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Neue Korrektor-Kombination (Tezacaftor/ Ivacaftor) zeigt gute Wirksamkeit in Zulassungsstudien

Vertex Pharmaceuticals Inc. gibt Ergebnisse bekannt

Vertex Pharmaceuticals Inc. gab heute Ergebnisse aus zwei Phase 3 Studien bekannt, in denen der neue Korrektor VX-661 (Tezacaftor) in Kombination mit Ivacaftor untersucht wurde. Unter anderem zeigten sich bei sehr guter Verträglichkeit statistisch signifikante Verbesserungen in der Lungenfunktion und beim Risiko für so genannte pulmonale Exazerbationen (akute Verschlechterungen der Lungensymptomatik).

Lungenfunktion um 6,8% bzw. 4% verbessert

Es wurden zwei Patientengruppen untersucht: CF-Patienten mit zwei F508del Mutationen (homozygot) in der so genannten EVOLVE-Studie und CF-Patienten mit einer F508del Mutation und einer zweiten Mutation mit Restfunktion in der EXPAND-Studie. Bei den Patienten mit zwei F508del Mutationen lag die Verbesserung der Lungenfunktion (FEV1) nach 24 Wochen im Mittel bei 4% und bei den Patienten mit einer F508del Mutation nach 8 Wochen bei 6,8%, wenn sie mit der neuen Wirkstoffkombination behandelt worden waren. 

Alternative zu Orkambi?

Für Patienten mit zwei F508del Mutationen über 12 Jahre könnte also bald eine Alternative zu dem bereits zugelassenen Orkambi (Lumacaftor/ Ivacaftor) zur Verfügung stehen. Die Verbesserung der Lungenfunktion hatte in den Studien mit Orkambi in einer ähnlichen Größenordnung gelegen (2,6-4% Verbesserung in der FEV1). Orkambi zeigte jedoch auch einige Nebenwirkungen. Die ersten Daten zu Tezacaftor/ Ivacaftor lassen hoffen, dass die Verträglichkeit dieser neuen Wirkstoffkombination besser sein wird . Allerdings liegen ja erst Studiendaten zur Behandlung über 24 Wochen vor und man wird bezüglich möglicher Langzeitnebenwirkungen wie immer abwarten müssen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Verläufe bei CF können die Wirkstoffe auch sehr unterschiedlich (gut) wirken. Es muss in jedem Fall individuell mit dem Arzt abgewogen werden welche Therapieoption gewählt wird.

Erstmals Korrektor-Medikament für Patienten mit Restfunktionsmutation

Vertex kündigte an, im dritten Quartal 2017 einen Zulassungsantrag an die amerikanische und europäische Behörde stellen zu wollen. Eine Marktzulassung für das neue Medikament könnte so bereits im nächsten Jahr erteilt werden. Neben Patienten mit zwei F508del Mutationen, kommen Mutationen mit Restfunktion in Kombination mit einer F508del Mutation für die Behandlung in Betracht. Laut Information im Trials Finder der amerikanischen Patientenorganisation CFF wären dies u.a.: 2789+5G->A, D110E, R352Q, A1067T, 3849+10kbC->T, D110H, A455E, R1070Q, 3272-26A->G, R117C, D579G, R1070W, 711+3A->G, E193K, S945L, F1074L, E56K, L206W, S977F, D1152H, P67L, P205S, F1052V, D1270N, R74W, R347H, K1060T

Klinische Studien unter Mitwirkung von deutschen Ärzten und Patienten

Weltweit haben rund 500 CF-Patienten an der EVOLVE-Studie und 250 CF-Patienten an der EXPAND Studie teilgenommen. Auch deutsche CF-Patienten und –Ärzte haben sich so in die klinische Entwicklung der neuen Wirkstoffkombination eingebracht. Bei EVOLVE waren elf der über 90 internationalen Studienzentren aus Deutschland, bei der kleineren EXPAND-Studie waren es sechs von über 80 Studienzentren. Ein Beispiel, das zeigt wie wichtig die Förderung der nationalen und internationalen Studiennetzwerke ist. Hunderte Patienten für eine Studie zu finden ist im Bereich einer seltenen Erkrankung wie Mukoviszidose nur durch internationale Zusammenarbeit möglich. Die beteiligten deutschen Zentren sind alle Mitglied des deutschen Studiennetzwerks CF-CTN Germany, das durch das Mukoviszidose-Institut koordiniert wird und zum Ziel hat internationale klinische Studien im Sinne der Patienten möglich zu machen.

Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Entwicklung von Dreifachkombinationen

Übrigens geht die Entwicklung bereits weiter: Studien mit einer Dreifachkombination aus Tezacaftor/ Ivacaftor und einem weiteren Korrektor (VX-440) laufen bereits in den Studiennetzwerken. Vertex nennt diese Korrektoren auch „Next Generation“, die nächste Generation, also die nächste Entwicklungsstufe der Korrektoren. Außerdem arbeiten zwei weitere Unternehmen (Galapagos und Proteostasis Therapeutics Inc.) derzeit an solchen Dreifachkombinationen.

Das Präparat

In den vorgestellten klinischen Studien wurde eine Kombination aus Tezacaftor und Ivacaftor untersucht. Tezacaftor, auch VX-661 genannt, ist ein so genannter Korrektor und gehört zur Gruppe der CFTR-Modulatoren. Ein Korrektor unterstützt den Reifeprozess von CFTR-Kanal-Molekülen in der Zelle und bringt eine größere Anzahl an funktionalen Kanal-Molekülen zu ihrem Wirkort an der Zelloberfläche. Dieser Effekt wird verstärkt durch Ivacaftor, einen Potentiator. Auch Potentiatoren sind CFTR-Modulatoren. Sie aktivieren bereits an der Zelloberfläche vorhandene Kanal-Moleküle.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung Vertex (englisch)
Information zu mutationsspezifischen Medikamenten
Studien in Deutschland
Deutsches Studiennetzwerk CF-CTN


Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info) (29.3.2017)

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Handelsnamen werden genannt, wenn eine eindeutige Identifizierung erforderlich ist, um ein Arzneimittel mit einer spezifischen Darreichungsform zu bezeichnen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.