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Neues aus der Forschung: Eine Pilotstudie zum altersmäßig unterschiedlichen Vorkommen von Zahnkaries bei Menschen mit Mukoviszidose im Alter von 6 bis 20 Jahren und damit verbundene Risikofaktoren

Die europäische CF-Gesellschaft ECFS veröffentlicht monatlich die wichtigsten News aus der Fachzeitschrift "Journal of Cystic Fibrosis" (JCF). Die Artikel sind auf die wichtigsten Fragen fokussiert und werden in verständlicher (englischer) Sprache dargestellt. Wir stellen Ihnen hier eine Übersetzung der News zur Verfügung.

AGE-RELATED DIFFERENCES IN DENTAL CARIES AND ASSOCIATED RISK FACTORS IN INDIVIDUALS WITH CYSTIC FIBROSIS AGES 6-20: A PILOT STUDY

Autoren:

Donald L. Chia, Margaret Rosenfeldb, Lloyd Mancla, Whasun O. Chunga, Richard B. Preslanda,c, Elise Sarvasd, Marilynn Rothena, Alaa Alkhateeba, Sharon McNamarab, Alan Genatassiob, Isabel Virella-Lowelle, Carlos Millaf, JoAnna Scottg

a University of Washington, School of Dentistry, Department of Oral Health Sciences, Box 357475, Seattle, WA 98195, USA
b Seattle Children’s Hospital, Cystic Fibrosis Center, 4800 Sand Point Way NE, Seattle, WA 98105, USA
c University of Washington, Department of Medicine, Division of Dermatology, Box 356524, Seattle, WA 98195, USA
d University of Minnesota, School of Dentistry, Department of Pediatric Dentistry, 515 Delaware Street SE, Minneapolis, MN 55455, USA
e University of Alabama – Birmingham, Division of Pediatric Pulmonology and Sleep Medicine, 1600 7th Ave S, Birmingham, AL 35233, USA
f Stanford University Medical School, 770 Welch Rd, Ste. 350, Palo Alto CA 94304, USA
g University of Missouri – Kansas City, School of Dentistry, Department of Dental Public Health and Behavioral Science, 650 E. 25th St., Kansas City, MO 64108, USA

Was war Ihre wissenschaftliche Fragestellung?

Löcher in den Zähnen werden bei Menschen mit Mukoviszidose nicht als ein wesentliches Problem betrachtet. Diese Bewertung ist allerdings überholt. Wir untersuchten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Mukoviszidose, wie viele Löcher sich in ihren Zähnen finden. Für die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen stellte sich die Frage, welche Risikofaktoren dazu beitragen, dass sich ihre Zähne in einem schlechteren Zustand befinden als die der Kinder.

Warum ist das wichtig?
Menschen mit Mukoviszidose leben heute länger, daher wird eine gute Zahngesundheit wichtiger für sie. Evidenz-basierte Therapiestandards sind erforderlich, damit Menschen mit Mukoviszidose von Programmen profitieren können, die auf Dauer die Zahngesundheit fördern.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir nahmen 85 Menschen mit Mukoviszidose im Alter zwischen 6 und 20 Jahren im Staat Washington in eine Studie auf. Wir sammelten Speichelproben, ließen die Teilnehmer einen schriftlichen Fragebogen ausfüllen und führten eine zahnärztliche Untersuchung durch. Ähnliche Daten für Menschen ohne Mukoviszidose wurden aus nationalen Datensätzen erhoben, um einen Vergleich zu ermöglichen.

Was haben Sie herausgefunden?

Kinder mit Mukoviszidose im Alter von 6 bis 9 Jahren hatten wesentlich weniger schlechte Zähne als Kinder dieses Alters ohne Mukoviszidose. Für Jugendliche und junge Erwachsene mit Mukoviszidose ist der Zustand der Zähne ähnlich dem der entsprechenden Altersgruppen ohne Mukoviszidose. Bei Kindern mit Mukoviszidose ist also das Risiko für einen schlechten Zustand der Zähne geringer als bei der allgemeinen Bevölkerung dieser Altersgruppe, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist es ähnlich. Faktoren, die mit dem Speichel zusammenhängen, eine geringere Anzahl von Zahnarztbesuchen, weniger Fluoridbehandlungen durch den Zahnarzt und der häufigere Genuss von kohlensäurehaltigen Getränken könnten die Gründe sein, warum sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Zahngesundheit gegenüber dem Kindesalter verschlechtert.

Was bedeutet das, und warum muss man bei der Bewertung der Ergebnisse vorsichtig sein?

Diese Studie stellt die geltenden Standards für die Zahnpflege bei Menschen mit Mukoviszidose in Frage. Einerseits handelte es sich zwar um die größte Studie zur Zahngesundheit bei Menschen mit Mukoviszidose seit 1980, andererseits hatte sie aber relativ wenige Teilnehmer, fand an nur einem Zentrum statt und Menschen, die nicht Englisch sprechen, waren ausgeschlossen. Unsere Ergebnisse müssen daher durch größere multizentrische Studien bestätigt werden. Das Ziel ist die Entwicklung von Maßnahmen, mit denen die Zahngesundheit, die allgemeine Gesundheit und die Lebensqualität von Menschen mit Mukoviszidose verbessert werden kann.

Wie geht es weiter?

Man muss herausfinden, in welcher Weise die Zahngesundheit bei Menschen mit Mukoviszidose verknüpft ist mit anderen Faktoren wie Lungenfunktion oder Stress. Es muss außerdem geklärt werden, ob es Verbindungen gibt zwischen Erkrankungen in der Mundhöhle und in der Lunge. Beispielsweise könnten die Bakterien, die die Zerstörung von Zähnen verursachen, einen Einfluss besitzen auf diejenigen Bakterien, die verantwortlich sind für pulmonale Exazerbationen und das Fortschreiten der Lungenerkrankung.

Übersetzung von Wilhelm Bremer, 17.10.2018