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Covid-19: Welche Therapien sind in der Pipeline? 

Wissenschaftler arbeiten zurzeit mit Hochdruck daran, Medikamente zur Behandlung von Covid-19 und einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln. Mit einem Impfstoff könnten Risikopatienten und Krankenhauspersonal vor dem Virus geschützt werden. Das Szenario, dass Versorgungssysteme in der Klinik zusammenbrechen, wäre dadurch vermeidbar. Zurzeit sind über 80 klinische Studien zur Bekämpfung von Covid-19 in einer Datenbank registriert. Wir haben einzelne Strategien und Ansätze zusammengefasst. 
Zu Covid-19 sind verschiedene Therapien in der Pipeline. Bild von Miguel Á. Padriñán auf Pixabay

Zu Covid-19 sind verschiedene Therapien in der Pipeline. Bild von Miguel Á. Padriñán auf Pixabay

Globale WHO-Studie startet in Kürze

Die World Health Organisation (WHO) hat eine globale Studie unter dem Namen SOLIDARITY initiiert, an der auch Europa, koordiniert durch Frankreich, teilnimmt: Es ist geplant 3.200 erwachsene, hospitalisierte Covid-19-Patienten einzuschließen. Der europäische Studienzweig (in der Studiendatenbank unter DISCOVERY zu finden) unterscheidet sich von der globalen SOLIDARITY Study, da ein Wirkstoff in dieser Studie nicht getestet wird (Chloroquin, siehe unten). 

In der WHO-Studie werden zunächst sechs verschiedene Substanzen getestet, z.T. bereits zugelassene Medikamente:

  • das Virustatikum Remdesivir, ein Wirkstoff, der zur Bekämpfung von Ebola vorgesehen war,
  • die HIV-Wirkstoffkombination Lopinavir und Ritonavir, z.T. ergänzt durch entzündungshemmendes Interferon-ß, 
  • das Malariamedikament Chloroquin. 

Die Fokussierung dieser klinischen Testung auf bereits zugelassene Wirkstoffe bzw. Substanzen, die schon sehr gut im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen untersucht wurden, macht Hoffnung auf eine schnelle Zulassung zur Behandlung von Covid-19. Experten rechnen mit einer Einsetzbarkeit bereits für Ende 2020 – vorausgesetzt, die nun durchgeführten klinischen Studien belegen die Wirkung der Substanzen. 

Zusammenfassungen der WHO-Studie

Malaria-Medikament hinsichtlich Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 kontrovers diskutiert

Das zur Behandlung von Malaria seit langem zugelassene Medikament Chloroquin wird derzeit bei an Covid-19 erkrankten Patienten untersucht. Aus Zellkultur-Experimenten gibt es Hinweise, dass Chloroquin die Vermehrung (Replikation) von SARS-CoV-2 verhindert. Verschiedene Untersuchungen an Covid-19-Patienten in Italien und Frankreich wurden bereits publiziert, die Ergebnisse werden jedoch aufgrund der heterogenen Patientengruppen kontrovers diskutiert und eine Wirkung konnte nicht eindeutig dem Medikament Chloroquin zugewiesen werden. Auch gibt es Stimmen, die vor den Nebenwirkungen warnen, die eine notwendige höhere Dosierung für diese Anwendung mitbringen könnten (siehe Link unten). Aus diesem Grund sind nun verschiedene systematische randomisierte klinische Studie geplant (u. a. auch in Tübingen), um die Wirkung zur Behandlung von an Covid-19 erkrankten Patienten zu untersuchen. Auch ein prophylaktischer Einsatz ist denkbar, eine Studie zu dieser Fragstellung startet in Kürze in England. Chloroquin wird von Bayer hergestellt und könnte als zugelassenes Medikament schnell verfügbar sein. 

