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Mukoviszidose und das Herz

Herzkrankheiten stehen als Begleiterkrankung der Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) bisher nur wenig im Fokus, da sie selten auftreten. Man sah Herzkrankheiten bisher meist als Spätfolgen der CF, deren Ursache vor allem in der langanhaltenden schweren Lungenbeteiligung liegt. Es werden inzwischen aber auch die direkten Effekte des bei CF beeinträchtigten CFTR-Kanals näher betrachtet, um gerade bei immer älter werdenden CF-Betroffenen eine direkte Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems rechtzeitig zu erkennen und den Folgen vorzubeugen.
Mögliche Ursachen von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems bei CF

Mögliche Ursachen von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems bei CF

Herzerkrankungen werden bei CF bisher nur wenig erfasst

Bei Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) sind Herzerkrankungen nur wenig beschrieben. Die großen Datenregister in Großbritannien und den USA erfassen nur die Hypertonie (Bluthochdruck), die bei Kindern mit 0,1-0,4% sehr selten vorkommt und auch bei Erwachsenen nicht häufig dokumentiert ist (2,0-6,4%). Mit steigendem Alter der CF-Population ist jedoch zu erwarten, dass die Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch hier – wie in der Allgemeinbevölkerung – ansteigt. Aber auch die Frage, inwiefern der bei CF defekte CFTR-Kanal eine direkte Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt, ist noch nicht geklärt. 

Herzschädigungen lassen sich nachweisen, wenn man danach sucht

In klinischen Studien wurde beobachtet, dass die Funktion des Herzens bei CF beeinträchtigt sein kann. Dabei zeigen sich Arryhtmien (Herzrhythmusstörung), pulmonale Hypertonie (Erhöhung des Blutdrucks im Lungenkreislauf), aber auch Anzeichen einer Fehlfunktion des rechten Herzens, wie die Vergrößerung (Hypertrophie) und Herzklappeninsuffizienz. Selten wurde auch eine koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße) beobachtet, von der man bisher dachte, dass sie bei CF nicht vorkommt, weil die klassischen Risikofaktoren dafür nicht vorliegen. Genauso aber wie Arteriosklerose und Herzinfarkt bei CF, kann die koronare Herzkrankheit auch durch die chronische Entzündung im Körper verursacht werden und nicht zuletzt auch durch die Glukose-Stoffwechsellage bei Diabetes. 

Die pulmonale Hypertonie wird vor allem bei CF-Betroffenen mit schwerer Lungenbeteiligung beschrieben und scheint mit der Stärke der Lungenerkrankung zu korrelieren. Naheliegend ist, dass die Erhöhung des Blutdrucks im Lungenkreislauf durch die Erkrankung der Lunge verursacht wird, die mit einer Sauerstoffunterversorgung des Gewebes (alveoläre Hypoxämie) einhergeht, sowie einer Verengung der Gefäße (Vasokonstriktion) gefolgt von Entzündung und Zerstörung der Gefäße. Dennoch stellt sich die Frage, inwiefern der defekte CFTR-Kanal an der Entstehung der pulmonalen Hypertonie und der anderen Herzkrankheiten bei CF primär beteiligt sein könnte.  

Schädigung des Herzens als Langzeitfolge der Mukoviszidose

Bisher ging man davon aus, dass eine Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems (kardiovaskuläres System) bei CF vor allem eine sekundäre Schädigung ist, die infolge der Erkrankung der Lunge, der chronischen Entzündung im Körper, der schlechten Ernährungssituation, durch Nebenwirkungen von Medikamenten, durch den CF-bedingten Diabetes und andere Faktoren verursacht werden kann (siehe Abbildung). Die klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren bei CF-Patienten hingegen bisher eher selten, da diese seltener Übergewicht oder erhöhte Blutfette hatten und bislang auch seltener ein höheres Alter erreichten. Diese Risikofaktoren werden aufgrund der neuen hochwirksamen Modulatortherapien (HEMT) und des damit steigenden Alters der CF-Population allerdings voraussichtlich zukünftig auch bei CF-Betroffenen relevant. Neue Erkenntnisse lassen aber vermuten, dass auch der bei Mukoviszidose defekte CFTR-Kanal unabhängig vom Alter direkt zur Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems beiträgt. 

