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Neues aus der Forschung: Untersuchung der Langzeit-Wirkung von Dornase alfa auf die Lungenfunktion anhand von Register-Daten

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

INVESTIGATING THE EFFECTS OF LONG-TERM DORNASE ALFA USE ON LUNG FUNCTION USING REGISTRY DATA 

Autoren:
Newsome SJ1, Daniel RM2, Carr SB3, Bilton D4 and Keogh RH1

1Department of Medical Statistics, London School of Hygiene & Tropical Medicine, London, UK
2Division of Population Medicine, Cardiff University, Cardiff, UK
3Department of Paediatric Respiratory Medicine, Royal Brompton & Harefield NHS
Foundation Trust, London, UK
4Faculty of Medicine, National Heart & Lung Institute, Imperial College London, London, UK

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Welche Langzeit-Effekte von Dornase alfa (DNase) auf die Lungenfunktion von Menschen mit Mukoviszidose (cystische Fibrose, CF) gibt es? Zum Beispiel, welche Lungenfunktion würden wir bei jemandem erwarten, der DNase 5 Jahre lang kontinuierlich anwendet im Vergleich zu jemandem, der keine DNase verwendet. Unser Ziel war, diese Frage mit Hilfe von Register-Daten aus England (UK) zu beantworten.

Warum ist das wichtig?

DNase ist ein Enzym, das DNA zerschneidet. DNA findet sich im Schleim der Lunge und trägt dazu bei, dass der Schleim dick und klebrig ist. Klinische Studien über max. 2 Jahre haben gezeigt, dass die Anwendung von DNase die Lungenfunktion verbessert, aber meist wenden CF-Betroffene die Behandlung mit DNase länger als 2 Jahre an. Deshalb ist es wichtig abschätzen zu können, wie die DNase die Lungenfunktion bei Langzeitanwendung beeinflusst. Wir hoffen, dass eine DNase Behandlung die Lungenfunktion idealerweise nicht nur kurzfristig verbessert, sondern auch das Absinken der Lungenfunktion langfristig verlangsamt.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir sahen uns Daten von 4.198 Patienten an, die zwischen 2007 und 2016 im UK CF-Register erfasst waren. Die erste Datenerfassung war innerhalb eines Jahres, bevor DNase angewendet wurde. Die Mehrheit dieser Betroffenen (57%) begannen irgendwann innerhalb unseres Beobachtungszeitraumes mit der DNase-Behandlung und wir verglichen die Lungenfunktionsmessung, wenn die Betroffenen die DNase-Behandlung bekamen im Vergleich zum Zeitpunkt, als sie sie nicht bekamen. Allerdings hatten die Betroffenen, die mit der DNase-Behandlung anfingen, durchschnittlich schon eine niedrigere Lungenfunktion als diejenigen, die keine DNase anwendeten. Um das miteinzuberechnen, nutzten wir eine statistische Methode namens g-Test, der es ermöglicht abzuschätzen, welchen Effekt die DNase auf die Lungenfunktion hatte.  

Was haben Sie herausgefunden?

Unsere Ergebnisse zeigen, dass DNase die Lungenfunktion bei Betroffenen mit niedriger Lungenfunktion (<70 ppFEV1) verbessert. Bei Betroffenen, die mit DNase bei einer niedrigeren Lungenfunktion anfingen, beobachteten wir einen Anstieg der Lungenfunktion im ersten Jahr der Behandlung. Diese Ergebnisse zeigten sich auch über 5 Jahre: Für Betroffene, die mit einer niedrigen Lungenfunktion die Behandlung begannen und diese über 5 Jahre weiterführten, wurde eine höhere Lungenfunktion abgeschätzt als wenn sie keine DNase genommen hätten. Allerdings war der Unterschied der zwei Gruppen nach einem Jahr vergleichbar mit dem Unterschied nach fünf Jahren, so dass man davon ausgehen muss, dass die Behandlung das Absinken der Lungenfunktion nicht verändert hat.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Für Betroffene mit niedrigerer Lungenfunktion ist die Langzeit-Behandlung sinnvoll, aber verändert nicht das sonstige Absinken der Lungenfunktion. Wir haben keinen Hinweis darauf gefunden, dass bei Betroffenen mit hoher Lungenfunktion die DNase die Lungenfunktion verbessert, vielleicht, weil die Behandlung die Lungenfunktion nicht noch weiter verbessern kann.
Die verwendeten statistischen Methoden zielen darauf ab, jeden systematischen Unterschied zwischen Betroffenen, die DNase verwenden und solchen, die keine DNase verwenden, zu korrigieren, aber wir können nicht sicher sein, ob diese Unterschiede komplett herausgerechnet wurden. Wir müssen unsere Ergebnisse mit Vorsicht interpretieren, weil diese Studie keine randomisierte klinische Studie ist.

Wie geht es weiter?

Unsere Arbeit hat gezeigt, wie geeignet statistische Methoden sind, um unter Nutzung von Register-Daten den Langzeit-Effekt von Therapien abschätzen zu können. Wir hoffen, dass diese Herangehensweise auch für andere häufige CF-Therapien angewendet werden kann.

Übersetzung von Dr. Uta Düesberg, 16.11.2018