Kaftrio (Trikafta)

Kaftrio (Trikafta) – Triple-Therapie für Mukoviszidose (CF)

Kaftrio (in den USA als Trikafta bekannt) ist ein CFTR-Modulator. CFTR-Modulatoren verbessern die Funktion des CFTR-Kanals. Dabei unterscheidet man Potentiatoren, die einen vorhandenen CFTR-Kanal aktivieren und Korrektoren, die die richtige Herstellung des CFTR-Kanals unterstützen. Die Triple-Therapie kombiniert die Korrektoren Tezacaftor und Elexacaftor und den Potentiator Ivacaftor. Das Medikament ist seit dem 21. August 2020 auch in Europa zugelassen. 


Das finden Sie auf dieser Seite

Allgemeine Informationen zur Dreifachkombination Kaftrio

Informationen zur Zulassung

Für wen eignet sich Kaftrio voraussichtlich nicht?

Hinweise für Apotheken und Ärzte

Informationen zur Einnahme von Kaftrio

Weitere Themen

Informationen zu CFTR-Modulatoren

Die Rolle des Mukoviszidose e.V.

Quellen 
 


Allgemeine Informationen zur Dreifachkombination Kaftrio (in Nordamerika Trikafta)

Wie wirkt Kaftrio?

Kaftrio ist eine Kombination von drei so genannten CFTR-Modulatoren. CFTR-Modulatoren reparieren z.T. den bei Mukoviszidose defekten CFTR-Salzkanal. Man unterscheidet Korrektoren und Potentiatoren. Korrektoren unterstützen den richtigen Zusammenbau des Salzkanals in der Zelle und sorgen so dafür, dass es immerhin Salzkanäle gibt, auch wenn sie nicht optimal funktionieren. Potentiatoren können solche Salzkanäle aktivieren und die Funktion verbessern. Ivacaftor (Kalydeco) ist ein solcher Potentiator, der die vorhandenen Kanäle aktivieren kann. Deshalb wirkt Kalydeco als Einzelwirkstoff auch nur bei Mutationen, bei denen noch Salzkanäle vorhanden sind, die nur nicht richtig arbeiten. Bei anderen Mutationen wirkt Kalydeco nur in Kombination mit Korrektoren, die dafür sorgen, dass die Salzkanäle gebildet werden. Elexacaftor und Tezacaftor sind die Korrektoren in Kaftrio. Sie helfen bei der Bildung des F508del-CFTR-Salzkanals. Kalydeco aktiviert diese Kanäle und verstärkt so den Effekt. Elexacaftor wirkt an einer anderen Stelle und unterstützt Tezacaftor. Grundsätzlich wirkt aber auch die Kombination aus Tezacaftor und Ivacaftor. Diese Zweifachkombination ist als Symkevi in Deutschland zugelassen. Laut Studien wirkt die Dreifachkombination aus Elexacaftor, Tezacaftor und Ivacaftor (Kaftrio) noch besser als die Zweifachkombination. Welches Medikament verordnet wird, kann aber individuell unterschiedlich sein. 

In Deutschland wird Kaftrio in der Regel mit Kalydeco zusammen verordnet. Die Dosis „2 Tabletten Kaftrio morgens und 1 Tablette Kalydeco abends“ ist die Dosis, die in den Studien untersucht wurde und mit denen die guten Ergebnisse erzielt wurden. Wenn vom Arzt nicht anders verordnet (wegen bestimmten Medikamenten und Begleiterkrankungen kann es notwendig sein, die Dosis anzupassen), sollte auf jeden Fall diese Dosis eingenommen werden. Wie oben gesagt verstärkt das Kalydeco die Wirkung der anderen Wirkstoffe. Dass es zwei Packungen gibt, hat nur einen regulatorischen Hintergrund: Die Arzneimittelbehörde hat wegen einer möglichen Verwechslungsgefahr Bedenken verschiedene Medikamente in einer Packung abzugeben. Kaftrio in Kombination mit Kalydeco entspricht also der in den Studien untersuchten Dosis und dem amerikanischen Trikafta.
 

