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Neues aus der Forschung: Prävalenz und Diversität von fadenförmigen Pilzen in den Atemwegen von Patienten mit Mukoviszidose – eine holländische Multicenter-Studie

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

PREVALENCE AND DIVERSITY OF FILAMENTOUS FUNGI IN THE AIRWAYS OF CYSTIC FIBROSIS PATIENTS – A DUTCH, MULTICENTRE STUDY  

Autoren:

Tobias GP Engela,b, Lydie Slabbersc, Carmen de Jongc, Willem JG Melchersa,b, Ferry Hagend,1,
Paul E Verweija,b, Peter Merkusc, Jacques F Meisb,d on behalf of the Dutch Cystic Fibrosis Fungal Collection Consortium  
 
a Department of Medical Microbiology, Radboud University Medical Center, Nijmegen, The Netherlands;  
b Center of Expertise in Mycology Radboudumc/CWZ, Nijmegen, The Netherlands; 
c Department of Pediatrics, Radboud University Medical Center, Nijmegen, The Netherlands;
d Department of Medical Microbiology and Infectious Diseases, Canisius Wilhelmina Hospital (CWZ), Nijmegen, The Netherlands.   
Present address: 1 Department of Medical Mycology, Westerdijk Fungal Biodiversity Institute, Utrecht, The Netherlands.
 
Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Wir wollten herausfinden, welche Pilze aus dem Sputum von holländischen Patienten mit Mukoviszidose (cystische Fibrose, CF) angezüchtet werden können und mit welcher Häufigkeit.
 
Warum ist das wichtig?

Die Atemwege der Lunge sind durch Schleim geschützt. Allerdings ist der Schleim bei CF-Patienten so dick, dass er Infektionen erleichtert, wodurch die Lungen geschädigt werden. Pilze können in geschädigten Lungen wachsen. Allerdings sind Pilze bei vielen Patienten vorhanden, ohne Symptome zu verursachen. Deshalb ist es nicht klar, ob man die Patienten mit Pilzmedikamenten behandeln soll oder nicht. Es ist wichtig, Infektionen zu behandeln, die die Lungen schädigen, aber es ist auch wichtig, Patienten nicht unnötigerweise mit Pilzmedikamenten zu behandeln, da diese ernsthafte Nebenwirkungen haben können. Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, welche Arten von Pilzwachstum schädlich sind. Um die Rolle von Pilzinfektionen bei der Lungen-Schädigung bei Patienten mit CF zu verstehen, müssen wir zunächst wissen, welche Pilze gefunden werden und wie oft.

Wie sind Sie vorgegangen?

Zwischen März 2010 und März 2013 wurden Sputumproben von CF-Patienten aus fünf CF-Zentren gesammelt. Diese repräsentieren 82% aller holländischen CF-Patienten. Den teilnehmenden Laboratorien wurden für das Wachstum von Pilzen optimierte Anzuchtmedien zur Verfügung gestellt. Jedes Labor wendete das gleiche Anzucht-Protokoll an. Jede Woche wurden Sammlungen von Pilzen an ein Referenzlabor geschickt, wo die molekulare Diagnostik durchgeführt wurde, um die Pilze genau zu identifizieren. Da die Identifikation in ein-und demselben Labor durchgeführt wurde, war die Datensammlung sehr konsistent.

Was haben Sie herausgefunden?

Wir sammelten über drei Jahre 3.787 Pilze von 699 Patienten. Insgesamt fanden wir 107 verschiedene Pilzarten. Der am häufigsten kultivierte Pilz war Aspergillus fumigatus (52% aller Pilze). Sieben Prozent der Aspergillus fumigatus-Isolate waren resistent gegenüber Azolen. Azole sind die am häufigsten verwendeten Pilzmedikamente. Andere häufig kultivierte Pilze waren Penicillium-Arten (20,7%) und Scedosporium-Arten (7,5%). 41% der Patienten hatten jedes Jahr mindestens einen Pilz in ihrer Sputumprobe.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Unsere Studie zeigt, dass Sputumproben von CF-Patienten eine große Diversität von Pilzarten enthalten. Allerdings ist eine positive Pilzanzucht nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass dieser Pilz in der Lunge tatsächlich wächst. Manchmal werden Pilzsporen aus der Luft eingeatmet und bleiben im Schleim hängen, ohne zu wachsen. Eine positive Sputumprobe kann also auch heißen, dass der Patient kürzlich eine Spore eingeatmet hat und nicht, dass der Pilz in der Lunge bereits zu wachsen begonnen hat. Außerdem heißt das Wachstum eines Pilzes in der Lunge nicht automatisch, dass die Lunge dadurch geschädigt wird. Deshalb wissen wir, auch wenn Pilze oft aus Sputumproben von CF-Patienten angezüchtet werden können, immer noch nicht, wie viel Pilze zu der Symptomatik bei CF beitragen.

Wie geht es weiter?

Diese Studie hilft uns, genau zu wissen, welche Pilze bei CF-Patienten gefunden werden. Der nächste Schritt ist, zu untersuchen, wann Pilzwachstum für den Patienten schädlich ist und wann eine Pilztherapie begonnen werden sollte.

Übersetzung von Dr. Uta Düesberg, 13.03.2019