Antibiotikaresistenzen weltweit auf dem Vormarsch
Immer häufiger sind Krankheitserreger gegen herkömmliche Antibiotika resistent, können also nicht mehr effektiv behandelt werden. Neue Antibiotika werden von der Pharmaindustrie aber kaum entwickelt, denn neue Antibiotika werden als Reserve-Antibiotika kaum verordnet. Für die Pharmaindustrie lassen sich in diesem Bereich deshalb kaum die Investitionen einer klinischen Entwicklung wieder einspielen. Ein Dilemma. Deshalb gibt es international bereits viele Initiativen und Förderprogramme, um die Forschung im Bereich der Antibiotika attraktiver zu machen. Bislang noch mit mäßigem Erfolg.
Richtige Kommunikation ist essentiell
Eine internationale Arbeitsgruppe hat kürzlich eine Umfrage zum Thema Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen bei Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) durchgeführt. 443 CF-Behandler und 464 CF-Betroffene/Eltern haben geantwortet. Pseudomonas wurde darin als größte Bedrohung empfunden, gefolgt von Burkholderia, nicht-tuberkulösen Mykobakterien und MRSA (methicillin-resistente Staphylococcus aureus). Weiter war die mögliche Übertragung von Patient zu Patient ein Thema und etwa die Hälfte befürchtete eine verkürzte Lebenserwartung aufgrund der Antibiotikaresistenzen. Die Umfrage offenbarte auch, dass die Kommunikation zum Thema Antibiotikaresistenzen noch verbessert werden kann. Die bevorzugte Informationsquelle ist nach Angaben der Betroffenen in der Umfrage die direkte Kommunikation durch das CF-Team, aber auch Flyer und Handouts sowie Informationen auf CF-spezifischen, nationalen Websites wurden angeregt.
Mehr internationaler Austausch zu Antibiotikaresistenzen
Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen werden von Experten wie auch Betroffenen als problematisch angesehen. Die internationale Arbeitsgruppe, die auch die oben beschriebene Umfrage durchgeführt hat, widmet sich der Thematik deshalb intensiv und hat bereits weitere Untersuchungen veröffentlicht. Dabei geht es um internationale „Best practice“ Beispiele und die Nutzung von Laborergebnissen für die Wahl der Antibiotika in der Behandlung. Auch die europäische Patientenorganisation CFE (Cystic Fibrosis Europe) beschäftigt sich mit dem Thema Antibiotikaresistenzen. Es wurde als Schwerpunkt für das Pre-conference Meeting in Albufeira/Portugal im März 2020 ausgesucht. Das Meeting wird zwar wegen der Corona-Pandemie erst im kommenden Jahr (2021) stattfinden, aber das Thema wurde als so wichtig angesehen, dass es beibehalten wird.
Mukoviszidose e.V. fördert mehrere Projekte zu dieser Thematik
Die Entstehung von Resistenzen bei Staphylococcus aureus untersucht Professorin Barbara Kahl (Projekt 1806) anhand einer Stammsammlung, die bis zu 20 Jahre zurückblicken lässt und die Mechanismen der Resistenzentwicklung über Gensequenzierungen sichtbar machen soll. In zwei weiteren Projekten stehen nicht tuberkulöse Mykobakterien (NTM) im Fokus. Auch hier sollen anhand von Gensequenzierungen Resistenzmechanismen aufgeklärt werden, aber auch die Übertragungswege angeschaut sowie die Resistenztestung optimiert werden (Projekt 2003 von PD Dr. Michael Hogardt und Projekt 2004 von Professor Florian Maurer). Einen anderen Ansatz hat das Projekt von Dr. Antje Munder. Sie baut auf eine Antibiotika-unabhängige antibakterielle Therapie und untersucht dazu den Einsatz von körpereigenen Abwehrzellen (Makrophagen), die sie dafür aus Stammzellen im Labor zu Abwehrzellen differenziert und als sogenannte „Makrophagen-Transplantation“ einsetzen möchte.
Weitere Informationen und Quellen
J Cyst Fibros. 2020 Jun 17;S1569-1993(20)30159-4. doi: 10.1016/j.jcf.2020.05.009.
Weitere Arbeiten der internationalen Arbeitsgruppe
- Zemanick E, et al. Antimicrobial resistance in cystic fibrosis: A Delphi approach to defining best practices. J Cyst Fibros. 2020 May;19(3):370-375. doi: 10.1016/j.jcf.2019.10.006.
- Waters VE, et al. Reconciling Antimicrobial Susceptibility Testing and Clinical Response in Antimicrobial Treatment of Chronic Cystic Fibrosis Lung Infections. Clin Infect Dis. 2019 Oct 30;69(10):1812-1816. doi: 10.1093/cid/ciz364.
Pre-Konferenz Meeting der ECFS
Antibiotikaresistenzen, Initiativen
Geförderte Projekte des Mukoviszidose e.V.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jutta Bend (jbend(at)muko.info).
In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.