Was ist neu an den CFTR-Modulatoren wie Kaftrio?

Diese neuen Medikamente reparieren (teilweise) den Salzkanal CFTR und greifen somit am Basisdefekt an. Sie beheben aber nicht die Ursache der Erkrankung, also den genetischen Defekt. Bisherige Therapien waren rein symptomatisch, d.h. es konnten nur die Krankheitszeichen (Symptome) behandelt werden. CFTR-Modulatoren wie Kaftrio wirken auch auf den Schweißtest, der für die Diagnose der Mukoviszidose genutzt wird. Der Salzgehalt im Schweiß ist bei Patienten mit Mukoviszidose erhöht. Dies misst man im Schweißtest. Werte über 60mmol/l Chlorid (Salz) im Schweiß deuten auf eine Mukoviszidose hin; unter 30mmol/l Chlorid ist der Getestete gesund. Durch Kaftrio verschieben sich die Werte von Mukoviszidose-Patienten von „krank“ in den „Graubereich“. Patienten mit einem Schweißtestwert im Graubereich haben in der Regel mildere Krankheitsverläufe als Patienten mit höheren Salzwerten im Schweiß.
 

Werden Patienten, die Kaftrio nehmen, weniger Therapie machen müssen? 

Kaftrio wird zweimal täglich als Tablette eingenommen. Allerdings muss die symptomatische Therapie, z.B. Physiotherapie, Inhalation, Ernährungstherapie u.a. weiterhin durchgeführt werden.

Wie gut ist die Wirksamkeit von Kaftrio?

In Studien hatten die Patienten, die die Dreifachkombination nahmen, weniger Krankenhausaufenthalte und mussten weniger Antibiotika nehmen. Außerdem verbesserte sich die Lungenfunktion (FEV1) um bis zu 14% im Mittel. Dabei profitierten nicht alle Patienten gleich gut. Einige hatten keine oder nur eine geringe Verbesserung der Lungenfunktion oder verschlechterten sich sogar leicht, während andere deutliche Verbesserungen von über 20 oder sogar 30% Lungenfunktion zeigten. Wichtig ist, dass bei allen Modulatoren die Verbesserungen der Lungenfunktion wieder zurück gehen, wenn das Medikament abgesetzt wird. Die Dreifachkombination ist allgemein gut verträglich. Da bisher aber noch wenige Daten dazu vorliegen, wird man abwarten müssen, welche Nebenwirkungen in der nächsten Zeit auftreten.

Gilt das auch für Kinder?

Die Zulassung von Kaftrio im Sommer 2020 wird für Patienten ab zwölf Jahren erfolgen. Für Kinder ab sechs Jahren werden klinische Studien durchgeführt bzw. sind bereits abgeschlossen. Studien mit Kleinkindern unter fünf bzw. sechs Jahren beginnen in diesen Tagen in den USA (August 2020). Ergebnisse wurden bislang aber nicht veröffentlicht. Das heißt, man kann zur Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern unter zwölf Jahren momentan noch nichts sagen.

Welche Nebenwirkungen kann Kaftrio haben?

Wie alle Arzneimittel kann Kaftrio neben den erwünschten Wirkungen auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Alle bekannten Nebenwirkungen sind in der Packungsbeilage aufgeführt. Die folgende Aufstellung ist lediglich eine Auswahl der Informationen. Für weitere Informationen bitte die Packungsbeilage lesen und ggf. den behandelnden Arzt fragen. Kaftrio kann z.B. ein Schwindelgefühl auslösen. Ist das der Fall, darf man nicht mit dem Auto oder Fahrrad fahren! Andere sehr häufige Nebenwirkungen (bei mehr als 1 von 10 Behandelten) können Kopfschmerzen und Erkältungssymptome sein, aber auch Bauchschmerzen und Durchfall. Auch die Leberenzymwerte sind sehr häufig erhöht, was eine Belastung der Leber anzeigt. Hautausschläge können bei Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel einnehmen, auftreten. In diesen Fällen kann man das Medikament ggf. noch einmal absetzen und vorsichtig die Dosierung erhöhen. Grundsätzlich sind einige der Nebenwirkungen vorübergehend und verschwinden nach einigen Wochen wieder. Wer nach der Einnahme von Kaftrio mögliche Nebenwirkungen bei sich verspürt, sollte diese seinem Arzt mitteilen, auch wenn es trivial erscheint (z.B. Kopfschmerzen). Die Nebenwirkungen sollen bei der zuständigen Behörde (BfArM) gemeldet werden, wodurch eine zentralisierte Beobachtung der Nebenwirkungen aller (neuen) Medikamente möglich wird. 

