Diabetes

Diabetes mellitus bei Mukoviszidose

Mit zunehmendem Lebensalter tritt vermehrt ein Diabetes mellitus bei CF (cystic fibrosis related diabetes, CFRD) auf.


Frühe Diagnosestellung wichtig

Da die Symptome des CFRD meist schleichend einsetzen, sollte daher ab dem 10. Lebensjahr mindestens einmal pro Jahr gezielt Diagnostik erfolgen. Viele Betroffenen empfinden den CFRD verständlicherweise als zusätzliche Bürde in ihrem Alltag. Sie erkennen nicht unbedingt den Nutzen der Therapie, da sie vorab keine unmittelbaren Auswirkungen des Diabetes gespürt haben. Da sich ein unbehandelter Diabetes jedoch sehr negativ auf den gesamten Krankheitsverlauf auswirken kann, ist eine frühzeitig beginnende Behandlung von großer Bedeutung. Die Therapie muss ständig dem Stoffwechselgeschehen angepasst werden, da sich die Glukosetoleranz bei CF typischerweise im Laufe der Zeit verändert.

Der Diabetes mellitus bei CF ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet, der mit den anderen bekannten Diabetesformen nicht vergleichbar ist.

Mit dem so genannten OGTT (oraler Glukosetoleranztest) kann man die Diagnose frühzeitig stellen. Die Entwicklung eines Diabetes mellitus bei CF ist mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion und des Ernährungszustandes assoziiert. Daher sollte bei einer nicht zu erklärenden Gewichtsabnahme, bzw. Gedeihstörung bei Kindern und/oder bei einer Verschlechterung der Lungenfunktion unabhängig vom Alter ein OGTT durchgeführt werden.

Außerdem sollte der Glukosetoleranztest bei folgenden Situationen erfolgen:

  •     wenn eine nächtliche Ernährung über Sonde in Betracht gezogen wird,
  •     bei Steroidtherapie,
  •     vor großen Operationen,
  •     vor einer geplanten Schwangerschaft (während der Schwangerschaft),
  •     bei Symptomen einer Unterzuckerung,
  •     bei Symptomen einer Überzuckerung.

Zunächst wird der Nüchternblutzucker des Patienten bestimmt. Anschließend trinkt der Patient eine definierte Menge an Zuckerlösung.

Beurteilung

  • gestörte Nüchternglukose (IFG): ≥ 100 mg/dl, < 110 mg/dl
  • gestörte Glukosetoleranz (IGT): 2 Stunden Wert ≥ 140 mg/dl, < 200 mg/dl

Ein Diabetes mellitus liegt bei folgenden Blutzuckerwerten vor

Vollblut kapillärVollblut venös    
nüchtern≥ 110 mg/dl≥ 110 mg/dl
2 Stunden Wert≥ 200 mg/dl≥ 180 mg/dl

Bei IFG oder IGT sollte der OGTT nach sechs Monaten wiederholt werden.

Der Glukosestoffwechsel verändert sich langsam, bis schließlich die Diagnose des CFRD gestellt wird. Im Vorfeld entwickeln viele Betroffene nach den Mahlzeiten Unterzuckerungen. Die Bauchspeicheldrüse ist sehr wohl in der Lage, Insulin zu produzieren. Die Ausschüttung erfolgt allerdings verspätet und dann häufig überschießend, so dass der Blutzucker zu tief sinkt.

Die Betroffenen profitieren in diesem Fall sowohl von einer gleichmäßigen Mahlzeitenverteilung, als auch von einem Verzicht auf Lebensmittel, die ausschließlich Einfach- und/oder Zweifachzucker enthalten, wie beispielsweise Gummibärchen, Limonade, große Mengen an Fruchtsäften.

Es gibt bislang keinen Konsens, ob bereits im Vorstadium des Diabetes mellitus mit einer entsprechenden Therapie begonnen werden sollte. Es werden zurzeit Studien durchgeführt, die verschiedene Behandlungsstrategien bei Betroffenen mit IGT untersuchen.

Mit einfachen, ernährungstherapeutischen Maßnahmen ist es möglich, den Blutzuckeranstieg nach den Mahlzeiten zu verlangsamen. Der Blutzuckeranstieg kann gebremst werden, wenn „schnelle“ Kohlenhydrate (Süßigkeiten) mit Fett und/oder Ballaststoffen kombiniert werden (Schokolade statt Bonbons, Honig auf Vollkornbrötchen mit Butter).

Insulin hat u. a. zwei wichtige Aufgaben:

  1. Es reguliert die  Glukoseaufnahme in die Zelle.
  2. Es hemmt die Glukosefreisetzung aus dem Glykogen der Leber.

Dadurch stehen dem Körper aus einem konstanten Blutzuckerspiegel immer ausreichend Energielieferanten zur Verfügung.

Einen Diabetes mellitus kann mit oralen Antidiabetika (OAD) und/oder Insulin behandelt werden. Die Wirkung von OAD beruhen meistens darauf, dass sie körpereigenes Insulin mobilisieren und/oder die Insulinempfindlichkeit verbessern. Hierzu muss noch körpereigenes Insulin vorhanden sein.  

Die Wahl des Therapieregimes (Insulin oder orale Antidiabetika) muss individuell mit jedem Patienten besprochen werden. Sie hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise das Stadium der Erkrankung. Von daher muss eine stete Anpassung erfolgen. Die Behandlung muss aber auch den persönlichen Lebensumständen, Ernährungsgewohnheiten und dem Lebensstil des Betroffenen gerecht werden.

Eine maßgeschneiderte Enzymtherapie ist bei Diabetes melltitus von großer Bedeutung. Eine fehlende oder zu niedrige Enzymeinnahme zur Mahlzeit kann zu Unterzuckerungen führen.

Für den Erfolg der Behandlung ist eine strukturierte und individuelle Diabetikerschulung unerlässlich.

Diese sollte u. a. folgende Themen beinhalten:

  • Ursache des Diabetes mellitus,
  • Pathophysiologie (Was geschieht im Körper?),
  • Stoffwechselselbstkontrolle,
  • Insulin oder OAD (Wirkweise, Handhabung, etc.),
  • Unterzuckerung,
  • Überzuckerung,
  • Ernährung,
  • Urlaub, Reisen,
  • Krankheit,
  • Sport,
  • Folgeschäden.

Eine enge Kooperation von einem CF-erfahrenen Team, bestehend aus Diabetologe, Diabetesberater/in, Diätassistentin, CF-Ambulanzarzt und dem Betroffenen ist Voraussetzung für ein gutes Behandlungsergebnis.

Bärbel Palm

Zuletzt aktualisiert: 02.10.2017