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Neues aus der Forschung: Ergebnisse der Behandlung von pulmonalen Exazerbationen bei Kindern mit Mukoviszidose mit oralen Antibiotika

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

CHARACTERISTICS AND OUTCOMES OF ORAL ANTIBIOTIC TREATED PULMONARY EXACERBATIONS IN CYSTIC FIBROSIS CHILDREN

Autoren:
Jordana E. Hoppea, Brandie D. Wagnera,b, Frank J. Accursoa, Edith T. Zemanicka, Scott D. Sagela

a Department of Pediatrics, University of Colorado School of Medicine and Children's Hospital Colorado, Aurora, CO USA;
b Department of Biostatistics and Informatics, University of Colorado School of Public Health, Aurora, CO USA.

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Ziel der Studie war es, die Aussagen von Kindern über ihren gesundheitlichen Zustand besser einordnen zu können, wenn sie wegen einer Verschlechterung ihrer Atemwegssymptome mit oralen Antibiotika behandelt wurden. Wir wollten außerdem genauer wissen, wie ihre Lungenfunktion sich dabei verändert hatte und wie die Bakterien im Schleim und die entzündlichen Vorgänge von den Antibiotika beeinflusst wurden.

Warum ist das wichtig?

Pulmonale Exazerbationen kommen bei Mukoviszidose häufig vor. Ihre Kennzeichen sind Veränderungen in den Atemwegssymptomen wie verstärkter Husten, Zunahme der Menge des Schleims und verringerte körperliche Leistungsfähigkeit. Bei Kindern mit Mukoviszidose wird in der ambulanten Behandlung häufig ein orales Antibiotikum dagegen verschrieben. Allerdings weiß man wenig über die Veränderungen, die dadurch tatsächlich bewirkt werden, sowohl hinsichtlich der klinischen Daten als auch hinsichtlich der Laborwerte. Wir wollten wissen, ob die oralen Antibiotika, die wir Kindern mit Mukoviszidose häufig verschreiben, zu einer Verbesserung der Symptomatik führen und ob sich dabei objektive Messgrößen für Lungenfunktion, bakterielle Infektion und Entzündung verbessern.

Wie sind Sie vorgegangen?

Kinder zwischen 8 und 18 Jahren, denen wegen einer pulmonalen Exazerbation orale Antibiotika verschrieben wurden, konnten in die Studie aufgenommen werden. Von jedem Teilnehmer wurden am Anfang zwei Sputumproben abgenommen, die auf Bakterien und Entzündungsanzeichen untersucht wurden. Außerdem wurde das Sputum auf Viren getestet. Die Lungenfunktion wurde gemessen und ein Lebensqualitäts-Fragebogen wurde vom Kind oder den Eltern, je nach Alter, ausgefüllt. Alle diese Untersuchungen außer dem Virentest wurden nach zwei Wochen dauernder Antibiotika-Einnahme wiederholt, spätestens eine Woche nach Beendigung der Behandlung.

Was haben Sie herausgefunden?

Bei 28 Kindern konnten zu Beginn und zum Ende der Studiendauer die vorgesehenen Untersuchungen stattfinden. Kinder und Eltern berichteten in den Fragebogen zur Lebensqualität über Verbesserungen der Atemwegssymptome. Bei den meisten Kindern verbesserte sich die  Lungenfunktion auf Werte wie vor der Exazerbation (die „Basislinie“, definiert als der beste Lungenfunktionswert innerhalb der 6 Monate vor der Exazerbation). Bei etwa 20% der Teilnehmer war das allerdings nicht der Fall. Die Anzahl der Bakterien im Sputum verringerte sich, ebenso die Entzündungsmarker. Viren wurden bei 11 von 28 Studienteilnehmern gefunden (39%).

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Es gab bei einer zweiwöchigen Therapie mit oralen Antibiotika erhebliche Verbesserungen im „patient reported outcome“, also im vom Patienten selbst berichteten Therapieergebnis, sowie auch in der Lungenfunktion und bei den Bakterien im Sputum und bei den Entzündungsmarkern. Allerdings normalisierte sich bei einer kleinen Gruppe von Patienten die Lungenfunktion nicht wieder auf der Basislinie.

Die Studie ist wegen der geringen Anzahl der Teilnehmer in ihrer Aussagekraft beschränkt . Außerdem hatten unsere Patienten eine milde Ausprägung der Lungenerkrankung, und es ist unklar, ob wir diese Ergebnisse auch bei Patienten mit schwerer Lungenerkrankung gefunden hätten.

Wie geht es weiter?

Es bleibt eine Unklarheit in unserer Einschätzung des therapeutischen Vorgehens, weil bei etwa 20% der Patienten die Basislinie der Lungenfunktion nicht wieder erreicht wurde. Es ist wichtig, den Zusammenhang zwischen aufeinander folgenden Exazerbationen und der Lungenfunktion besser zu verstehen. Wir müssen herausfinden, ob sich die Behandlungsergebnisse durch klinische Studien oder durch Ansätze zur Verbesserung der Behandlungsqualität verbessern lassen.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 29.02.2019