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Männer mit CF: Wie wirken die neuen Modulatoren?

Eine Auswirkung von Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) speziell auf den männlichen Körper ist, dass 98% der Betroffenen unfruchtbar sind. Da die Ursache dafür vor allem in einem Fehlen des Samenleiters liegt, kann von der CFTR-Modulatortherapie nicht erwartet werden, dass sich dies ändert. Dennoch sind positive Auswirkungen der Therapie auf die Gesundheit von männlichen CF-Betroffenen möglich.
Die Dreifachtherapie kombiniert die Wirkstoffe Tezacaftor, Elexacaftor und Ivacaftor. Foto: Mukoviszidose e.V.

Noch keine Studien, aber Erklärungsansätze

Die Auswirkungen der CFTR-Modulatortherapie speziell auf die männliche Gesundheit sind noch nicht umfassend untersucht. Neben der Situation der fehlenden Samenleiter gibt es aber auch andere CF-bedingte Auswirkungen bei Männern, die sich durch die Modulatortherapie verändern könnten. 

Keimdrüsenfunktion und Prostata

Männer mit CF haben unabhängig von der Bildung des Samenleiters auch das Risiko eines Hypogonadismus, einer Keimdrüsenunterfunktion. Die Ursache dafür ist nicht ganz geklärt, sie könnte in den Krankheitsphasen mit chronischer Entzündung, Unterernährung und Steroid-Therapien liegen. Diese Unterfunktion der Hoden kann wiederum eine reduzierte Muskelmasse und eine geringe Knochendichte verursachen, sowie eine Verzögerung der Pubertät. Durch die Auswirkung der CFTR-Modulatortherapie auf den gesamten Körper, resultierend in weniger Infektionen, einer besseren Lungenfunktion und einem besseren Ernährungszustand, könnte auch eine Normalisierung der Keimdrüsenunterfunktion erwartet werden. 

In einzelnen Fällen berichteten männliche CF-Betroffene über Schmerzen in den Hoden in den ersten beiden Wochen nach Beginn der Therapie mit Kaftrio, die aber schnell wieder verschwanden. Dies könnte ein Hinweis auf die Wirkung des Medikaments auf die männlichen Geschlechtsorgane sein. Denkbar ist z.B. auch, dass sich die Menge des Prostata-Sekrets durch die CFTR-Modulatortherapie normalisiert. Das Prostata-Sekret ist bei CF-betroffenen Männern durch die Beeinträchtigung der CFTR-Kanäle in der Prostata meist verringert, was sich in einer geringen Ejakulatmenge äußert. 

Samenleiterbildung durch frühe Therapie?

Eine nachträgliche Bildung des von Geburt an fehlenden Samenleiters bei Männern mit CF kann durch die CFTR-Modulatortherapie nicht erwartet werden. Im Tierversuch hatte die Behandlung mit Ivacaftor (IVA) bei trächtigen CF-Frettchen mit G551D-Mutation allerdings den Effekt, dass bei den Nachkommen mit G551D-Mutation die Samenleiter teilweise doch gebildet wurden. Diese Erkenntnisse lassen sich auf den Menschen (noch) nicht übertragen, da eine vorgeburtliche Behandlung mit CFTR-Modulatoren aktuell nicht möglich ist. Grundsätzlich wird aber über den frühen Beginn der CFTR-Modulatortherapie nachgedacht, da es in Tierversuchen bereits Hinweise gab, dass sich auch die Situation anderer Organe (z.B. der Bauchspeicheldrüse) durch eine vorgeburtliche CFTR-Modulatortherapie (in utero) verbessern könnte. 

Khan FN, et al. Men's health in the modern era of cystic fibrosis. J Cyst Fibros. 2020 Dec 26:S1569-1993(20)30945-0. doi: 10.1016/j.jcf.2020.12.013.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Uta Düesberg (UDueesberg(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.


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