Es ist bekannt, dass Kaftrio zu Heißhunger und unerwünschter Gewichtszunahme führen kann. Deshalb ist eine Ernährungsberatung zu Beginn der Therapie sinnvoll. Auch psychische Probleme können auftreten. Man sollte sich nicht scheuen, seinen Arzt nach einem geeigneten Ansprechpartner zu fragen.


Informationen zur Zulassung

Für welche Patienten ist Kaftrio zugelassen?

Generell ist Kaftrio für CF-Patienten, die zwölf Jahre und älter sind, zugelassen. Zusätzlich müssen sie die folgenden Bedingungen erfüllen:

  • Sie müssen entweder zwei F508del-Mutationen (homozygote F508del Patienten)
  • oder eine F508del-Mutation in Kombination mit einer so genannten Minimalfunktionsmutation haben.

Für Patienten nach einer Organ-Transplantation gibt es noch sehr wenig Erfahrung. Deshalb ist hier Kaftrio nicht empfohlen, kann aber im Einzelfall unter besonderen Vorkehrungen erwogen werden.

Was ist eine Minimalfunktionsmutation (MF)?

Es handelt sich um eine „künstliche“ Gruppe an Mutationen. Diese hat nichts mit den Mutationsklassen zu tun. Es sind Mutationen aus verschiedenen Mutationsklassen enthalten. Wichtig ist die Abgrenzung zu Gating-Mutationen (z.B. G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N, S549R, R117H) und Restfunktionsmutationen (z.B. P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G und 3849+10kbC→T), d.h. Gating- und Restfunktionsmutationen sind keine MF-Mutationen.

Der folgende Link enthält einige Minimalfunktionsmutationen, die Voraussetzung für die Studienteilnahme mit Kaftrio waren (Tabelle S1, S.23ff). Zusatzmaterial der Publikation (englischsprachig)

Von der Zulassung sind etwa 900 Minimalfunktionsmutationen erfasst, die Vertex in den CFTR Kompass eingestellt hat. Dieser ist nur Fachkreisen zugänglich. Ob konkrete Mutationskombinationen unter die Zulassung fallen, kann beim behandelnden Arzt oder bei uns erfragt werden.

Wird Kaftrio auch für Patienten mit Gating- und Restfunktionsmutationen verfügbar sein?

Die aktuelle Zulassung umfasst diese Patientengruppen leider (noch) nicht. Allerdings wurden im Juli 2020 Studienergebnisse veröffentlicht, die auch für Patienten mit Gating- und Restfunktionsmutationen in Kombination mit einer F508del-Mutation Verbesserungen durch Kaftrio zeigen. Laut einer Pressemitteilung des Kaftrio-Herstellers Vertex Pharmaceuticals soll bei der EMA ein Antrag gestellt werden, so dass eine Indikationserweiterung auf Patienten mit Gating- und Restfunktionsmutationen im kommenden Jahr (2021) möglich scheint. Eine Indikationserweiterung ist die Ergänzung der Gruppe an Patienten, für die ein Medikament zugelassen ist. Auch für Kinder wird es voraussichtlich in den nächsten Jahren solche Indikationserweiterungen geben.

Ausführliche Informationen in unserer Newsmeldung

Ab welchem Alter ist Kaftrio zugelassen?

