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Neues aus der Forschung: Das mit der Viehhaltung verbundene Vorkommen von MRSA bei Patienten mit Mukoviszidose in Belgien

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

EMERGENCE OF LIVESTOCK-ASSOCIATED MRSA ISOLATED FROM CYSTIC FIBROSIS PATIENTS: RESULT OF A BELGIAN NATIONAL SURVEY

Autoren:
M. Dodémont1, M. A. Argudín1, J. Willekens2, E. Vanderhelst2, D. Pierard3, V.Y. Miendje Deyi4, L. Hanssens5, H. Franckx6, P. Schelstraete7, I. Leroux-Roels8, C. Nonhoff1, A. Deplano1, C. Knoop9, A. Malfroot2, O. Denis1

1 National Reference centre MRSA-Staphylococcus, Microbiology Department, Erasme University Hospital, Université Libre de Bruxelles (ULB), Route de Lennik 808, 1070 Brussels, Belgium;
2 CF centre, Universitair Ziekenhuis Brussel, Vrije Universiteit Brussel (VUB), Laarbeeklaan 101, 1090 Brussels;
3 Microbiology Department; Universitair Ziekenhuis Brussel, Vrije Universiteit Brussel (VUB), Laarbeeklaan 101, 1090 Brussels;
4 Microbiology Department, Hôpital Universitaire des Enfants Reine Fabiola (HUDERF), Université Libre de Bruxelles (ULB), Avenue Jean-Joseph Crocq 15, 1020 Bruxelles;
5 CF centre, Hôpital Universitaire des Enfants Reine Fabiola (HUDERF), Avenue Jean-Joseph Crocq 15, 1020 Bruxelles;
6 CF rehabilitation centre, Zeepreventorium vzw, Koninklijke Baan 5, 8420 De Haan;
7 CF centre, Universitair Ziekenhuis Gent, De Pintelaan 185, 9000 Gent;
8 Microbiology Department, Universitair Ziekenhuis Gent, De Pintelaan 185, 9000 Gent;
9 CF centre. Department of Chest Medicine, Erasme University Hospital, Université Libre de Bruxelles (ULB), Route de Lennik 808, 1070 Brussels, Belgium

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Es war Ziel dieser Studie, Stämme von Staphylococcus aureus (S. aureus), die bei belgischen Mukoviszidose-Patienten nachzuweisen waren, zu charakterisieren hinsichtlich ihrer antibiotischen Resistenz (empfindlich oder resistent gegen Methicillin) und ihres Virulenzprofils (Nachweis von Toxinen). Außerdem wollten wir die klonalen Verwandtschaften bei solchen Staphylococcus aureus-Stämmen klären.

Warum ist das wichtig?

Staphylococcus aureus gehört zu den Bakterien, die als erste die Atemwege von Kindern mit Mukoviszidose besiedeln und infizieren. Manchmal werden Staphylococcus aureus-Bakterien resistent gegen die meisten Antibiotika, die zur Behandlung solcher Infektionen verwendet werden und werden dann als MRSA bezeichnet (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Bei Mukoviszidose gibt es deutliche Hinweise auf einen schwereren Verlauf der Lungenerkrankung und schlechtere Behandlungsergebnisse bei einer Atemwegsinfektion mit MRSA.

MRSA stammen zum größten Teil entweder aus Krankenhäusern (hospital-associated MRSA, HA-MRSA) oder aus der allgemeinen Bevölkerung (community-associated MRSA, CA-MRSA) oder aus der Viehhaltung (livestock-associated MRSA, LA-MRSA). LA-MRSA werden selten als Infektionsquelle für Menschen mit Mukoviszidose genannt.

Die Epidemiologie von S. aureus in dieser Bevölkerungsgruppe, also die Beschreibung der Quellen und der Ausbreitung der Infektion, ermöglicht die Identifizierung von Risikofaktoren für den Erwerb von MRSA. Daraus lassen sich Empfehlungen dafür ableiten, wie man Kinder mit Mukoviszidose vor der Atemwegsbesiedlung mit diesem Keim schützen kann.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir untersuchten die DNA von S. aureus-Bakterien, die von 340 Patienten mit Mukoviszidose stammten, unter Verwendung der PCR-Technik auf Methicillin-Empfindlichkeit der Bakterien. Insgesamt gibt es in den vier belgischen Mukoviszidosezentren und der einen Reha-Einrichtung 510 Patienten mit Mukoviszidose.

Wir konnten zwei Zielgene bestimmen, mecA und mecC, die Resistenz gegen Methicillin vermitteln und MRSA anzeigen. Das Toxin-Profil wurde ebenfalls mittels PCR bestimmt, indem die Gene für das Toxische-Schock-Syndrom-Toxin (TSST-1) und für das Panton-Valentin-Leucocidin untersucht wurden. Die Bestimmung der klonalen Verwandtschaft der S. aureus-Stämme geschah mit verschiedenen Methoden der molekularen Typisierung (spa-Typisierung, MLST, SCCmec-Typisierung), die anzeigen, in welchem Ausmaß bestimmte S. aureus-Stämme miteinander genetisch verwandt sind.

Was haben Sie herausgefunden?

Bei 25 von den 340 Patienten (mittleres Alter 20 Jahre) waren die Atemwege mit MRSA besiedelt. Das entspricht 4,9% bezogen auf die Gesamtzahl der Mukoviszidosepatienten; dabei wurden 29 Stämme gefunden. Es zeigte sich, dass 90% der MRSA-Stämme in dieser Studie zu einem der HA-MRSA-Klone gehören, die aus belgischen Krankenhäusern bekannt sind. Das Gesundheitssystem scheint also die hauptsächliche Quelle für die MRSA-Besiedlung der Atemwege von Mukoviszidose-Patienten zu sein. Im Gegensatz zu Beobachtungen aus Amerika war der Anteil der Infektionen mit CA-MRSA (also aus der allgemeinen Bevölkerung) in Belgien sehr niedrig. Tatsächlich wurden bei den belgischen

Mukoviszidose-Patienten gar keine PVL-positiven und damit CA-MRSA-verdächtigen Stämme gefunden. Andererseits hatten wir nicht erwartet, dass 12 % derjenigen, deren Atemwege mit MRSA kolonisiert waren, einen LA-MRSA hatten. Das legt nahe, dass der Kontakt mit Nutztieren und mit Menschen, die mit solchen Tieren arbeiten, einen bisher nicht berücksichtigten Risikofaktor für Menschen mit Mukoviszidose darstellt.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Das vermehrte Auftreten von LA-MRSA bei Menschen mit Mukoviszidose ist Besorgnis erregend. Es handelt sich um eine bisher nicht berücksichtigte Quelle von MRSA-Infektionen. Private Besuche auf Bauernhöfen oder der Kontakt mit Personen, die direkt mit Nutztieren zu tun haben, können das Risiko für eine LS-MRSA-Infektion erhöhen. Das ist insbesondere ein Problem in Ländern mit hohem Vorkommen von LA-MRSA. Allerdings müssten unsere Ergebnisse noch durch weitere Studien aus anderen Ländern bestätigt werden.

Wie geht es weiter?

Eine sorgfältige Überwachung der Entwicklungstrends in der Epidemiologie von S. aureus in der Mukoviszidose-Population und seiner Therapierbarkeit ist zwingend erforderlich.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 19.02.2019