
In den letzten Jahren hat sich die Lebenssituation vieler Männer mit Mukoviszidose, auch durch neue Medikamente, stark verändert. Immer mehr Männer führen heute ein erfülltes Berufs- und Familienleben. Damit rückt auch die Frage nach der eigenen Vaterschaft in den Mittelpunkt. Auf dieser Seite erklären wir, warum Männer mit CF meist unfruchtbar, aber nicht zeugungsunfähig sind, welche medizinischen Möglichkeiten es für Männer mit Mukoviszidose gibt, Vater zu werden, wie eine genetische Abklärung abläuft und welche Unterstützung Paare erhalten können.
Rund 98 % aller Männer mit Mukoviszidose sind unfruchtbar, denn bei ihnen fehlen die Samenleiter (Vas deferens) oder sind verschlossen. Medizinisch spricht man von einer „angeborenen beidseitigen Abwesenheit der Samenleiter“ (CBAVD – Congenital Bilateral Absence of the Vas Deferens). Während die Hoden in fast allen Fällen gesunde und funktionsfähige Spermien produzieren, gelangen diese wegen der fehlenden Verbindung nicht nach außen. Im Ejakulat sind daher keine Spermien enthalten, obwohl Sexualfunktion, Libido und Erektion völlig normal sein können.
Das bei CF veränderte CFTR-Gen beeinflusst die Entwicklung der ableitenden Samenwege bereits im Mutterleib. Während der Embryonalphase bilden sich die Samenleiter häufig gar nicht oder nur teilweise aus. Dieses Phänomen tritt auch bei Männern ohne klassische CF auf, die jedoch Träger bestimmter CFTR-Mutationen sind – sie haben dann eine „isolierte“ CBAVD. Neben der anatomischen Fehlbildung können auch hormonelle Einflüsse, oxidativer Stress und Veränderungen in der Hodenfunktion eine Rolle spielen. Trotzdem werden bei den meisten Männern mit Mukoviszidose genügend Spermien gebildet, um eine Befruchtung im Labor zu ermöglichen.
Wenn ein Mann mit CF den Wunsch nach Kindern hat, sollte er sich frühzeitig in einer reproduktionsmedizinischen Praxis vorstellen, idealerweise mit Erfahrung bei Mukoviszidose. Typische Untersuchungen sind:
Mukoviszidose wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, die Krankheit kann vererbt werden, wenn beide Eltern eine krankheitsverursachende CFTR-Mutation tragen. Werden zwei Genträger Eltern, beträgt das Risiko für das Kind, an CF zu erkranken, 25 %. Hat der Vater Mukoviszidose, vererbt er in jedem Fall ein CFTR-Gen, deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit für Mukoviszidose beim Kind auf 50%. Darum ist es ratsam, dass die Partnerin eines Mannes mit CF sich genetisch testen lässt. Wenn auch die Partnerin CFTR-Genträgerin ist, können Paare sich über Präimplantationsdiagnostik (PID) informieren. Dabei werden im Rahmen einer künstlichen Befruchtung Embryonen untersucht, bevor sie eingesetzt werden. Auch Pränataldiagnostik in der Schwangerschaft ist möglich. Eine genetische Beratung in einer humangenetischen Beratungsstelle hilft, die Optionen zu verstehen und eine informierte Entscheidung zu treffen.
Humangenetische Beratungsstellen der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik

Auch ohne Samenleiter ist eine biologische Vaterschaft möglich, da die Hoden Spermien produzieren. Folgende Verfahren kommen in der Regel in dieser zeitlichen Reihenfolge zum Einsatz:
Mit diesen Methoden konnten weltweit viele Männer mit CF erfolgreich Väter werden. Die Erfolgschancen hängen von der Spermienqualität und der Fruchtbarkeit der Partnerin ab. Da die Spermien eingefroren werden, können sie auch später noch verwendet werden, zum Beispiel für den zweiten Kinderwunsch.