Die Zulassung für Kaftrio gilt für Patienten ab zwölf Jahren und älter. Klinische Studien mit Kindern zwischen sechs und elf Jahren laufen bereits und sind z.T. sogar schon abgeschlossen, so dass man davon ausgehen kann, dass bald Zulassungserweiterungen (2022?) für jüngere Kinder erfolgen werden.

Kann ich das Medikament direkt nach der Zulassung von meinem Arzt verschrieben bekommen?

Ja. In Deutschland kann Kaftrio nach der Zulassung (in der Indikation) verordnet werden und wird auch von den Krankenkassen erstattet. Aus logistischen Gründen dauert es noch ein paar Tage bis das Medikament in den Apotheken verfügbar ist. Dies soll spätestens am Montag, 31. August, der Fall sein.

Nach der Zulassung erfolgt eine Nutzenbewertung innerhalb des ersten Jahres, in der der Gemeinsame Bundesausschuss bewertet, ob das neue Medikament (Kaftrio) besser ist als die alten Medikamente. Fällt dieser Vergleich zugunsten von Kaftrio aus, wird das Medikament voraussichtlich auch nach Ablauf des ersten Jahres von den Krankenkassen erstattet. Wir werden auch dieses Verfahren wieder mit der Patientenvertretung begleiten und darüber informieren.


Für wen eignet sich Kaftrio voraussichtlich nicht?

Wer wird voraussichtlich nicht von Kaftrio profitieren können?

Es wird Patienten geben, die Kaftrio aufgrund ihrer Mutation, wegen einer schweren Nieren- oder Lebererkrankung oder einer Transplantation nicht erhalten können. Die Entscheidung sollten Patienten und Ärzte gemeinsam im Einzelfall besprechen und treffen.

Es wird wie bei Orkambi und Symkevi voraussichtlich auch Patienten geben, die das Medikament nicht vertragen oder bei denen es nicht wirkt (Non-Responder).

Erfahrungsbericht

Tatjana kann Kaftrio aufgrund ihrer Mutation leider nicht nehmen. Wie es ihr damit geht, was sie sich für die Zukunft und vom Mukoviszidose e.V. wünscht, lesen Sie in unserem Bloginterview mit ihr. 

Zum Interview

Kann Kaftrio auch bei Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand (u.a. eingeschränkte Lungen-, Leber- und Nierenfunktion) verordnet werden? Was ist zu beachten?

Wir haben die Informationen aus der Fachinformation dazu zusammen gefasst. Für weitere Informationen bitte Fachinformation beachten.

PatientengruppeEmpfehlung
Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion: 
 
  • stark eingeschränkt
 
Patienten sollen nicht mit Kaftrio behandelt werden.
 
  • mäßig eingeschränkt
 
Die Behandlung mit Kaftrio wird nicht empfohlen, kann aber u.U. in Erwägung gezogen werden.
 
  • leicht eingeschränkt
 
Es ist keine Dosisanpassung empfohlen.
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion: 
 
  • stark eingeschränkt
 
Es liegen keine Erfahrungen vor. Deshalb sollte die Anwendung mit Vorsicht erfolgen.
 
  • leicht oder mäßig eingeschränkt
 
Es werden keine Dosisanpassungen empfohlen.
Patienten nach OrgantransplantationDie Anwendung von Kaftrio nach Organtransplantation wurde nicht untersucht. Die Anwendung ist deshalb nicht empfohlen. Zu beachten sind Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva (s. Fachinformation).
Eingeschränkte Lungenfunktion (ppFEV1 < 40)Diese Patientengruppe wurde in der Studie 445-102 untersucht. Sicherheit und Wirksamkeit unterschieden sich nicht von der Gesamtgruppe. 

 

Welche Alternativen gibt es für die, die nicht profitieren?

Zunächst gibt es eine Gruppe von Patienten, die für andere CFTR-Modulatoren in Frage kommen, z.B. Kalydeco oder Symkevi.

