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Mukoviszidose und ADHS

Grafik: Gezeichneter Mensch rechts neben ihm sind Utensilien, die für die Behandlung der Mukoviszidose gebraucht werden (Inhaliergerät etc.) und links Blitze und Kreisel sowie eine Uhr und eine To-Do-Liste, darunter steht: Mukoviszidose und ADHS
Die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) wird immer häufiger gestellt, auch bei Erwachsenen. Menschen mit Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) können davon auch betroffen sein, was das Krankheitsmanagement zusätzlich erschweren kann.
Grafik: Gezeichneter Mensch rechts neben ihm sind Utensilien, die für die Behandlung der Mukoviszidose gebraucht werden (Inhaliergerät etc.) und links Blitze und Kreisel sowie eine Uhr und eine To-Do-Liste, darunter steht: Mukoviszidose und ADHS

Modediagnose ADHS?

In Fachkreisen wird immer wieder kontrovers darüber diskutiert, ob ADHS ein über- oder unterdiagnostiziertes Krankheitsbild ist, wie es behandelt werden soll und wie eine Abgrenzung zu anderen Verhaltensstörungen gelingen kann. Kritisiert wird auch, dass ADHS-Medikamente zu leichtfertig verschrieben werden und das Wort „Modediagnose“ schwebt auch immer wieder durch die Medien. Auf der anderen Seite gibt es Studien, die einen Zusammenhang von ADHS mit CF sehen und auch mit anderen Lungenerkrankungen wie beispielsweise Asthma. 

ADHS häufiger bei CF?

Studien geben sehr unterschiedliche Prävalenzen zu ADHS und CF an: zwischen 5 % bis 22 % sollen betroffen sein. In vielen Studien werden Männer eher mit ADHS diagnostiziert und/oder haben höhere Scores bei den Symptomen, während Frauen oder Mädchen oft unterdiagnostiziert sind. Einige Studien zeigen eine schlechtere Lungenfunktion bei Menschen mit CF und ADHS, andere Studien zeigen eine bessere Lungenfunktion. Immerhin eindeutig ist, dass es keine Assoziation mit dem Körpergewicht (Unter-/Übergewicht) bei Menschen mit ADHS und CF zu geben scheint. Die Studienlage ist also kompliziert und spiegelt die kontroverse Diskussion in den Fachkreisen wider. 

Die Auswirkung der Modulatortherapie auf ADHS ist ebenfalls noch nicht hinreichend erforscht. Einige Studien finden viele, andere weniger psychische Probleme nach Beginn einer Modulatortherapie und eine Abgrenzung zu den ADHS-Symptomen ist zudem nicht eindeutig möglich.  

Menschen mit ADHS leiden

ADHS ist verbunden mit starken Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, starker Impulsivität und einer ausgeprägten körperlichen Unruhe (Hyperaktivität), wobei sich die Symptome bei Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männern unterscheiden können. Während sich bei männlichen Personen die Hyperaktivität oft durch lautes, auffälliges und wildes Auftreten äußert, richtet sich bei weiblichen Personen die Unruhe oft auch nach innen und zeigt sich durch Gefühlsschwankungen, Redseligkeit und Rückzug. Die Diagnose gibt es bei allen Geschlechtern auch mit und ohne hyperaktivem Verhalten, letztere wird ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Störung) genannt. 

ADHS-Symptome führen bei 80 % der Betroffenen zu einer schlechteren Schlaf- und Lebensqualität. Die Symptome machen die CF-Therapie zu einer noch größeren Herausforderung und manche Studien zeigen, dass dadurch die Therapieadhärenz beeinträchtigt sein kann.  

Diagnosestellung ADHS ist komplex

Die ADHS-Diagnosemethoden sind eine Kombination aus objektiven und subjektiven Messmethoden, die aber bislang nicht international vereinheitlicht sind. Sie können sowohl Fragebögen zur Selbstauskunft als auch neuropsychologische Tests enthalten. Nach den kanadischen Leitlinien sollte die Diagnosestellung zunächst ein ausführliches klinisches Interview beinhalten, um aktuelle Schwierigkeiten und Herausforderungen im Alltag zu erfassen und die medizinische Geschichte und die Entwicklungsgeschichte der betroffenen Person zu erfahren. Dazu kommen verschiedene ADHS-Fragebögen, die aber nicht nur von der betroffenen Person oder den Eltern ausgefüllt werden sollten. Auch Lehrer, Erzieher und andere Personen im Bekanntenkreis sollten mittels spezifischer Fragebögen befragt werden. Hinzu kommen Fragebögen zum Ausschluss anderer psychischer Erkrankungen und Fragebögen, die funktionelle Aspekte des Alltags der betroffenen Person bewerten. 