In Deutschland werden ICSI-Behandlungen unter bestimmten Bedingungen durch die gesetzliche Krankenversicherung (SGB V) unterstützt. Im Allgemeinen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung 50 Prozent der Behandlungskosten von bis zu drei Versuchen einer In-Vitro-Fertilisation oder einer ICSI-Behandlung. Paare haben einen Anspruch auf eine anteilige Kostenübernahme, wenn:
Es kann sein, dass manche Krankenversicherungen ihren Versicherten mehr Zuschüsse gewähren als gesetzlich festgelegt.
Private Versicherungen haben individuelle Regelungen. Vor Beginn der Behandlung sollten die Regeln für die Kostenübernahme individuell mit dem Kostenträger geklärt werden.
Das Familienportal des Bundes informiert über die Kostenübernahme bei Kinderwunsch.

Der Schweizer Autor und Musiker Markus Hänni lebt mit Mukoviszidose. Mit Hilfe moderner Reproduktionsmedizin und ärztlicher Begleitung wurde er Vater zweier Töchter. Im Interview berichtet er offen über Ängste, Hoffnung und die Freude, Familie leben zu können – und ermutigt andere Männer mit CF, über das Thema offen zu sprechen und sich beraten zu lassen.
Zum Bloginterview mit Markus Hänni
Michael und seine Frau Anne berichten auf unserem Blog in einem persönlichen Erfahrungsberich über ihren Weg zum Wunschkind, ihrem Sohn, der ebenfalls mit Hilfe der Reproduktionsmedizin entstand.
Sexualität ist ein wichtiger Teil von Lebensqualität und Partnerschaft. Männer mit CF erleben sie ganz unterschiedlich: Manche berichten über Erschöpfung, Atemnot oder Erektionsprobleme, andere über keine Einschränkungen. Auch hormonelle Einflüsse, z. B. Testosteronmangel (Hypogonadismus), können eine Rolle spielen. Solche Themen sollten offen angesprochen werden – sei es in der CF-Ambulanz oder in spezialisierten Andrologie-Zentren. Eine ausgewogene Ernährung, gute Stoffwechselkontrolle (z. B. bei CF-bedingtem Diabetes) und psychische Stabilität unterstützen auch die sexuelle Gesundheit. Wichtig ist: Unabhängig von der eingeschränkten Zeugungsfähigkeit sind Sexualfunktion, Libido und Erektionsfähigkeit bei Männern mit Mukoviszidose in der Regel nicht beeinträchtigt.
Der Kinderwunsch ist emotional stark besetzt und kann bei Männern mit CF zusätzliche Unsicherheiten auslösen: Angst vor gesundheitlichen Einschränkungen, Sorge um die eigene Lebenserwartung, oder Belastungen für die Partnerin. Psychologische Unterstützung hilft, Ängste zu besprechen, Erwartungen realistisch einzuschätzen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen. CF-Ambulanzen bieten spezialisierte Beratungen aus den Bereichen Psychologie, Sozialrecht und Familienplanung an. Auch Selbsthilfegruppen und Online-Foren ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen, die ähnliche Erfahrungen machen. Hier können Paare von Tipps profitieren, z. B. wie Behandlungen organisiert werden, wie man Partner und Familie einbezieht, und welche Ressourcen für die Kinderbetreuung notwendig sind.
Der Mukoviszidose e.V. bietet eine Psychologische Beratung per Videosprechstunde zu verschiedenen Themen an.
Die CFTR-Modulatortherapien wie Kaftrio (Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor) haben die Lebensqualität und Prognose vieler Menschen mit CF revolutioniert. Einige Studien deuten darauf hin, dass sich bei einigen Männern unter dieser Therapie Hormonhaushalt und allgemeine Fruchtbarkeit verbessern können: Für den Fall, dass Samenleiter nicht fehlen, sondern nur verschlossen sind, beschreiben einzelne Fallberichte sogar das Wiederauftreten von Spermien im Ejakulat. Ist allerdings kein Samenleiter vorhanden, können diese Medikamente die Fruchtbarkeit leider nicht beeinflussen.