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Trockenpulver-Inhalation von Antibiotika

Bei Patienten mit chronischen Pseudomonas aeruginosa-Infektionen der Lunge ist die Inhalation von Antibiotika eine Standardtherapie. Bis vor einigen Jahren wurde Mukoviszidose-Patienten fast ausschließlich die Feuchtinhalation empfohlen, da durch die Feuchtigkeit eine zusätzliche Schleimlösung in den Atemwegen erfolgt. Inzwischen hat jedoch auch die Trockeninhalation bei Mukoviszidose-Patienten als ergänzende Inhalationstherapie ihren Platz gefunden. Insbesondere die Trockeninhalation von Kortikosteroiden und atemwegserweiternden Substanzen, die auch in der Asthmatherapie erfolgreich eingesetzt werden, ist weit verbreitet.


Die Trockeninhalation von Antibiotika hingegen ist erst seit letztem Jahr mit einem Trockenpulver-Inhalator zur Inhalation von Tobramycin (TOBI®Podhaler®, Novartis Pharma GmbH) für Mukoviszidose-Patienten mit chronischer Pseudomonas aeruginosa-Lungeninfektion ab einem Alter von 6 Jahren verfügbar. Zur Inhalation des Antibiotikums Colistin bei chronischer Pseudomonas aeruginosa-Lungeninfektion wurde dieses Jahr der Colobreathe®Turbospin® von Forest Laboratories Ltd.  in Deutschland für Mukoviszidose-Patienten ab einem Alter von 6 Jahren zugelassen. Laut Auskunft des Herstellers soll das Gerät Mitte des Jahres 2012 verfügbar sein.


Trockeninhalatoren haben den Vorteil, dass sie sehr klein (sie passen in die Jackentasche) und geräuscharm sind und unabhängig von einem Stromanschluss verwendet werden können. Außerdem benötigen Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Inhalation nur wenige Minuten. Die durch Atemzug ausgelösten Trockenpulver-Inhalatoren wie Colobreathe®Turbospin® und TOBI®Podhaler® sind allerdings bei kleinen Kindern und Patienten mit sehr schlechter Lungenfunktion oder akuter Atemnot nur eingeschränkt einsetzbar, da ein hoher Einatemfluss nötig ist, um das Medikament freizusetzen und in die Lunge zu befördern.

Manche Patienten berichten zudem subjektiv über eine schlechtere Wirkung im Vergleich zur Feuchtinhalation. Über den patientenrelevanten Langzeitnutzen (Überleben, Krankheitslast, Lebensqualität) im Vergleich zur Feuchtinhalation kann aufgrund der mangelhaften Datenlage keine Auskunft gegeben werden.


Weitere, ausführliche Informationen zur Inhalation mit Feucht- und Trockeninhalatoren finden Sie auch im „Leitfaden Inhalation“ (2. Auflage 2012), den Sie über den Mukoviszidose e.V. hier bestellen können.


Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Uta Düesberg (udueesberg(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen und Nebenwirkungen eines Arzneimittels besprochen. Der Handelsname wird genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.