CFTR-Modulatoren wie Kaftrio® (Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor - ETI) haben die Behandlung der Mukoviszidose grundlegend verändert. ETI kann die Funktion des veränderten CFTR-Kanals verbessern und dadurch viele Krankheitszeichen, z.B. Lungenfunktion und Lebensqualität deutlich verbessern. Wie vollständig die CFTR-Funktion durch die Therapie wiederhergestellt wird, hängt jedoch offenbar auch vom Alter ab.
Das zeigt eine aktuelle Studie einer Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin um Simon Gräber und Marcus Mall. Die Forschenden untersuchten 26 Kinder mit Mukoviszidose im Alter von zwei bis elf Jahren, die mindestens eine F508del-Variante trugen. Vor Beginn der Behandlung und nach vier Monaten Kaftrio-Therapie untersuchten sie unter anderem die CFTR-Funktion in Zellen der Darmschleimhaut.
CFTR-Funktion erreicht nahezu normale Werte
Dafür entnahmen die Forschenden kleine Proben aus der Darmschleimhaut. In diesen Gewebeproben lässt sich die Funktion der CFTR-Kanäle direkt mit der sogenannten ICM-Methode messen: Funktionierende CFTR-Kanäle transportieren Chlorid-Ionen durch die Zellmembran. Dieser Transport erzeugt einen messbaren elektrischen Strom.
Nach vier Monaten Behandlung lag die gemessene CFTR-Funktion bei den Kindern bei etwa 90 bis 100 Prozent der Werte von Kindern ohne Mukoviszidose. Damit wurde die Funktionsstörung des CFTR-Kanals in dieser Untersuchung durch ETI nahezu vollständig ausgeglichen.
Das Ergebnis ist besonders interessant vor dem Hintergrund früherer Untersuchungen derselben Forschungsgruppe. Bei Jugendlichen und Erwachsenen mit Mukoviszidose hatte die Behandlung mit Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor die CFTR-Funktion ebenfalls deutlich verbessert, allerdings nur auf etwa 40 Prozent der CFTR-Aktivität von Menschen ohne Mukoviszidose. Entsprechend gibt es bei erwachsenen Menschen mit Mukoviszidose trotz ETI-Behandlung oft noch Entzündungsprozesse, Lungeninfekte und Gewebsumbildungen.
Je jünger, desto stärker die Wiederherstellung?
Die Forschenden verglichen die aktuellen Ergebnisse mit ihren früheren Untersuchungen bei Jugendlichen und Erwachsenen. Dabei zeigte sich eine deutliche Altersabhängigkeit: Die Wiederherstellung der CFTR-Funktion war bei den jüngeren Kindern stärker ausgeprägt.
Warum die CFTR-Funktion bei Kindern offenbar stärker auf die Modulatortherapie anspricht, ist noch nicht vollständig geklärt. Aber die Ergebnisse stimmen auch mit den Ergebnissen der Zulassungsstudien überein, bei denen sich die Schweißchloridwerte bei Kindern deutlicher verbesserten als bei älteren Menschen mit Mukoviszidose. Grundsätzlich konnten die Forschenden Übereinstimmungen zwischen ihrer ICM-Messung mit dem Schweißchlorid feststellen.
Allerdings erreichte der Schweißchloridwert bei etwa der Hälfte der Kinder in der Studie nicht den Normalbereich, sondern verbesserte sich nur bis in den Graubereich zwischen 30 und 59mmol/l, wohingegen die ICM bei allen Kindern eine nahezu vollständige CFTR-Normalisierung anzeigte. Das kann daran liegen, dass es ich bei der Schweißchloridmessung um eine indirekte Messung handelt, die ICM- Methode jedoch die CFTR-Kanalfunktion direkt misst. In der Praxis ist ein Schweißtest leichter durchführbar und deshalb oft die pragmatischere Alternative als ein ICM an Darmschleimhautproben.
Was bedeutet das für Menschen mit Mukoviszidose?
Die Ergebnisse sind vielversprechend, müssen aber im weiteren Zusammenhang betrachtet werden. Untersucht wurde eine relativ kleine Gruppe von 26 Kindern und die CFTR-Funktion wurde anhand von Darmgewebe bestimmt. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht unmittelbar auf alle Kinder mit Mukoviszidose oder auf andere Organe wie z.B. die Lunge übertragen.
Langzeituntersuchungen müssen noch zeigen, ob die CFTR-Funktion trotz frühem Beginn einer Modulatortherapie irgendwann wieder abnehmen wird oder ob die Normalisierung der CFTR-Kanalfunktion zu einem stabilen Krankheitsverlauf führt, wenn die Modulatortherapie im Kindesalter beginnt.
Quelle: Berger J et al. Elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor improves CFTR function to near-normal levels in children with cystic fibrosis. European Respiratory Journal, 24. September 2026. DOI: 10.1183/13993003.00422-2026.
