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Neues aus der Forschung: Die Wirkung von Lumacaftor/Ivacaftor auf den Glucose-Stoffwechsel und die Sekretion von Insulin bei Mukoviszidose-Patienten, die für F508del homozygot sind

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

EFFECT OF LUMACAFTOR/IVACAFTOR ON GLUCOSE METABOLISM AND INSULIN SECRETION IN PHE508DEL HOMOZYGOUS CYSTIC FIBROSIS PATIENTS

J Cyst Fibros. 2017 Dec 15. pii: S1569-1993(17)30973-6. doi: 10.1016/j.jcf.2017.11.016.

Autoren:
Jan C. Thomassen1,2, Matthias I. Mueller1, Miguel A. Alejandre Alcazar1,2, Ernst Rietschel1 und Silke van Koningsbruggen-Rietschel1

1 CF Center, Children’s Hospital, Faculty of Medicine, University of Cologne, Germany
2 Translational Experimental Pediatrics/Experimental Pulmonology, Children’s Hospital, Faculty of Medicine, University of Cologne, Germany

Die Wirkung von Lumacaftor/Ivacaftor auf den Glucose-Stoffwechsel und die Sekretion von Insulin bei Mukoviszidose-Patienten, die für F508del homozygot sind

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Wir untersuchten die Wirkung von Lumacaftor/Ivacaftor auf den Blutzuckerspiegel, also den Glucose-Stoffwechsel, und auf die Insulinsekretion bei Patienten, die eine Behandlung mit Ivacaftor/Lumacaftor (OrkambiR) begannen. Diese Patienten waren homozygot für die Mutation F508del im CFTR-Gen, besaßen also zwei Kopien des Gens mit diesem Fehler.

Warum ist das wichtig?

Die ansteigende Lebenserwartung der Mukoviszidose-Patienten und die ständig verbesserten Therapien haben zur Folge, dass Begleiterkrankungen der Mukoviszidose vermehrt in Erscheinung treten. CF-Related Diabetes (CFRD) ist eine der häufigsten Komplikationen bei Mukoviszidose. Sie tritt bei etwa 20% der Jugendlichen und 40-50% der Erwachsenen mit Mukoviszidose auf. Bei CFRD ist mit einem beschleunigten Absinken der Lungenfunktionswerte zu rechnen, ebenso mit einer verschlechterten Ernährungssituation und einer erhöhten Sterblichkeitsrate. Vor kurzem wurden Studien durchgeführt zum Einfluss des CFTR auf den Glucose-Stoffwechsel und die Insulinsekretion bei CF, aber es ist noch immer ungeklärt, ob CFTR-modulierende Therapien wie die mit Lumacaftor/Ivacaftor sich günstig auf die Pankreasfunktion (dort wird Insulin gebildet) auswirken und möglicherweise die Entstehung von CFRD verhindern kann.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir untersuchten die Wirkung der Behandlung mit Lumacaftor/Ivacaftor auf den Glucose-Stoffwechsel und die akute Insulinsekretion bei fünf Mukoviszidose-Patienten mit ungenügender Bauchspeicheldrüsenfunktion (PI, pancreatic insufficient). Wir benutzten dafür den OGTT (oraler Glucose-Toleranztest) und den IVGTT (intravenöser Glucose-Toleranztest). Diese Untersuchungen wurden vor Beginn der Behandlung mit Lumacaftor/Ivacaftor und sechs bis acht Wochen danach durchgeführt. Außerdem maßen wir vor und nach Behandlungsbeginn den BMI (body mass index) und führten den Schweißtest durch.

Was haben Sie herausgefunden?

Nach der Behandlung mit Lumacaftor/Ivacaftor verbesserten sich bei drei Patienten die Zwei-Stunden-Glucosespiegel im OGTT, aber bei den anderen beiden verschlechterten sie sich. Beim IVGTT zeigte sich die akute Insulinsekretion bei zwei Patienten verbessert und bei drei Patienten verschlechtert. Alle Patienten hatten sechs bis acht Wochen nach Behandlungsbeginn ein höheres Körpergewicht (durchschnittlich +1,48 kg) und einen höheren BMI (durchschnittlich +2,7%). Es gab keinen Zusammenhang zwischen BMI-Veränderung und den Reaktionen des Blutzuckerspiegels und der Insulinsekretion. Der Schweißtest zeigte individuelle Veränderungen und hatte sich bei vier von fünf Patienten verbessert.

Was bedeutet das?

Die Studie konnte bei dieser kleinen Patientengruppe keine einheitliche Wirkung der Behandlung mit Lumacaftor/Ivacaftor auf Glukose-Toleranz und Insulinsekretion zeigen. Die Wirkung dieser Behandlung auf den Glukosestoffwechsel scheint individuell unterschiedlich zu sein. Die Aussagekraft der Studie ist begrenzt, weil die Anzahl der Patienten klein und der Zeitraum für die Nachfolgeuntersuchung kurz war. Größere Studien mit längerer Beobachtungsdauer hätten möglicherweise eindeutigere Ergebnisse und könnten zu anderen Schlussfolgerungen führen.

Wie geht es weiter?

Es werden größere Studien benötigt, um den Einfluss von CFTR-Modulatoren auf den Glucose-Stoffwechsel zu untersuchen und um herauszufinden, ob diese Medikamente die Entwicklung von CFRD verhindern könnten.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 25.03.2018