Folgen für die CF

Aus medizinischer Sicht ist vor allem die Therapietreue (Adhärenz) bei CF eine Herausforderung, wenn bestimmte Fähigkeiten durch ADHS beeinträchtigt sind. Um eine so komplexe chronische Krankheit wie CF zu bewältigen, müssen Betroffene in der Lage sein, mühelos zwischen verschiedenen Tätigkeiten zu wechseln, ihre Therapie eigenständig einzuleiten, Symptome selbst zu überwachen und die Therapie bei Bedarf anzupassen. Außerdem muss der Therapieplan organisiert werden, Arzttermine koordiniert und die vielen Informationen von verschiedenen medizinischen Fachkräften behalten und umgesetzt werden. Nicht zuletzt muss auch mit den belastenden Emotionen, die mit der Bewältigung einer chronischen Erkrankung einhergehen können, umgegangen werden. Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration können diese herausfordernden Aufgaben deutlich erschweren. 

Therapie der ADHS

Die ADHS-Therapie umfasst eine Kombination aus psychosozialen und medikamentösen Möglichkeiten, die bei Menschen mit CF unbedingt individuell und unter Berücksichtigung der Grunderkrankung erfolgen muss. Dazu gehört nicht nur die Berücksichtigung des medizinischen Status und Medikamenten-Wechselwirkungen: stimulierende ADHS-Medikamente können z.B. zu Gewichtsverlust führen, der in der CF-Therapie nicht erwünscht sein könnte. Besonderes Augenmerk gilt auch psychologischen Vorerkrankungen. 

Wichtig in der Therapie der ADHS bei chronischen Erkrankungen sind aber auch Hilfsangebote, wie die Einführung automatisierter Systeme (z.B. Terminerinnerungen, Kalender, automatische Nachbestellung von Medikamenten). Darüber hinaus kann es bei Kindern mit CF sinnvoll sein, den Schwerpunkt auf die Entwicklung von Problemlösekompetenzen zu legen. Damit kann spezifischen Defiziten bei der Therapieausübung entgegengewirkt werden, z.B. beim Wechsel von den Hausaufgaben zu den Behandlungsmaßnahmen. Hilfreich kann auch das Einüben von Verhaltensweisen in Rollenspielen sein.

CFTR-Kanal für ADHS bedeutsam?

Es wird aktuell auch daran geforscht, ob ADHS mit speziellen Varianten des CFTR-Gens zusammenhängt und ob es eine mögliche Beteiligung von CFTR an der Entstehung von ADHS gibt. Der CFTR-Kanal könnte möglicherweise ein neuartiger Ansatz für die ADHS-Therapie sein, was bisher aber noch in den Anfängen der Erforschung steckt.  

Literatur

  • Power H., et al. A systematic review of attention‐deficit/hyperactivity disorder in people living with cystic fibrosis. Pediatr Pulmonol. 2024 Apr;59(4):825-833. doi: 10.1002/ppul.26843. 
  • Cortese S., et al. Association between attention deficit hyperactivity disorder and asthma: a systematic review and meta-analysis and a Swedish population-based study. Lancet Psychiatry. 2018 Sep;5(9):717-726. doi: 10.1016/S2215-0366(18)30224-4.
  • Pasley K., et al. Diagnosis and treatment of ADHD in pediatric patients during the first year of elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor. Pediatr Pulmonol. 2024 Dec;59(12):3524-3529. doi: 10.1002/ppul.27246.
  • Pasley K., et al. Mental Health of Pediatric Patients with Cystic Fibrosis after 18 Months on Elexacaftor-Tezacaftor-Ivacaftor Therapy. Pediatr Pulmonol. 2025 Jan;60(1):e27393. doi: 10.1002/ppul.27393.
  • Li Q., et al. CFTR acts as a potential therapeutic target for attention deficit-hyperactivity disorder. Sci Rep. 2025 Apr 21;15(1):13767. doi: 10.1038/s41598-025-98900-5.
  • Medizinische Leitlinie zu ADHS (von 2017, daher in Überarbeitung)
  • Kanadische ADHS-Leitlinie: CADDRACanadian ADHD resource alliance: Canadian ADHD Practice Guidelines. 4.1 Edition. CADDRA; 2020.