Direkter Effekt der CFTR-Dysfunktion auf das Herz-Kreislauf-System

Der CFTR-Kanal findet sich auch in den Zellen des Herz-Kreislauf-Systems, beispielsweise in den Endothelzellen, aber auch in den Muskelzellen der Gefäße. In Untersuchungen an Tiermodellen und auch in klinischen Untersuchungen zeigte sich, dass die Aorta und auch andere Gefäße bei CF versteift sind, was mit dem defekten CFTR-Kanal in Zusammenhang gebracht wird. Als Folge der Aorta-Steifheit kann das linke Herz überlastet werden. Aber auch periphere Gefäße, die schon bei jüngeren CF-Betroffenen steifer sind als bei anderen Menschen, werden durch die CFTR-Dysfunktion geschädigt, wie genau, ist noch unklar, aber ein Zusammenhang mit der defekten Salz-Wasser-Regulation wird angenommen. Außerdem könnte die CFTR-Dysfunktion die Entzündungsreaktion in den Gefäßen direkt antreiben. 

Hochwirksame Modulatortherapie (HEMT) beeinflusst auch das Herz

Mit den neuen Therapien (CFTR-Modulatoren) ändert sich die gesundheitliche Situation für viele CF-Patienten. Perspektivisch werden die Betroffenen älter, sie leiden weniger an der schweren Lungenerkrankung, entwickeln aber womöglich auch mehr Übergewicht oder erhöhte Blutfettwerte. Damit träten zusätzlich zu einer möglichen Bedeutung des defekten CFTR-Kanals die klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten auf. Welche Auswirkungen die HEMT auf den primären Effekt der CFTR-Dysfunktion in den Gefäßen haben werden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend sagen. Die Korrektur des CFTR-Defekts könnte auch Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System haben. Erste Studien zeigen für die Anwendung der Dreifachtherapie Kaftrio einen Anstieg des Blutdrucks, was auf einen Effekt auf die Salz-Wasser-Regulation schließen lässt, der sich wiederum auch direkt auf die Gefäße auswirken könnte. Hier ist aber noch viel Forschungsarbeit zu leisten, um die Rolle des defekten CFTR-Kanals zu belegen und den Effekt der HEMT richtig einzuschätzen.  

Multifaktorielle Entstehung von Herzkrankheiten bei CF

Das aktuelle Wissen um Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei CF zeigt, dass an ihrer Entstehung viele Faktoren an beteiligt sein können. In den nächsten Jahren werden sich die genaueren Zusammenhänge voraussichtlich immer besser beschreiben lassen, wenn aufgrund der hochwirksamen Modulatortherapien (HEMT) mehr CF-Betroffene ein höheres Alter erreichen und sich neue und bekannte Risikofaktoren genauer erfassen lassen. Das Verständnis für die primären und sekundären Auswirkungen der CFTR-Dysfunktion auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems wird mit dem steigenden Alter der Betroffenen immer wichtiger. Strategien zur Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten daher bei Menschen mit CF schon jetzt in die Behandlung und Vorsorge einfließen. 

Zitierte Fachliteratur 

Poore, TS, et al. Cardiovascular complications in cystic fibrosis: A review of the literature. J Cyst Fibros. 2021 Jun 14;S1569-1993(21)00126-0. doi: 10.1016

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Uta Düesberg (udueesberg(at)muko.info).

In diesem Beitrag werden Wirkungen bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln besprochen. Diese Informationen werden durch das Mukoviszidose-Institut ohne den Einfluss Dritter nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt. In keinem Fall ist damit eine Empfehlung für den Gebrauch oder Nichtgebrauch eines Arzneimittels verbunden. Patienten sollten vielmehr mit ihrem/ihrer Arzt/Ärztin die für sie individuell richtige Therapie besprechen.


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