Für Patienten mit seltenen Mutationen, für die es bislang keine Zulassung von CFTR-Modulatoren gibt, fördert die EU ein großes Projekt, in dem anhand von Organoiden getestet wird, ob bestimmte neue CFTR-Modulatoren individuell wirken. Auf dieser Grundlage könnte dann eine Zulassung für den einzelnen Patienten erfolgen. Das Projekt heißt HIT-CF und wird in Utrecht durchgeführt. Der Mukoviszidose e.V. hat deutschen Patienten u.a. durch die Übernahme von Reisekosten die Teilnahme ermöglicht. Wenn das Projekt erfolgreich ist, könnte das Modell für alle Patienten mit seltenen Mutationen angewandt werden.

Newsmeldungen zum HIT-CF-Projekt

Außerdem gibt es Forschungsprojekte zu mutationsunabhängigen Therapien. Solche Medikamente, z.B. sogenannte ENaC-Hemmstoffe oder auch mRNA-Wirkstoffe sind nicht von einer bestimmten Mutation des Patienten abhängig.


Hinweise für Apotheken und Ärzte

Hinweise für Apotheken und zur Bestellung

Kaftrio wird voraussichtlich ab Mitte September in der Lauer-Taxe gelistet sein. Für die Eintragung ins Kassensystem notwendige Informationen:

KAFTRIO (56 Filmtabletten für 28 Tage): PZN = 16387662
APU/AEP = 10.489,60 €; AVP inkl. MWSt. = 12.542,91 €

KAFTRIO ist eine Kombinationstherapie mit KALYDECO, so dass die Medikamente in der Regel gemeinsam abgegeben werden. Es gibt bei KALYDECO zwei Packungsgrößen (28 Filmtabletten für 28 Tage und 56 Filmtabletten für 56 Tage). Die Verordnung der 56-Tage-Packung ist wirtschaftlicher.

KALYDECO (56 Filmtabletten): PZN = 09921463
KALYDECO (28 Filmtabletten): PZN = 14281439
Die anderen Angaben für KALYDECO finden sich bereits in der Lauer-Taxe.

Zum Bestellvorgang: Falls die Apotheke noch nicht bei Arvato (Bertelsmann) registriert ist, so kann die Neuregistrierung per vertex.registration(at)bertelsmann.de vorgenommen werden.
Bestellungen können nach der Registrierung per Email (vertex(at)bertelsmann.de) oder Fax (0800-1414301) erfolgen.

 

Was muss bei der Verordnung von Kaftrio beachtet werden?

Kaftrio kann in Deutschland ab der Zulassung, die am 21.August 2020 erfolgt ist, grundsätzlich von Ärzten mit Erfahrung in der Behandlung von CF-Patienten verordnet werden. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten Kaftrio in Deutschland. Wenn die Verordnung innerhalb der Indikation gestellt wird (ab 12 Jahre und F508del homozygot oder F508del heterozygot in Kombination mit einer Minimalfunktionsmutation), sind keine zusätzlichen Anträge bei den gesetzlichen Krankenkassen notwendig. 

Der genetische Befund sollte auf jeden Fall schriftlich vorliegen, damit die ordnungsgemäße Verordnung nachgewiesen wird. Bei Unsicherheiten oder wenn der Befund schon länger zurückliegt, sollte man die Wiederholung des Tests erwägen. Bei Umstellung von Orkambi oder Symkevi auf Kaftrio sollte die Begründung für die Umstellung dokumentiert werden, um die Wirtschaftlichkeit der Verordnung sicherzustellen (Orkambi und Symkevi sind kostengünstigere Therapie-Alternativen). Auch sollte eine Verlaufsdokumentation erfolgen. 

Kaftrio und Kalydeco müssen als zwei getrennte Präparate verschrieben werden. Das kann auf einem Rezept geschehen. Die Packung von Kaftrio mit 56 Tabletten reicht für 28 Tage. Dazu passt die Kalydeco-Packung mit 28 Tabletten, die ebenfalls 28 Tage lang reicht. Allerdings ist die Kalydeco-Packung mit 56 Tabletten kostengünstiger – die Verschreibung entsprechend wirtschaftlich. Wird die kleine Packung verordnet, sollte auch dies begründet werden (z.B. Gefahr der falschen Dosierung von Kalydeco). 

