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Verbessert eine regelmäßige Cholin-Einnahme die Lungenfunktion bei Mukoviszidose?

Erste Studiendaten an CF-Patienten zeigen einen positiven Effekt auf den Leberstoffwechsel und die Lungenfunktion

Cholin ist Grundbaustein aller Zellen und Gewebe. Es ist im Körper des Menschen insbesondere essenziell für Funktionen der Leber, wie die Bildung der Galle, den Abbau von toxischen Substanzen und den Abtransport von Fetten. Cholin wird vom Körper gebildet, die Eigensynthese in der Leber reicht für die Bedarfsdeckung aber bei weitem nicht aus, so dass Cholin ein essenzieller Nährstoff ist, der zusätzlich über die Nahrung aufgenommen werden muss. Insbesondere während des Wachstums ist der Cholin-Bedarf sehr hoch.
 
Bei CF-Patienten, deren Bauchspeicheldrüse nicht normal funktioniert (exokrine Pankreasinsuffizienz) wird Cholin vermehrt über den Stuhl ausgeschieden, wodurch der Bedarf der Cholinaufnahme noch höher ist. Auch wenn Pankreas-insuffiziente CF-Patienten durch die Einnahme von Verdauungsenzymen die Fettverdauung deutlich verbessern können, zeigen sie einen Cholin-Mangel. Das Ausmaß dieses Mangels korreliert offenbar mit Lungen- und Leberfunktion.

Cholin und sein Hauptprodukt Phosphatidylcholin (PC) sind im Plasma von CF-Patienten erniedrigt. Bei Cholin-Mangel wird Cholin vermehrt aus der Lunge in die Leber transportiert, da der Cholin-Bedarf der Leber sehr groß ist. Das könnte einen zusätzlichen negativen Effekt auf das Lungengewebe haben und seine Regeneration behindern.

In der publizierten Studie tranken 10 erwachsene männliche CF-Patienten (mit F508del-Mutation, homozygot oder heterozygot) über zwölf Wochen dreimal täglich 1 g Cholinchlorid (entsprechend 2,2 g Cholin/Tag) als Saft, wodurch sich der Cholinspiegel im Blut normalisierte. Nach der Einnahme des Safts sank der Cholinspiegel im Blut allerdings schnell wieder, daher wurde deutlich, dass die Einnahme kontinuierlich erfolgen muss und Cholinchlorid-Saft noch nicht die ideale Anwendungsform darstellt.

Die Lungenfunktion FEV1 verbesserte sich im Studienzeitraum von 70,0% auf 78,3%, allerdings erst in den letzten sechs Wochen der Studie. Auch die Leberfett-Blutwerte waren am Ende der Cholin-Einnahme deutlich verbessert, besonders bei den Patienten, die mit hohen Fettwerten in die Studie gestartet waren. Auf die Muskelfett-Werte zeigte die Cholin-Einnahme keinen Einfluss, sehr wohl aber auf andere Cholin-abhängige Muskelparameter (Kreatin).  

Cholin ist in allen Organen essenziell für die Synthese von Phosphatidylcholin (PC). Am Ende der zwölfwöchigen Studie waren die Plasmawerte von PC jedoch nicht erhöht. Eine Erklärung dafür könnte allerdings sein, dass das PC aus der Leber nur vorübergehend während des Abtransports des überschüssigen Leberfetts erhöht war.

Die genauen Zusammenhänge zwischen Cholin-/PC-Stoffwechsel und Lungenfunktion sind bislang noch nicht geklärt. Es ist naheliegend, den Cholinmangel zwecks besserer Lungenfunktion zu behandeln. Um dies offiziell empfehlen zu können, sind allerdings weitere klinische Studien notwendig, so zur Entwicklung des optimalen Cholinpräparates, seiner Anwendbarkeit auch an anderen CF-Kollektiven (z. B. Kinder, andere als F508del-Mutation) und der langfristigen Wirksamkeit.

Quelle:

Bernhard W, et al. Choline Supplementation in Cystic Fibrosis-The Metabolic and Clinical Impact. Nutrients. 2019 Mar 18;11(3).

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Uta Düesberg (UDueesberg(at)muko.info).  
(23.04.2019)

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.