Impfstoffe sollen Infektion verhindern

Damit Personen gar nicht erst an Covid-19 erkranken, wird mit Hochdruck an Impfstoffen gearbeitet. Impfstoffe könnten helfen, die medizinische Infrastruktur aufrecht zu erhalten und die Epidemie zu beenden. Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Corona-Viren ist bislang nicht gelungen, obwohl schon zur Bekämpfung früherer Epidemien (SARS und MERS) daran geforscht wurde. Grundsätzlich sind verschiedene Ansätze denkbar: Es können abgeschwächte Viren, die sich nicht mehr im Körper vermehren können oder nur Virus-Partikel verwendet werden. Diese Arten von Impfstoffen werden bei anderen Erkrankungen schon sicher und erfolgreich eingesetzt. Ein in Deutschland durch die Firma CureVac (Tübingen) entwickelter Impfstoff basiert auf einem ganz innovativen (und bislang auch bei anderen Impfungen noch nicht zugelassenen) Verfahren: Als Impfstoff soll kein Virus oder Viruspartikel verwendet werden, sondern eine Bauanleitung in Form von genetischem Material (mRNA; Boten-RNA). Im Organismus würden dann, entsprechend der Vorlage, einzelne Virenbestandteile hergestellt. Damit sollte, wie auch bei den herkömmlichen Impfungen, eine natürliche Antikörperantwort ausgelöst werden, ohne den Organismus durch das echte Virus in Gefahr zu bringen. Über die durch die Impfung ausgelöste Antikörperbildung ist der Organismus vorbereitet und kann im Falle eines echten Befalls durch SARS-CoV-2 schnell reagieren und das echte Virus frühzeitig eliminieren. 
Experten vermuten, dass Impfstoffe eher erst 2021 verfügbar sein werden, da eine sorgfältige Testung hinsichtlich der Sicherheit unbedingt geboten ist. Die Dringlichkeit der Situation wird jedoch helfen, Zulassungsverfahren schnellstmöglich durchzuführen. 

Antikörpertest kann gegen SARS-CoV-2 immune Personen identifizieren

Auch die Entwicklung eines Antikörpertests kann helfen, sich der Covid-19-Pandemie besser entgegenstellen zu können. Wie oben beschrieben, bildet der Körper spezifische Antikörper, wenn der Organismus Kontakt zu dem echten Virus oder einem geeigneten Impfstoff hat. Diese Antikörper sind in der Regel über mehrere Jahre nachweisbar, solange der Impfschutz bzw. die Immunität nach durchlebter Erkrankung anhalten. Das ist auch ein Grund, warum für die Covid-19-Diagnostik Antikörpertests kritisch gesehen werden, da Antikörper mit Zeitverzug gebildet werden und keine Aussage über eine aktuelle Erkrankung erlauben. Demnach sind durch Antikörpertests Infektionen noch nicht in den frühen Tagen der Infektion nachweisbar. Ebenso klärt ein positiver Antikörpertest nicht darüber auf, ob die Infektion noch stattfindet oder schon überstanden ist. Dennoch sind schnelle und kostengünstige Antikörpertests das Potential, Personen hinsichtlich ihrer Immunität gegenüber SARS-CoV-2 zu testen: Immune Behandler könnten dann ohne Gefährdung zur Behandlung von an Covid-19 erkrankten Patienten eingesetzt werden. Auch für Risikogruppen und pflegende Angehörige könnte ein Wissen bzgl. ihrer eigenen Immunität gegenüber SARS-CoV-2 wichtig sein, um sich entsprechend verhalten zu können. Demnach ist auch die kürzlich erschienene Information über die Entwicklung eines möglicherweise in großem Maßstab einsetzbaren neuen SARS-CoV-2 Antikörpertest ebenfalls ein Lichtblick für den zukünftigen Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Bislang ist dieser Test jedoch noch nicht ausreichend validiert und noch nicht kommerziell verfügbar. 

Weiterführende Informationen

Klinische Studien zur Bekämpfung von Covid-19  
Im Ärzteblatt wurde kürzlich über verschiedene Ansätze der Therapie bei Covid-19 berichtet. Zum Artikel
 


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