Privat Versicherte müssen für das teure Medikament nicht unbedingt in Vorleistung treten. Man kann mit der Apotheke eine Abtretungserklärung vornehmen. Die Apotheke kann dann direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Jede Apotheke müsste Vordrucke solcher Abtretungserklärungen vorliegen haben.

Grundsätzlich gelten natürlich die Hinweise in der Fachinformation.


Informationen zur Einnahme von Kaftrio

Was muss bei der Einnahme von Kaftrio (Ivacaftor/Tezacaftor/Elexacaftor) beachtet werden?

Die empfohlene Dosis sind zwei orange Kaftrio-Tabletten (mit jeweils 75 mg Ivacaftor /50 mg Tezacaftor/100 mg Elexacaftor) morgens und eine hellblaue Tablette Kalydeco (Ivacaftor, 150 mg) abends, die im Abstand von etwa zwölf Stunden eingenommen werden. Die Einnahme soll dabei mit einem fetthaltigen Nahrungsmittel erfolgen. Beispiele sind: Käse, Vollmilch, Schokolade, Joghurt, Avocados, Hummus, Fleisch, öliger Fisch, Nüsse, Sojaprodukte, fetthaltige Getränke. Wichtig ist, dass z.B. eine Tasse Vollmilch oder eine Handvoll Nüsse ausreicht, um die Tabletten einzunehmen. Wenn man sonst kein großes Frühstück gewohnt ist, muss man nicht wegen Kaftrio eine große fetthaltige Mahlzeit zu sich nehmen. Da sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass Kaftrio zu einer deutlichen Gewichtszunahme führen kann, ist eine gesunde Ernährung besonders wichtig. Wenn Sie vorhaben, mit einer Kaftrio-Therapie zu beginnen, ist eine Ernährungsberatung sinnvoll.  

Auf Speisen und Getränke, die Grapefruit enthalten, muss man während der Behandlung mit Kaftrio leider verzichten. Inhaltsstoffe der Grapefruit können nämlich den Abbau von Kaftrio in der Leber hemmen, so dass die Bioverfügbarkeit von Kaftrio im Körper erhöht wird. Dies könnte durch die zu hohe „Dosis“ Nebenwirkungen verursachen.   

Die Tabletten müssen im Ganzen geschluckt werden und dürfen vor dem Schlucken nicht zerkaut, zerdrückt oder zerbrochen werden, weil derzeit keine klinischen Daten vorliegen, die für andere Anwendungsarten sprechen.
 

Tablette vergessen?

Wenn Sie einmal eine Tablette vergessen haben, können Sie diese innerhalb von höchstens sechs Stunden noch einnehmen und mit dem ursprünglichen Plan weitermachen. Wenn es mehr als sechs Stunden sind, ist es komplizierter: Hat man die Abenddosis vergessen, kann man sie einfach weglassen und ganz normal mit der nächsten Morgendosis fortfahren. Haben Sie die Morgendosis länger als sechs Stunden vergessen, sollten Sie die Morgendosis noch einnehmen, dafür dann aber die Abenddosis weglassen. Danach geht es wieder wie geplant mit der nächsten Morgendosis weiter.

Grundsätzlich sollten Sie zur Einnahme immer die Packungsbeilage lesen und sich bei Fragen an Ihren Arzt wenden.


Weitere Themen

Was geschieht mit Patienten, die bisher Trikafta aus dem Härtefallprogramm bekommen?

Patienten, die bislang Trikafta über das Härtefallprogramm oder im individuellen Heilversuch bekommen, werden in wenigen Wochen auf Kaftrio umgestellt werden (Achtung: andere Packungsaufteilung! s. auch die nächste Frage "Warum heißt Trikafta in Europa Kaftrio?").

Warum heißt Trikafta in Europa Kaftrio?

Wie schon bei Symkevi, das in den USA Symdeko heißt, gibt es auch für die Dreifachkombination nun zwei verschiedene Namen in den USA und in Europa. Warum ist das so? Das liegt an der Verpackung. In einer Packung Trikafta ist nicht das gleiche drin wie in einer Packung Kaftrio. 

