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Mukoviszidose: Bakteriophagen als mögliche neue Therapieoption bei schwer behandelbaren Infektionen

Bakteriophagen sind Viren, die sich auf den Befall von Bakterien spezialisiert haben.

Bakteriophagen sind Viren, die sich auf den Befall von Bakterien spezialisiert haben.

Bakteriophagen, kurz Phagen, sind Viren, die gezielt bestimmte Bakterien befallen und zerstören können. Es gibt zum Beispiel Phagen, die gegen Pseudomonas aeruginosa wirken. Genau dieses Prinzip nutzt die Bakteriophagen-Therapie. In Ländern wie den USA, Belgien und Georgien wird dieser Ansatz bereits seit längerer Zeit eingesetzt. An der Universitätsmedizin Frankfurt wird seit Februar 2026 in ausgewählten Fällen eine individualisierte Phagentherapie geprüft und angeboten. Das bedeutet: Für jede Patientin / jeden Patienten wird vorab im Labor untersucht, ob passende Phagen für das jeweilige Bakterium gefunden werden können. Vor allem für Menschen mit schwer behandelbaren Infektionen kann das eine zusätzliche Therapieoption sein.
Bakteriophagen sind Viren, die sich auf den Befall von Bakterien spezialisiert haben.

Bakteriophagen sind Viren, die sich auf den Befall von Bakterien spezialisiert haben.

Wenn Antibiotika an ihre Grenzen stoßen 

Manchmal wirken Antibiotika nicht mehr gut genug. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Bakterien gegen mehrere Antibiotika unempfindlich geworden sind. Gerade bei Menschen mit Mukoviszidose können sich solche Erreger in der Lunge festsetzen und dort immer wieder Entzündungen auslösen. Das kann die Behandlung erschweren und sich ungünstig auf die Lungenfunktion auswirken.
Hinzu kommt, dass Bakterien sogenannte Biofilme bilden können. Das sind schützende Strukturen, in denen sich die Erreger gewissermaßen verstecken. Dadurch können Abwehrmechanismen des Immunsystems und Medikamente die Bakterien oft schlechter erreichen. Besonders bei Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa ist das ein bekanntes Problem.

Vor jeder Behandlung steht eine individuelle Testung 

Eine Phagentherapie kommt nicht automatisch infrage. Der Ansatz der Universitätsmedizin Frankfurt ist individualisiert: Zuerst müssen die Bakterien eines Patienten im Labor identifiziert werden. Danach wird geprüft, ob es passende Phagen gibt, die genau gegen dieses Bakterium wirksam sind. Das ist wichtig, weil Phagen sehr gezielt wirken und nicht gegen jedes Bakterium gleichermaßen effektiv sind.

Nur wenn geeignete Phagen gefunden werden, kann ein individueller Therapieversuch erwogen werden. Ziel ist es, die Behandlung zusätzlich zur üblichen Standardtherapie zu unterstützen. Ob sich damit eine Besiedelung langfristig deutlich verringern lässt und ob dadurch zum Beispiel eine Verschlechterung der Lungenfunktion verzögert werden kann, ist derzeit noch nicht sicher belegt. Aktuell liegt der Schwerpunkt in Frankfurt auf dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa. Perspektivisch soll das Angebot auch auf weitere Bakterienarten ausgeweitet werden. 

Eine zusätzliche Möglichkeit – kein Ersatz für die bewährte Behandlung

Wichtig ist: Die Phagentherapie ersetzt keine etablierte Behandlung in einem spezialisierten CF-Zentrum. Sie ist eher als zusätzliche Möglichkeit für besondere Situationen zu verstehen, etwa wenn herkömmliche Therapien nicht ausreichend helfen oder bereits weitgehend ausgeschöpft sind.

Wie andere medizinische Behandlungen kann auch eine Phagentherapie Reaktionen im Körper hervorrufen, insbesondere durch den therapiebedingten Zerfall einer großen Menge von Bakterien.

Leitlinie für die Phagentherapie ist eingereicht

Wenn eine Phagentherapie durchgeführt wird, sollte diese nach höchsten medizinischen Qualitätsstandards erfolgen. Dafür ist eine entsprechende Leitlinie unter Koordination von PD Dr. Silvia Würstle, Dr. Simone Lieberknecht-Jouy, Prof. Dr. Maria Vehreschild (Frankfurt) und Dr. Annika Claßen (Köln) sowie weiterer, auch internationaler Experten erstellt und eingereicht worden. Sobald die Leitlinie veröffentlicht ist, werden wir gesondert darüber berichten. Der Mukoviszidose e. V. war in die Erstellung der Leitlinie als Patientenvertretung einbezogen.  

Enge Zusammenarbeit mehrerer Fachbereiche 

An der Universitätsmedizin Frankfurt (Schwerpunkt Infektiologie von Prof. Maria Vehreschild) wird die Phagentherapie interdisziplinär betreut. Die Arbeitsgruppe um PD Dr. Silvia Würstle arbeitet eng mit Prof. Dr. Michael Hogardt vom Konsiliarlabor für Mukoviszidose-Bakteriologie sowie mit den Leitern der CF-Ambulanzen zusammen: PD Dr. Olaf Eickmeier in der Kindermedizin und Dr. Julius Kohlhäufl in der Erwachsenenmedizin.

Bei Patientinnen und Patienten mit Mukoviszidose wird ein möglicher Therapieversuch nach Vorstellung durch die CF-Ambulanz im sogenannten Phagenboard besprochen. Dort wird gemeinsam geprüft, ob eine geeignete Behandlungsoption mit einem vertretbaren Nutzen-Risiko-Verhältnis vorliegt. Parallel laufen weitere Forschungsprojekte zu Phagen und zusätzlich wird ein Register aufgebaut, um Erfahrungen mit der Phagentherapie systematisch zu erfassen und wissenschaftlich auszuwerten.

Kontaktaufnahme

Wer sich über das Angebot informieren möchte, findet erste Informationen auf der Website der Phagen-Arbeitsgruppe der Universitätsmedizin Frankfurt (zur Webseite).

Für Menschen mit Mukoviszidose ist zusätzlich auch eine Kontaktaufnahme über die Frankfurter CF-Zentren möglich: 

Die weitere Planung erfolgt dann in enger Zusammenarbeit zwischen Infektiologie, Phagenlabor und den CF-Zentren.

Quellen