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Neues aus der Forschung: Die Ermittlung von Messwerten für Schwankungen des Blutzuckerspiegels zur frühzeitigen Erkennung von Veränderungen in der Regulierung des Blutzuckerwertes bei Mukoviszidose

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung

QUANTIFYING FLUCTUATION IN GLUCOSE LEVELS TO IDENTIFY EARLY CHANGES IN GLUCOSE HOMEOSTASIS IN CYSTIC FIBROSIS

Autoren: 
Rossa Brugha1,2, Marie Wright1, Suzie Nolan3, Nicola Bridges4, Siobhán B. Carr1 

1 Paediatric Respiratory Medicine, Royal Brompton Hospital, London, UK
2 National Heart and Lung Institute, Imperial College London, London, UK
3 Paediatric Dietetics, Royal Brompton Hospital, London, UK
4 Paediatric Endocrinology, Chelsea and Westminster Hospital, London, UK 

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung? 

Wir wollten feststellen, ob die Daten von kontinuierlich messenden Glukosemonitoren genutzt werden können, um frühzeitig Veränderungen im Blutzuckerspiegel feststellen zu können, wie sie typisch sind für CFRD (CF-related Diabetes).

Warum ist das wichtig? 

Den Menschen mit Mukoviszidose, die CFRD bekommen, geht es mit größerer Wahrscheinlichkeit schlechter als denjenigen, bei denen dies nicht der Fall ist. Sie haben im Vergleich niedrigere Lungenfunktionswerte, geringeres Gewicht und eine höheres Risiko, in jüngerem Alter zu sterben. Bei etwa 20 %der Jugendlichen mit Mukoviszidose und 40 % der Erwachsenen wird CFRD diagnostiziert. Typisch für CFRD sind hohe Blutzuckerspiegel, aber diese treten erst relativ spät in der Entwicklung von CFRD auf. Daher befasst sich diese Studie mit Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Dabei vermuten wir, dass große Schwankungen auf eine schlecht angepasste Insulinausschüttung zurückzuführen sind und dass dies ein frühes Anzeichen dafür ist, dass der Patient CFRD entwickelt.

Wie sind Sie vorgegangen? 

Am Royal Brompton Hospital (London, UK) benutzten wir Monitore zur kontinuierlichen Messung des Blutzuckerspiegels über einige Tage hinweg, um die Blutzuckerwerte von Kindern und Jugendlichen mit Mukoviszidose zu kontrollieren. Wir benutzten alle Messwerte aus unseren Tests (etwa 250.000 Einzeldaten) und untersuchten das Ausmaß der Schwankungen der Blutzuckermesswerte. Dazu berechneten wir den „interquartile range“, also die Größe der Schwankungen im Bereich der mittleren 50% der Messwerte. Ein größerer interquartile range bedeutet, dass die Schwankungsbreite der Glukosewerte größer ist. Wir bestimmten für jeden einzelnen Patienten den interquartile range und verglichen das Ergebnis mit der jeweiligen Diagnose. (Anmerkung des Übersetzers: Der interquartile range ist ein Standardverfahren der Statistik.)

Was haben Sie herausgefunden? 

Wir stellten fest, dass der interquartile range, also die Schwankungsbreite der Glukosewerte, bei Patienten mit CFRD größer war. Außerdem zeigte sich bei Patienten, bei denen während der Studie mehrfach Glukosetests durchgeführt wurden, dass dieser Wert bei denjenigen anstieg, die während der Studiendauer CFRD entwickelten.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

In einem CF-Zentrum, in dem kontinuierliche Glukosemonitoring Tests durchgeführt werden, kann man leicht unter Verwendung einer Tabellenkalkulation (z.B. Excel) den interquartile range für die gesammelten Daten ermitteln. Man kann das dann vergleichen mit den Schwankungsbreiten, die nach unseren Ermittlungen jeweils typisch sind für normale Blutzuckerwerte, CFRD oder die Vorstufe von CFRD. Danach lässt sich entscheiden, ob oder wann man eine Messung wiederholen sollte.

Die Methode soll nicht andere Ansätze ersetzen, mit denen man CFRD diagnostiziert. Vielmehr kann sie zusätzliche Informationen liefern oder Zweifelsfälle klären. Dazu gehören diejenigen, die sich möglicherweise in einem Frühstadium von CFRD befinden, die man an einem erhöhten interquartile range diagnostizieren kann, obwohl sie noch nicht die hohen Blutzuckerwerte aufweisen, die charakteristisch sind für CFRD. 

Wie geht es weiter?

Nur eine randomisierte Studie kann zeigen, ob die Benutzung des interquartile range in der Diagnose von CFRD nützlich ist oder ob sie therapeutisch sinnvoll ist, um diejenigen zu identifizieren, die von einem frühzeitigeren Einsatz von Insulin profitieren könnten. In einer solchen Studie müsste eine Patientengruppe, bei der auf Basis des interquartile range eine Therapie mit Insulin beginnt, nach einer bestimmten Zeit verglichen werden mit einer anderen, bei der dies nicht so ist. Wenn sich dabei zeigt, dass mit der Methode tatsächlich der Zeitpunkt der Diagnose von CFRD oder ihrer Frühphase frühzeitiger stattfinden kann, könnte sie in das normale diagnostische Repertoire übernommen werden.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 13.06.2018