, die sonst nicht kooperativ sind, leicht durchzuführen ist, sind wir der Meinung, dass sie ein großes Potential besitzt als allgemein verfügbare Methode zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs.

Wie geht es weiter?

Unsere Ergebnisse sehen zwar viel versprechend aus, aber es sind weitere Studien mit mehr Teilnehmern und mit häufigeren Messungen der Atemfrequenz (z. B. zweimal täglich) erforderlich, um die Unterschiedlichkeit der Atemfrequenz bei Einzelpersonen weiter zu untersuchen. Erst dann wird sich herausstellen, ob die Messung der Atemfrequenz eine Methode ist, die im Mukoviszidose-Alltag sinnvolle Aussagen ermöglicht.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 17.10.2018