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Studienergebnisse zeigen keine deutliche Verbesserung der Lungenfunktion durch Glutathion-Inhalation

Bei Patienten mit Mukoviszidose (Cystic Fibrosis, CF) ist die chronische Entzündung der Lunge ein erhebliches Problem. Allerdings weiß man bis heute nicht, ob die Entzündung erst durch Keime ausgelöst wird oder schon von Anfang an besteht. Bekannt ist aber, dass die chronische Entzündung die Lunge schädigt. Eine Ursache für die Schädigung der Lunge sind oxidative Vorgänge, die durch bestimmte Immunzellen (neutrophile Granulozyten) bei der Entzündung entstehen. In gesunden Zellen bremst Glutathion die oxidativen Vorgänge, schützt also vor den sog. „freien Radikalen“, die bei Entzündungsprozessen vermehrt vorkommen. Glutathion kommt im Körper in fast allen Zellen vor.

Bei Patienten mit CF ist das Antioxidans Glutathion in der Lunge deutlich reduziert. Das weiß man aus Untersuchungen von BAL-Flüssigkeit (aus Spülung der Bronchien und der Lunge). In einer Pilotstudie im Jahr 2005 wurde deshalb der Effekt von Glutathion untersucht. 20 CF-Patienten inhalierten über 14 Tage Glutathion in verschiedenen Konzentrationen. Dadurch erhöhte sich die Konzentration von Glutathion in der BAL, nicht nur direkt nach der Inhalation, sondern auch 12 Stunden später noch. Auch die Lungenfunktion, gemessen anhand der Einsekundenkapazität (forciertes exspiratorisches Volumen in 1 Sekunde, FEV1) verbesserte sich.

Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse an dieser kleinen Patientengruppe, konzipierte Prof. Griese aus München in Kooperation mit dem Mukoviszidose-Institut, das für dieses Projekt die Sponsorrolle nach Arzneimittelgesetz (AMG) übernahm, eine randomisierte, Plazebo-kontrollierte und doppelblinde klinische Studie der Phase II, die  2007 klinisch begonnen werden konnte. Ziel der Studie war es, die Sicherheit und Wirksamkeit der zweimal täglichen Inhalation einer Glutathion-Lösung (GSH-Na 624 mg/4ml) im Vergleich zu Placebo über 24 Wochen zu untersuchen. Die Prüfmedikation wurde zusätzlich zu der sonst üblichen Therapie gegeben. An 15 deutschen Studienzentren wurde die Studie durchgeführt und 153 Patienten (80 Placebo, 73 GSH) im Alter von 8-61 Jahren (mittleres Alter 23 Jahre) nahmen an der Studie teil.

Obwohl einzelne Patienten eine subjektive Verbesserung durch die Inhalation in der Studie empfanden, konnte in der Summe kein Effekt auf die Lungenfunktion (FEV1) gezeigt werden. Auch bei den sekundären Zielparametern wie Körpergewicht und -größe, Entzündungsparameter und Lebensqualität zeigte sich kein Wirkeffekt der Glutathion-Inhalation. Immerhin konnte festgestellt werden, dass die Inhalation von Glutathion verträglich und sicher war.

Ganz im Sinne der erst kürzlich vom Mukoviszidose Institut unterzeichneten Petition „All Trials“ wurden die Ergebnisse dieser von der amerikanischen Cystic Fibrosis Foundation (CFF) und der Mukoviszidose Institut gGmbH geförderten Studie veröffentlicht, obwohl daraus keine Wirksamkeit der untersuchten Substanz hervorgeht. Die Daten sind dennoch für die Mukoviszidose-Forschung von Nutzen, denn die Interpretation der Ergebnisse kann zu neuen Forschungsideen und Wirkstoffentwicklungen führen.  

Publikation zur Pilotstudie: Griese M, et al. Improvement of alveolar glutathione and lung function but not oxidative state in cystic fibrosis. Am J Respir Crit Care Med. 2004 Apr 1;169(7):822-8.

Publikation der Multicenterstudie: Griese M, et al. Inhalation Treatment with Glutathione in Patients with Cystic Fibrosis: a Randomized Clinical Trial. Am J Respir Crit Care Med. 2013 Apr 30. [Epub ahead of print]

Fragen? Bitte wenden Sie sich an Dr. Uta Düesberg (UDueesberg(at)muko.info) oder Dr. Jutta Bend (JBend(at)muko.info)