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Anti-entzündliche Therapie: Lonodelestat erzielt gute Ergebnisse in früher Studienphase

Das antientzündliche Medikament Lonodelestat (früher POL6014) hat in einer Phase 1b Studie in Deutschland seine Verträglichkeit und erste Wirksamkeit gezeigt. Die Ergebnisse dieser klinischen Untersuchung wurden nun vom Hersteller Santhera in einer Pressemitteilung publiziert. Die Studie wurde u.a. im deutschen Studiennetzwerk durchgeführt. Das Studiennetzwerk demonstriert so, dass es in der Lage ist, auch frühe Studienphasen mit hohen Anforderungen an die Sicherheitsbedingungen zu unterstützen und so neue Medikamentenentwicklungen auf den Weg zu bringen.

Weniger Entzündung durch Hemmung der Elastase

Bei Lonodelestat handelt es sich um einen Hemmstoff der sogenannten humanen neutrophilen Elastase (hNE) in der Lunge. hNE fördert bei Mukoviszidose (cystische Fibrose, CF) die Entzündungsreaktion in der Lunge, die dauerhaft zur Zerstörung von Lungengewebe führt. Eine Hemmung von hNE kann deshalb voraussichtlich die Entzündungsreaktion abschwächen und die Lungenzerstörung aufhalten. Letzteres muss sich aber noch in weiteren klinischen Studien zeigen. Gerade wurden Studienergebnisse der Phase 1b veröffentlicht. In Phase 1 Studien werden die Sicherheit und Verträglichkeit eines Medikamentes sowie dessen Verstoffwechslung im Körper untersucht. Lonodelestat wird inhaliert. 

Phase 1 Studie im deutschen Studiennetzwerk

32 CF-Patienten wurden in einer doppel-blinden, placebo-kontrollierten Studie über vier Wochen untersucht. Dabei wurden verschiedene Dosierungen (40-160 mg) von Lonodelestat getestet. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden laut Hersteller nicht festgestellt. Außerdem war die hNE-Elastase im Sputum nach der Inhalation nahezu völlig gehemmt. Die Studie wurde u.a. in zwei Studienzentren (Essen und Berlin) des deutschen Studiennetzwerkes CF-CTN Germany erfolgreich durchgeführt. Studien der frühen Phasen sind sehr aufwändig, da sie hohe Sicherheitsbedingungen erfordern. Denn die Medikamente sind fast noch gar nicht im Menschen getestet worden. Es ist sehr erfreulich, dass das deutsche Studiennetzwerk demonstriert hat, dass auch frühe Medikamentenentwicklungen unterstützt werden können. So gelingt der Schritt von der Idee im Labor in die klinische Entwicklung. Außerdem ist es wichtig, dass mit Lonodelestat nun die Entwicklung einer weiteren Therapieoption für Mukoviszidose auf den Weg gebracht wurde. 

Symptomatische Therapien trotz Kaftrio nötig

Auch wenn inzwischen mit Kaftrio und anderen CFTR-Modulatoren erste Medikamente zur Verfügung stehen, die die gestörte CFTR-Kanalfunktion bei Mukoviszidose teilweise wiederherstellen, besteht immer noch ein hoher Bedarf für weitere symptomatische Therapien. Denn die neuen Medikamente können nur bei etwa 60% aller deutschen Patienten eingesetzt werden und insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung ist eine symptomatische Therapie zusätzlich notwendig. Solche symptomatischen Therapien können schleimlösende Medikamente sein, Antibiotika und vor allem auch entzündungshemmende Medikamente, die ein Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder ganz verhindern sollen. 

Zu Lonodelestat sollen laut Hersteller (Santhera Pharmaceuticals) bald weitere Studien folgen. 

Weitere Informationen 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.


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