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CAR-CF: Internationale Corona-Antikörperstudie startet in Deutschland - Mukoviszidose e.V. unterstützt bei der Studienvorbereitung

CAR-CF steht für “Covid-19 Antibody Responses in Cystic Fibrosis”. Diese internationale Studie untersucht die Immunantwort auf COVID-19 bei Menschen mit CF. Dabei werden COVID-19-Antikörper im Blut bestimmt und verschiedene Fragen untersucht, z.B.: Wie ist die Immunantwort auf das Coronavirus? Gibt es Unterschiede zwischen Mukoviszidose-Patienten, die die Infektion durchgemacht haben und denen, die geimpft wurden? Gibt es Unterschiede im klinischen Verlauf?

Risiko und Auswirkungen von COVID-19 bei CF weiter unklar

Bis jetzt gibt es noch relativ wenige Fälle von COVID-19 bei Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF). Deshalb ist das Risiko der Infektion in dieser Patientengruppe schwer einzuschätzen. Allerdings führen andere Lungeninfektionen bei CF oft zu einem Abfall der Lungenfunktion und zu vermehrten Krankenhausaufenthalten. Erste Zahlen aus Registern zeigen, dass COVID-19 bei CF – ähnlich wie in der Gesamtbevölkerung – sehr unterschiedlich verlaufen kann. 

CAR-CF Studie bestimmt Antikörper aus Routineblutproben

Um die Bedeutung von SARS-CoV-2 bei einer Mukoviszidose-Erkrankung besser abschätzen zu können, sollen in einer großen europaweiten Studie Blutproben auf SARS-CoV-2-Antikörper getestet werden. Es soll u.a. die Auswirkung einer solchen Infektion auf den klinischen Verlauf untersucht werden sowie die Antikörperbildung nach einer Impfung. Die Studie heißt COVID-19 Antikörper Reaktion bei CF - kurz CAR-CF Studie. In Deutschland gab jetzt die zuständige Ethikkommission grünes Licht und die Studie kann starten. PD Dr. Silke van Koningsbruggen-Rietschel, Uniklinik Köln, hat dabei die Studienleitung für Deutschland inne. Um die Studie für Deutschland möglich zu machen, hat der Mukoviszidose e.V. bei der Erstellung der Studiendokumente insbesondere bei der Übersetzung der Einverständniserklärungen in die deutsche Sprache unterstützt. Laut Dr. Silke van Koningsbruggen-Rietschel war jedoch nicht nur die tatkräftige Unterstützung bei den Studienformalitäten, sondern vielmehr auch die Expertise von Dr. Jutta Bend, Mukoviszidose e.V., im internationalen Studien-Committee von großer Bedeutung. 

In den USA und Kanada ist die Studie bereits angelaufen. In Europa steht sie in den Startlöchern und Dr. Damian Downey von der Queens Universität in Belfast, Nordirland, leitet zusammen mit PD Dr. van Koningsbruggen-Rietschel das europäische Studienvorhaben. Auch viele deutsche Zentren des europäischen Studiennetzwerks ECFS-CTN werden an der Studie teilnehmen. 

Der Aufwand für die Mukoviszidose-Betroffenen bei der Studie ist überschaubar. Es ist geplant, bei Routineblutentnahmen etwas mehr Blut abzunehmen und dieses auf SARS-CoV-2-Antikörper zu untersuchen. Außerdem werden Fragen zu COVID-19-Infektionen, Kontaktpersonen und Impfungen gestellt. Klinische Routinedaten werden außerdem zur Auswertung herangezogen. Die Studie soll zwei Jahre dauern. Voraussichtlich werden die folgenden Länder an der Studie teilnehmen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Irland, Israel, Italien, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechien, Großbritannien. 

Nicht-kommerzielle, patientenzentrierte Studienideen auf europäischer Ebene gemeinsam angehen

Die CAR-CF Studie ist eine nicht-kommerzielle Studie des europäischen Studiennetzwerks ECFS-CTN. Um Studienideen umzusetzen, die für die pharmazeutische Industrie nicht von primärem Interesse sind, aber wichtige Erkenntnisse für Mukoviszidose liefern können, hat das ECFS-CTN ein neues Gremium gebildet: das ITC (Investigator Trial Committee). Mitglieder in diesem Gremium sind mehrere europäische Ärzte*innen des Studiennetzwerks und ein*e Patientenvertreter*in: Damian Downey (Nordirland), Nick Simmonds (England), Lieven Dupont (Belgien) sowie Silke van Koningsbruggen-Rietschel und Jutta Bend aus Deutschland. Der Mukoviszidose e.V. vertritt mit Jutta Bend die europäischen Patientenorganisationen in diesem Gremium. 

Für das CAR-CF Projekt arbeitet das ITC in enger Abstimmung mit den Studienärzten*innen in den einzelnen europäischen Ländern sowie den Patientenorganisationen vor Ort. Die Studiendokumente müssen in die jeweiligen Landessprachen übersetzt werden und dies wird über die jeweiligen Patientenorganisationen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Studienteams durchgeführt. Für die Probenlogistik und Antikörperbestimmungen gibt es eine Förderung der amerikanischen Patientenorganisation Cystic Fibrosis Foundation (CFF). Es handelt sich also um ein einzigartiges Kooperationsprojekt. Die europäische Studie wird mit Studien in den USA und Kanada kombiniert, so dass auch eine Datenauswertung weltweit möglich sein wird. Das CAR-CF Projekt ist ein erstes Projekt dieser Art. In Zukunft sollen weitere derartige Kooperationsprojekte folgen, die in enger internationaler Zusammenarbeit von Ärzten*innen und Menschen mit CF, vertreten durch Cystic Fibrosis Europe (CFE), gemeinsam durchgeführt werden, um patientenzentrierte Projekte auf den Weg zu bringen. 

Weitere Informationen

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info).

Die Informationen in diesem Beitrag werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit Ihrem/Ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.


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