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Inhalation mit Pravibismane: Neues Antibiotikum gegen multiresistente Keime

Auf dem amerikanischen Kontinent wird derzeit ein neues potentielles Antibiotikum untersucht: Pravibismane von Microbion Corporation. Es soll gegen multiresistente Keime wie Pseudomonas, Staphylococcus und nicht-tuberkulöse Mykobakterien (NTM) wirken. Ende Mai 2020 vergab die US-Arzneimittelbehörde FDA den Orphan Drug Status für die inhalative Anwendung bei Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) und die amerikanische Patientenorganisation CFF (Cystic Fibrosis Foundation) unterstützt das Projekt finanziell.

Multiresistente Keime wie Pseudomonas aeruginosa (besonders 3MRGN und 4MRGN), Staphylokokken oder nicht-tuberkulöse Mykobakterien stellen ein zunehmendes Problem bei der fortgeschrittenen Lungenerkrankung von CF-Betroffenen dar. Solche Infektionen sind oft nicht gut behandelbar und werden dann chronisch. Auch wenn die Entwicklung und Zulassung neuer CFTR-Modulatoren die Hoffnung gibt, dass bei vielen CF-Patienten der Krankheitsverlauf verbessert werden kann, dürften chronische Lungenentzündungen weiterhin eine große Rolle spielen. Deshalb ist die Forschung an Antibiotika auch weiterhin von enormer Bedeutung.

Pravibismane stört den Energiestoffwechsel der Bakterien

Das neue Antibiotikum Pravibismane (auch MBN-101 oder BisEDT – Bismut Ethandithiol genannt) kann laut Angaben des Herstellers Biofilme bekämpfen, die die Keime besonders widerstandsfähig gegen gängige Antibiotika machen. Außerdem hätten Laboruntersuchungen gezeigt, dass Pravibismane gegen ein breites Spektrum verschiedener gram-positiver wie auch gram-negativer Bakterien wirke, u.a. Pseudomonaden, Staphylokokken und NTM. Dabei wirke Pravibismane auf den Energiestoffwechsel der Zellen und gehöre so zu einer neuen Klasse an Antibiotika. Derzeit befindet sich Pravibismane noch in der präklinischen Entwicklung, d.h. die Inhalation mit Pravibismane wurde bislang noch nicht im Menschen getestet. Es gab aber bereits Phase 1-Studien zur lokalen, äußeren Anwendung des Wirkstoffs, z.B. bei Infektionen offener Wunden. 

CFF und BMBF fördern die Entwicklung 

Die Entwicklung neuer Medikamente ist teuer und langwierig. Viele gute Ansätze aus dem Labor schaffen es nicht bis zur Anwendung beim Patienten, oft auch weil das Geld fehlt. Da ist es eine gute Nachricht, dass die amerikanische Patientenorganisation CFF die Entwicklung von Pravibismane zur Behandlung von chronischen Lungeninfektionen bei Mukoviszidose mit 5,6 Millionen Dollar unterstützt. Einen noch größeren Beitrag steuert das internationale Bündnis CARB-X (Combating Antibiotic-Resistant Bacteria Biopharmaceutical Accelerator) an der Universität Boston bei: Es gibt 6,1 Millionen plus ggf. zusätzliche 5,4 Millionen Dollar, wenn erste Ziele erreicht werden können. An der weltweiten non-profit Initiative CARB-X sind verschiedene Stiftungen und offizielle Förderer beteiligt, u.a. auch das deutsche BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung). Die Förderungen sollen helfen, das Potential der neuen Substanz als Medikament auszuloten und die Entwicklung bis in die Phase 1 der klinischen Entwicklung zu ermöglichen. Nach den ersten Anwendungen im Menschen wird man auch besser einschätzen können, wie verträglich und wirksam das neue Antibiotikum tatsächlich ist. Bis zu einer möglichen Zulassung werden aber auch im besten Falle noch mehrere Jahre vergehen.  

Quellen und weitere Informationen

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info)

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.
 


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