Schleimbildende Bakterien als möglicher Risikofaktor
Staphylococcus aureus (S. aureus) gehört zu den Bakterien, die häufig in den Atemwegen von Menschen mit Mukoviszidose nachgewiesen werden. Bestimmte Stämme können eine schleimige (Biofilm-)Schutzschicht bilden und eine sogenannte mukoide Wachstumsform entwickeln, die sie unter anderem vor dem Immunsystem und Antibiotika schützen kann. Während für Pseudomonas aeruginosa (P. aeruginosa) seit langem bekannt ist, dass es mukoide Varianten gibt, die einen negativen Einfluss auf die Lungenfunktion haben, wurde dies für S. aureus bisher wenig untersucht. Entsprechend wusste man bislang nicht, wie häufig solche Varianten bei S. aureus in den Atemwegen von Menschen mit Mukoviszidose auftreten und welche klinische Bedeutung sie haben.
Studie mit 628 Menschen mit Mukoviszidose an 13 CF-Zentren
Die ausgezeichnete Publikation liefert hierzu neue epidemiologische und klinische Daten. An der Studie nahmen 628 Menschen mit Mukoviszidose aus 13 CF-Zentren teil. Bei 9,1 Prozent der Teilnehmenden mit nachgewiesenem S. aureus fanden die Forschenden mukoide Stämme – deutlich häufiger als bislang aus der Literatur bekannt.
In der weiteren Analyse zeigte sich über alle untersuchten Personen hinweg zunächst kein signifikanter Unterschied in der Lungenfunktion. In bestimmten Gruppen ergaben sich jedoch Hinweise auf eine schlechtere Lungenfunktion bei Menschen mit mukoidem S. aureus, insbesondere bei Menschen mit Mukoviszidose ohne P. aeruginosa und bei weiblichen Studienteilnehmerinnen. Die Ursachen dieser Beobachtungen sind noch unklar und Gegenstand weiterer Forschung.
Die Ergebnisse unterstreichen zugleich die Bedeutung eines gezielten mikrobiologischen Nachweises, da mukoide S. aureus-Stämme mit Standardverfahren übersehen werden können und häufiger Resistenzen gegenüber verschiedenen Antibiotika zeigten.
Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) würdigte die Publikation bereits als „Aktuelles Highlight der Infektionsprävention und Klinischen Mikrobiologie“.
Nachwuchsforschung und Mentoring als Grundlage der Arbeit
Dr. Christine H. Rumpf ist Diplom-Ingenieurin (FH) mit dem Schwerpunkt Chemie und Biologie und arbeitet seit 2021 in der Arbeitsgruppe von Professorin Dr. Barbara C. Kahl am Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Münster. Im Juli 2025 wurde sie an der Universität Münster promoviert. Seit 2023 leitet sie ein vom Mukoviszidose e.V. gefördertes Nachwuchsforschungsprojekt zu mukoidem S. aureus und dessen Bedeutung für die Lungenerkrankung bei Mukoviszidose. Aus Arbeiten in diesem Forschungszusammenhang ist auch die nun ausgezeichnete Publikation hervorgegangen.
Eine wichtige Wegbereiterin der Forschung ist Professorin Dr. med. Barbara C. Kahl. Sie legte den Grundstein für die Arbeiten zu mukoidem S. aureus, führte Dr. Rumpf in die CF-Mikrobiologie ein und begleitete ihre wissenschaftliche Entwicklung und Promotion als Mentorin. Professorin Kahl, die seit dem 1. August 2026 im Ruhestand ist, jedoch weiterhin Forschungsaufgaben innehat, hat damit wesentlich dazu beigetragen, das Forschungsfeld und die nun ausgezeichnete Publikation auf den Weg zu bringen.
Der Adolf-Windorfer-Preis
Den mit 5.000 Euro dotierten Adolf-Windorfer-Preis vergibt der Mukoviszidose e.V. einmal jährlich für eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Erforschung und Therapie der Mukoviszidose. Finanziert wird der Preis im jährlichen Wechsel von den regionalen Selbsthilfegruppen und Landesverbänden des Bundesverbands; 2026 zeichnet hier der Mukoviszidose e.V. Aachen verantwortlich.
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Hintergrund-Informationen
Über Mukoviszidose
In Deutschland sind mehr als 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose betroffen. Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper bildet sich bei Mukoviszidose-Betroffenen ein zähflüssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 150 bis 200 Kinder mit der seltenen Krankheit geboren.
Über den Bundesverband Mukoviszidose e.V.
Der Bundesverband Mukoviszidose e.V. vernetzt die Patienten, ihre Angehörigen, Ärzte, Therapeuten und Forscher. Er bündelt unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen sowie Perspektiven mit dem Ziel, jedem Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit Mukoviszidose zu ermöglichen. Um die vielfältigen Aufgaben und Ziele zu erreichen, ist die gemeinnützige Patientenorganisation auf die Unterstützung engagierter Spender und Förderer angewiesen.
Pressekontakt
Bundesverband Mukoviszidose e.V.
Juliane Tiedt
Telefon: +49 (0)228 9 87 80-65
E-Mail: JTiedt@muko.info