Die Modulatoren müssen nämlich zweimal täglich eingenommen werden. Eine Tablette ist dabei eine Wirkstoff-Kombination, die andere enthält nur Kalydeco. In Europa ist durch die Behörden festgelegt worden, dass nicht zwei verschiedene Tabletten in einer Box sein dürfen wegen der Verwechslungsgefahr. Hierzulande gibt es deshalb immer zwei Packungen: die Kombination (Symkevi bzw. Kaftrio) und zusätzlich Kalydeco. Das soll die Einnahme erleichtern und sie für den Patienten sicherer machen. 


Informationen zu CFTR-Modulatoren

Welche CFTR-Modulatoren sind in Deutschland verfügbar?

Bisher zugelassenen sind Kalydeco für Patienten mit G551D Mutation und bestimmten anderen seltenen Mutationen (G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N, S549R, R117H). Außerdem Orkambi für Patienten mit zwei F508del-Mutationen und Symkevi für Patienten mit zwei F508del-Mutationen oder Patienten mit einer F508del-Mutation und einer Restfunktionsmutation (P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G und 3849+10kbC→T).

Seit dem 21. August 2020 ist auch Kaftrio für Patienten mit zwei F508del-Mutationen oder Patienten mit einer F508del- und einer Minimalfunktionsmutation zugelassen. 

Übersicht über die CFTR-Modulatoren
HandelsnameWirkstoff(e)ZulassungFür welches Alter?
KalydecoIvacaftor2012Ab 6 Monaten
OrkambiIvacaftor, Lumacaftor2015Ab 2 Jahren
SymkeviIvacaftor, Tezacaftor2018Ab 12 Jahren 
KaftrioIvacaftor, Tezacaftor, Elexacaftor21. August 2020Ab 12 Jahren

 

Welcher Modulator passt bei welcher Mutation?

Erste MutationZweite MutationWelcher Modulator kommt infrage? Ausblick
F508del F508delOrkambi, Symkevi, Kaftrio 
F508del Gatingmutation, z.B. G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N, S549R, R117HKalydecoIm Verlauf von 2021 könnte auch Kaftrio zugelassen werden
F508del Restfunktionsmutation, z.B. P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G und 3849+10kbC→TSymkeviIm Verlauf von 2021 könnte auch Kaftrio zugelassen werden
F508del Minimalfunktionsmutation, z.B. N1303K, R553X, G542X, R347P, 1717-1G>A, CFTRdele2,3, W1282X, 2183AA→G, R1162X, M1101K, 2143delT, 2184delA, I507del, G85E, 621+1G→T, 3659delC, 1677delTA, 1078delT, E92X, 3905insT, E60X, 2184insA, Y1092X*Kaftrio 
Gatingmutation (G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N, S549R, R117H)Andere Mutation (egal welche)Kalydeco 

*Bei den Beispielen handelt es sich um typische Minimalfunktionsmutationen, die auch zur Teilnahme an Kaftrio-Studien geeignet waren (s. Appendix zur Studie). Für Patienten mit Restfunktions- und Gatingmutationen ist Kaftrio ausdrücklich (noch) nicht zugelassen. Es gibt etwa 900 Minimalfunktionsmutationen in der Zulassung. Ob eine konkrete Mutationskombination von der Zulassung erfasst ist, kann man über seinen behandelnden Arzt oder bei uns erfragen (E-Mail an JBend(at)muko.info). Der genetische Befund muss dem verordnenden Arzt für eventuelle Überprüfungen durch den MDK schriftlich vorliegen.

