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Zulassungsprogramm für Korrektur des F508del soll 2013 starten

Die Kombination des Korrektors VX-809 mit dem gerade in Deutschland zugelassenen Ivacaftor (= Kalydeco®= VX-770) hat in Studien viel versprechende Ergebnisse gezeigt. Michael Boyle präsentierte diese Studienergebnisse auf dem diesjährigen nordamerikanischen NACF Kongress in Orlando, Florida. Vertex, der Hersteller von VX-809 und Ivacaftor, hat aufgrund der Ergebnisse den Start eines Zulassungsprogramms für Anfang 2013 angekündigt. Für ein solches Programm werden Studien durchgeführt, die das Ziel haben, die Wirksamkeit und Sicherheit der Wirkstoffkombination zu beweisen, um sie schließlich auf den Markt zu bringen. Dazu soll VX-809 in Kombination mit Ivacaftor bei Patienten mit zwei F508del Mutationen untersucht werden.


Kombination von VX-809 und Ivacaftor verbessert bei Patienten mit zwei F508del Mutationen die Lungenfunktion
Im Gegensatz zu Ivacaftor, das allein eingesetzt nur bei der seltenen G551D Mutation wirkt, soll nun eine Wirkstoffkombination entwickelt werden, die bei der häufigen F508del Mutation Anwendung findet. In Deutschland sind knapp 50% der CF-Patienten F508del homozygot, haben also zweimal die F508del Mutation. Die in Orlando vorgestellte Phase II Studie zeigte bei diesen Patienten eine Verbesserung der Lungenfunktion (FEV1) um 6,1%. Vertragen wurde die Kombination gut; die Nebenwirkungen waren vergleichbar mit denen in der Placebogruppe. Für die Studie nahmen die Patienten 1 Tablette mit VX-809 und 2 Tabletten Ivacaftor täglich über 28 Tage ein. Das viel versprechende Ergebnis wurde allerdings nur bei Patienten mit zwei F508del Mutationen erreicht; bei Patienten mit nur einer F508del Mutation waren die Ergebnisse nicht eindeutig. Deshalb werden in das neue Studienprogramm auch nur Patienten mit zwei F508del Mutationen (homozygote Patienten) einbezogen. Vor einer breiteren klinischen Untersuchung bei Patienten mit compound-heterozygotem F508-del Genom , bei denen also nur eines der beiden veränderten CFTR-Gene eine F508del Mutation und das andere eine andere Mutation trägt, sind dagegen weitere Forschungsaktivitäten erforderlich.


VX-809 aktiviert die Bildung des CFTR, Ivacaftor steigert die Funktionsfähigkeit
Ursächlich für die Mukoviszidose ist der nicht funktionierende Salzkanal CFTR. Durch diesen Defekt entsteht ein Ungleichgewicht im Salz-Wasser-Haushalt des Körpers; es bildet sich Schleim, der Organe wie die Lunge oder die Bauchspeicheldrüse verstopft. Bei der F508del Mutation wird der CFTR-Kanal fast gar nicht gebildet. VX-809 soll nun die Produktion des CFTR-Kanals anregen. Da der F508del-CFTR aber auch nicht richtig funktioniert, reicht eine alleinige Produktionssteigerung noch nicht aus, um einen maßgeblichen Effekt zu erzielen. Deshalb wird in einem zweiten Schritt Ivacaftor eingesetzt, um die Aktivität der neu gebildeten Kanäle zu steigern. Wie genau die neuen Substanzen Ivacaftor und VX-809 wirken, ist bislang noch nicht bekannt. Da die Vorgänge bei der Bildung von CFTR-Eiweißen in der Zelle so komplex sind, ist ein gezieltes Eingreifen zur Korrektur des F508del CFTR sehr schwierig. Die Studienergebnisse deuten nun darauf hin, dass dies grundsätzlich möglich ist. Man wird aber abwarten müssen, ob sich die Ergebnisse in den Folgestudien auch bestätigen lassen.


Immer mehr mutationsspezifische Therapieansätze
Wer als Patient die bei ihm oder ihr vorliegenden Mutationen nicht kennt, sollte unbedingt beim behandelnden Arzt nachfragen und die Untersuchung ggf. machen lassen. Dafür ist lediglich eine Blutprobe erforderlich, die in einem genetischen Labor untersucht wird. Das Wissen um die Mutation ist die Voraussetzung für die Behandlung mit mutationsspezifischen Therapien wie Ivacaftor oder VX-809.


Ausblick: Sollten die Zulassungsstudien mit der Kombination aus VX-809 und Ivacaftor erfolgreich verlaufen und die ersten positiven Ergebnisse in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit bestätigen, könnte in wenigen Jahren ein neues Medikament für die Behandlung von CF Patienten mit zwei F508del Mutationen zur Verfügung stehen. Ob dies gelingt, ist aber im Vorhinein schwer zu beurteilen, denn eine klinische Entwicklung kann auch noch in sehr fortgeschrittenen Entwicklungsphasen scheitern. Die neuen potentiellen Medikamente haben sicherlich großes Potential, aber man muss die kommenden Studienergebnisse abwarten, bevor man beurteilen kann ob und wie sehr sie Betroffenen mit Mukoviszidose helfen können.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Frau Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen eines Arzneimittels besprochen. Der Handelsname wird genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.