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Protonenpumpen-Hemmer – ein Risikofaktor für Verschlechterung der Lungenerkrankung?

Eine niederländische Arbeitsgruppe hat Registerdaten von 545 Kindern mit Mukoviszidose ausgewertet. Dabei hat sich gezeigt, dass die Einnahme von so genannten Protonenpumpenhemmern (PPI) einen Risikofaktor für die Verschlechterung des Gesundheitszustands darstellte: Patienten, die PPI eingenommen hatten, hatten in den folgenden Jahren häufiger akute Verschlechterungen der Lungenerkrankung (so genannte Exazerbationen), die mit intravenösen Antibiotika behandelt werden mussten. Auch die Lungenfunktion war schlechter. Eine längere Nutzung der PPI schien sich bei den niederländischen Kindern dabei stärker negativ auszuwirken als kürzere Einnahmen.

Protonenpumpenhemmer (PPI) wirken als Säureblocker 

PPI werden bei Mukoviszidose zur Verbesserung des Ernährungsstatus, der Fettabsorption und von Symptomen im Magen-Darm-Bereich eingesetzt. PPI wirken als Säureblocker und erhöhen den pH-Wert im Magen. Dadurch sollen Enzympräparate (Lipase etc.) besser wirken. Speziell für Mukoviszidose-Patienten gibt es aber bislang kaum Daten zu unerwünschten Wirkungen von PPI. Für Patienten ohne Mukoviszidose wurde laut der Veröffentlichung der niederländischen Arbeitsgruppe bereits ein erhöhtes Risiko für Lungeninfektionen gezeigt. Das könnte laut den Autoren daran liegen, dass es auch in den Atemwegen Protonenpumpen gibt, die durch die Hemmstoffe (PPI) blockiert werden. Dies könnte dann auch in der Lunge zu einer Veränderung des pH-Wertes führen und die Zusammensetzung der dortigen Keime so verändern, dass es schließlich zu einer Infektion kommt. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass Keime normalerweise durch die Magensäure abgetötet werden, deren Bildung durch die PPI aber ja gerade gehemmt wird. Kommt es nun zu Aufstoßen (Reflux), was bei Mukoviszidose Betroffenen ein häufiges Phänomen ist, können solche Keime auch in die Lunge gelangen und evtl. Infektionen auslösen. 

Weitergehende Studien nötig

Bei der niederländischen Auswertung wurden Kinder im Alter von 5-18 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht. Die Art der Studie kann aber lediglich Hinweise liefern, die dann in größeren so genannten RCTs (randomisierte kontrollierte klinische Studien) bewiesen werden müssen. Denn obwohl die Wissenschaftler Störgrößen aus den Ergebnissen herausgerechnet haben (z.B. Unterschiede beim Gewicht oder der Lungenfunktion oder der Exazerbationswahrscheinlichkeit), bleibt offen, ob die Einnahme der PPI tatsächlich die Ursache für die Verschlechterung ist oder ob es andere Faktoren gibt, die nur nicht aufgefallen sind. Da aber bei Patienten ohne Mukoviszidose bereits belegt ist, dass PPI zu Lungeninfekten führen können, scheinen die Schlussfolgerungen zu einem ursächlichen Zusammenhang sehr plausibel, und es sollten dringend weitergehende Untersuchungen durchgeführt werden. 

Quelle: van Horck M, van de Kant K, Winkens B, et al. Risk factors for lung disease progression in children with cystic fibrosis. Eur Respir J 2018; in press

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.