Schwangerschaft und CFTR-Modulatoren

Es kursieren zurzeit Erfahrungsberichte darüber, dass Patientinnen nach dem Beginn einer Therapie mit CFTR-Modulatoren wie Kaftrio häufiger (ungewollt) schwanger werden. Es erscheint plausibel, dass durch die teilweise Korrektur des zugrundeliegenden CFTR-Defektes durch das Medikament auch die reduzierte Fruchtbarkeit bei Frauen mit CF verbessert werden kann. Denn CFTR-Modulatoren wirken im ganzen Körper, nicht nur in der Lunge und der Bauchspeicheldrüse. In Studien zu neuen Arzneimitteln werden Schwangerschaften ausdrücklich ausgeschlossen – deshalb gibt es zu diesem Punkt derzeit noch wenige systematische Erfahrungen. Es ist sehr wichtig, auch nach der Zulassung von CFTR-Modulatoren Daten, z.B. auch zu Nebenwirkungen zu erfassen, um mittelfristig eine bessere Einschätzung zu den Risiken und Möglichkeiten zu erlauben.

In jedem Fall sollte man jetzt schon aufgrund der Erfahrungsberichte vor Beginn einer Modulatoren-Therapie auch an Familienplanung/Verhütung denken und mit seinem CF-Arzt darüber sprechen. Denn während einer Schwangerschaft muss man CFTR-Modulatoren in der Regel absetzen, was mit entsprechenden gesundheitlichen Einschränkungen verbunden sein kann.

Das Journal of Cystic Fibrosis hat einen Artikel zum Thema Schwangerschaft unter Einnahme von CFTR-Modulatoren veröffentlicht.


Die Rolle des Mukoviszidose e.V.

Was tun wir als Mukoviszidose e.V.?

Wir begleiten die Einführung von Kaftrio mit geprüften Informationen für Ärzte und Patienten. Wir haben uns über CFE bei der EMA für eine möglichst breite Zulassung eingesetzt und bemühen uns auch weiterhin darum, dass möglichst viele Patienten von Kaftrio profitieren können. Deshalb fördern wir die Forschung z.B. mit der Unterstützung der Durchführung von klinischen Studien in unserem Studiennetzwerk. Wir kümmern uns aber auch um die Patienten, die (zunächst) noch nicht (oder nie) von Kaftrio profitieren können. Wir fördern und unterstützen Projekte zur Erforschung von mutationsunabhängigen Therapien, die allen Patienten zugutekommen können genauso wie Ansätze zur personalisierten Therapie wie Hit-CF, in dem untersucht wird, ob Medikamente wie Kaftrio bei einem individuellen Patienten wirken. Schließlich sorgen wir uns um den Zugang der Patienten zu einer guten Versorgung einschließlich CFTR-Modulatoren wie Kaftrio. Wenn es in naher Zukunft durch die neuen Medikamente deutlich mehr erwachsene CF-Patienten gibt, müssen die Versorgungstrukturen mitwachsen. Dafür setzen wir uns auf politischer Ebene ein. Über das Deutsche Mukoviszidose-Register stellen wir eine Möglichkeit zur Verfügung, mittel- und langfristig Wirkungen und Nebenwirkungen von neuen Medikamenten wie Kaftrio zu beobachten.

Ausblick

Die Modulatoren sind ein wichtiger Meilenstein in der CF-Therapie. Sie bewirken aber keine Heilung und müssen lebenslang eingenommen werden. Über die Langzeitwirkung ist noch nichts bekannt. Eine Heilung der Erkrankung wäre nur durch eine Gentherapie möglich. Es sind weiter große Forschungsanstrengungen notwendig, um irgendwann das Ziel, Gemeinsam Mukoviszidose besiegen zu erreichen. 


Quellen

Heijermann et al. (2019) Efficacy and safety of the elexacaftor plus tezacaftor plus ivacaftor combination regimen in people with cystic fibrosis homozygous for the F508del mutation: a double-blind, randomised, phase 3 trial, In: The Lancet; 394 (10212): 1940-1948. Link zum Artikel

Middleton et al. (2019) Elexacaftor–Tezacaftor–Ivacaftor for Cystic Fibrosis with a Single Phe508del Allele. In: N Engl J Med 2019; 381:1809-1819. Link zum Artikel

Die Inhalte auf dieser Seite wurden zuerst im März 2020 erstellt. 

Zuletzt aktualisiert: 15.09.2020
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