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Neuer CFTR-Modulator in Europa zugelassen

Symkevi (Tezacaftor/Ivacaftor) bald auch in Deutschland für CF-Patienten ab 12 Jahren mit F508del und Restfunktions-Mutation* oder CF-Patienten mit zwei F508del Mutationen verfügbar.

Seit dem 1. November 2018 ist eine neue Wirkstoffkombination für die Behandlung von Mukoviszidose-Patienten auch in Europa zugelassen: Symkevi, das die Wirkstoffe Tezacaftor und Ivacaftor enthält. Das neue Präparat wird nach Auskunft des Herstellers ab dem 14. November 2018 verfügbar sein. Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA, die auch für Deutschland gilt, erfolgte auf Basis der Phase-3-Studien, über die wir an dieser Stelle schon 2017 berichtet haben. Im Folgenden möchten wir die wichtigsten Daten noch einmal in Erinnerung rufen.

In Zulassungsstudien zeigten sich Verbesserungen in der Lungenfunktion um 6,8 bzw. 4%

In zwei großen Phase-3-Studien, auch Zulassungsstudien genannt, wurden die Sicherheit und Wirksamkeit von Tezacaftor in Kombination mit Ivacaftor im Vergleich zu einem wirkungslosen Scheinmedikament (Placebo) untersucht. 

An der sogenannten EXPAND-Studie nahmen 248 Patienten im Alter von zwölf Jahren und älter teil, die eine F508del Mutation und eine Mutation mit einer CFTR-Restfunktion* haben. Die absolute Veränderung der Lungenfunktion (FEV1) von Studienstart bis zum Durchschnitt von Woche 4 und 8 war 6,8% im Vergleich zu Placebo. 

Für die EVOLVE-Studie wurden 510 Patienten mit zwei F508del Mutationen rekrutiert. Nach 24 Wochen wurde eine Verbesserung der Lungenfunktion um 4% (FEV1) gemessen. Die Exazerbationsrate (akute Verschlechterung der Lungenerkrankung) lag um 35% geringer als in der Placebo-Gruppe. Tezacaftor/Ivacaftor wurde insgesamt gut vertragen. Es kam bei mit Tezacaftor/Ivacaftor behandelten Patienten nicht zu Studienabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen. 

Verschreibung und Erstattung

Eine Verschreibung für die genannten Patientengruppen kann jetzt erfolgen, das Präparat ist aber frühestens ab dem 14. November 2018 verfügbar. Da in den Studien der Wirkstoff Ivacaftor zweimal täglich und Tezacaftor nur einmal täglich gegeben wurde, werden die Patienten in der Regel zwei Packungen, nämlich einmal Symkevi (Tezacaftor/Ivacaftor) und einmal Kalydeco (Ivacaftor) benötigen. In Deutschland wird für gesetzlich Krankenversicherte jedes Medikament mit neuem Wirkstoff im ersten Jahr nach der Zulassung zunächst von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. In dieser Zeit läuft die so genannte frühe Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss, der über die Aufnahme des Medikaments in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen entscheidet. Wie gewohnt werden wir über das Verfahren berichten. Die EMA hat mit der Erteilung der Zulassung von Symkevi übrigens auch mitgeteilt, dass der so genannte „Orphan Drug Status“ erhalten bleibt. Orphan Drugs sind Medikamente für die Behandlung seltener, lebensbedrohlicher Erkrankungen. In der Regel gibt es sonst keine alternative Behandlungsmöglichkeit oder das Medikament hat zumindest einen signifikanten Nutzen für die Betroffenen. 

Das Präparat

Zugelassen wurde Symkevi, das die Wirkstoffe Tezacaftor und Ivacaftor enthält. Als Patient erhält man im Regelfall Symkevi in Kombination mit Kalydeco und nimmt dann eine gelbe Symkevi Tablette morgens und eine blaue Kalydeco Tablette abends ein. Diese Dosierung kann im individuellen Fall abweichen und sollte immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Tezacaftor, auch VX-661 genannt, ist ein so genannter Korrektor und gehört zur Gruppe der CFTR-Modulatoren. Ein Korrektor unterstützt den Reifeprozess von CFTR-Kanal-Molekülen in der Zelle und bringt eine größere Anzahl an funktionalen Kanal-Molekülen zu ihrem Wirkort an der Zelloberfläche. Dieser Effekt wird verstärkt durch Ivacaftor, einen Potentiator. Auch Potentiatoren sind CFTR-Modulatoren. Sie aktivieren CFTR-Kanal-Moleküle, können aber nur wirken, wenn grundsätzlich CFTR-Kanäle vorhanden sind. 

Ausblick: Entwicklung von Dreifachkombinationen

Mit Kalydeco, Orkambi und jetzt Symkevi stehen nun für viele Patienten CFTR-Modulatoren zur Verfügung. Für Patienten mit einer F508del Mutation und einer so genannten Minimalfunktionsmutation (siehe auch unser Artikel vom Februar 2018) sind gerade von verschiedenen pharmazeutischen Unternehmen Dreifachkombinationen in Entwicklung. Für Patienten mit ganz seltenen Mutationen sollen im HitCF Projekt Behandlungsoptionen gefunden werden. Informationen zu laufenden Studien finden Sie in unserer Studienliste

Weitere Informationen:

Originalpublikationen der Zulassungsstudien im New England Journal (englisch)

Frühere Forschungsnews 

*Die Restfunktionsmutationen, für die die Zulassung ausgesprochen wurde, sind: P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G, und 3849+10kbC→T

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch oder die Dosierung eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.