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Neuer Forschungsansatz zu Nanobodies macht Hoffnung – aber der Weg ist noch lang

Mikroskop: Der Mukoviszidose e.V. möchte die CF-Forschung für Wissenschaftler interessant machen.

Foto: tetmc - istockphoto.com

Die aktuelle Pressemeldung der Charité – Universitätsmedizin Berlin zu einem neuen Therapieansatz gegen Mukoviszidose hat auch uns beim Mukoviszidose e.V. sehr gefreut. Denn: Ein Teil dieser Entwicklung baut auf Forschungsarbeiten auf, die wir als Verein durch unsere Projektförderung finanziell unterstützt haben. Zu sehen, dass daraus nun so vielversprechende Ergebnisse entstehen, ist für uns und unsere Fördernden ein starkes Signal, wie wichtig langfristige Forschungsförderung ist.
Mikroskop: Der Mukoviszidose e.V. möchte die CF-Forschung für Wissenschaftler interessant machen.

Foto: tetmc - istockphoto.com

Was wurde konkret gezeigt?

Den Forschenden ist es gelungen, sogenannte Nanobodies – eine spezielle Form von Antikörpern – in Zellen einzuschleusen. Dort helfen sie, den CFTR-Kanal besser zu „falten“, sodass er wieder funktionieren kann. Untersucht wurde das im Zellmodell bei Vorliegen der häufigen F508del-Variante des CFTR-Kanals. Ein defekter CFTR-Kanal führt zu Mukoviszidose - eine Reparatur des CFTR könnte also den Gesundheitszustand von Menschen mit Mukoviszidose verbessern. Besonders spannend: In Kombination mit Modulatoren konnte die CFTR-Funktion in Zellmodellen fast vollständig wiederhergestellt werden – Modulatoren alleine „schafften“ bislang nur rund 50% CFTR-Aktivität im Vergleich zu gesunden Kontrollen.

Das klingt zunächst sehr beeindruckend – und das ist es auch. Gleichzeitig ist uns wichtig, das realistisch einzuordnen:

Nanobody bindet an CFTR-Protein bei F508del-Variante

Entwickelt und untersucht wurde der Nanobody zunächst für die F508del-CFTR-Variante. Und bisher wurden diese Ergebnisse nur im Labor erzielt, nicht am Menschen. Ob dieser Ansatz später tatsächlich als Therapie funktioniert, müssen erst klinische Studien zeigen. 
Bis dahin ist noch einiges zu tun: Zum Beispiel muss geklärt werden, ob die Behandlung sicher ist und wie sie überhaupt angewendet werden kann – etwa als Inhalation. Gerade bei Mukoviszidose stellt der zähe Schleim in den Atemwegen hier eine besondere Herausforderung dar.
Und selbst wenn alles gut läuft, braucht es Geduld: Von den ersten Studien bis zu einer möglichen Zulassung vergehen in der Regel viele Jahre – oft etwa ein Jahrzehnt.

Durch Kombination von Wirkstoffen fast vollständige CFTR-Funktion

Trotzdem ist diese Arbeit für uns ein wichtiger Meilenstein. Sie zeigt, dass es möglich ist, einen Nanobody ganz gezielt für veränderte Bereiche im Protein zu entwickeln und in Zellen einzuschleusen, um damit in einen Krankheitsprozess einzugreifen. Das könnte nicht nur für weitere Formen der Mukoviszidose, sondern auch für andere genetische Erkrankungen neue Wege eröffnen. Für die Behandlung der Mukoviszidose zeigt die Arbeit außerdem, dass eine fast vollständige CFTR-Funktion durch eine geschickte Kombination von Wirkstoffen möglich ist. Eine personalisierte Kombination von verschiedenen Wirkstoffen ist möglicherweise die Zukunft der CF-Behandlung. 

Forschung weiterhin dringend notwendig, um allen helfen zu können

Gleichzeitig gilt auch hier: Ein solcher am Protein ausgerichteter Ansatz kann nicht allen Menschen mit Mukoviszidose helfen, denn wenn wie bei Stopp-Mutationen (Nonsense-Mutationen) gar kein CFTR-Protein gebildet wird, können auch Nanobodies nichts ausrichten. Deshalb bleibt es unser Ziel, auch weiterhin Forschung zu fördern, die unabhängig von der jeweiligen Mutation wirkt.

Unser Fazit

Die Ergebnisse machen Hoffnung und zeigen, was Forschung bewegen kann – auch dank der Unterstützung unserer Gemeinschaft. Aber sie sind erst ein früher Schritt auf einem langen Weg. Genau deshalb ist es so wichtig, dranzubleiben.

Quelle:

Pressemeldung der Charité Berlin